Unterwegs bis Reims – Frauenpower und Challenges

27.5.2026

Wecker steht auf 8.00 – die Schleusen machen erst um 9.00 auf und außer Kaffee sind wir beide keine Frühfrühstückerinnen…

Birgit war ja schon oft an Bord – wir sind eingespielt und wollen es bis zum Abzweig gen Süden nach Berry au Bac schaffen -den vergrasten Ardennenkanal hinter uns lassen…. es ist hier wirklich so, als führe das Boot über Land. Mehrfach müssen wir vor und zurück, um Gewächse aus der Schraube zu bekommen. Sieben Schleusen liegen vor uns, zweimal schleusen wir zu dritt: eine Herausforderung….insbesondere, weil unsere Leinenlänge kaum bis oben reicht. Ein netter Holländer hat dann unsere eine Leine mit festgehalten. Die Schleusen sind sehr hoch und oben einen Poller zu treffen ein wahres Kunststück….

Den viel gelobten Anleger in Berry au Bacs großem Becken (da treffen sich 3 Kanäle) gibt es nicht, andere Freizeitboote auch nicht. Mühsam eine Stelle im Parkverbot gesucht…dann hat Birgit das Boot heroisch zurückgezogen. Etwas erschöpft haben wir es zu Fuß nur noch zu einer Mülltonne geschafft, die hinter einem Zaun lag – kleine Kletteraktion.

28.5.2026

Heute wollen wir es bis Reims schaffen….Als erstes ein Stück zurück gefahren, denn an der Stange, die wir für die Schleuse betätigen müssen, sind wir gestern schon vorbei…Perfektes Drehmanöver, rückwärts Stange erreicht, nochmal gedreht und wumms ….wir stecken fest! Kann nicht wahr sein! Vorwärts, rückwärts, vorwärts, rückwärts – anstatt dass wir uns befreien, sinkt das Heck immer tiefer in den Schlamm, der tüchtig aufgewirbelt wird….

wir sitzen fest….
…und behalten unsere gute Laune…

Kurze Zeit später kommt ein kleines Motorboot, und versucht, uns herauszuziehen – leider erfolglos! Also rufe ich VNF an und schildere die Situation, sie wollen kommen, aber es würde dauertn..Reims ade? Ich mache mir Sorgen, weil das Heck immer tiefer in den Schlamm sinkt und die Wasserlinie näher kommt, nicht schön! Wir warten 1 Stunde und rufen dann noch mal an., ja, ja….Hilfe sei auf dem Weg…. weitere 10 Minuten später kommt die Hilfe mit drei Autos, aber ohne Boot…. sie machen sich vom Rand des Kanals lustig und meinen, wir könnten ja schwimmen. Wollen wir nicht! Dann fahren Sie wieder ab und versprechen, sich zu kümmern. Ein dickes, holländisches Motorboot passiert uns Richtung Schleuse. Und wir bitten Sie nicht um Hilfe, da wir ja denken, dass wir VNF schon benachrichtigt haben. Kurz vor der Schleuse dreht das große Motorboot und fährt auf uns zu. Die Holländerin ist sehr aufgeregt und motzt uns an, warum wir denn bei ihrer Vorbeifahrt nicht bereits um Hilfe gebeten hätten… wir entschuldigen uns 1000 mal aber das nützt nur ein bisschen. Mit einer langen Leine und viel Motorkraft ziehen sie an Mawi, es ruckelt und rumpelt heftig…Und tatsächlich: wir sind frei! Juhuu!!! Eineinhalb Stunden später als geplant kann die Fahrt weitergehen!

Wir schleusen zunächst mit den Holländern, (in den Canal lateral de l´Aisne), die das nicht so lustig finden, weil wir sie ja eh schon aufgehalten haben. In der zweiten Schleuse mit ihnen gemeinsam brauchen wir ewig, bis wir den oberen Poller treffen, (in der ersten Schleuse hat uns jemand von oben geholfen) . Birgit gelingt das nach vielen Versuchen bravourös, aber eigentlich müssten wir an eine Leiter. Das schlagen uns dann auch die Holländer vor – ob es nicht entspannter wäre, wenn wir alleine schleusen würden. Wir bedanken uns noch mal herzlich für unsere Rettung und sind sofort einverstanden.. Allerdings: Schleuse zwei und drei sind gemeinsam geschaltet, und man muss sie auch gemeinsam passieren. Ansonsten hockt man mal wieder da und muss VNF anrufen – so langsam sind wir bei denen bekannt wie bunteste Hunde :). Wieder 1 Stunde gewartet, wieder noch mal angerufen, offensichtlich war Mittagspause….

Di e weitere Fahrt ohne Probleme, schaffen wir es noch bis Reims, beziehungsweise etwas südlich nach Sillery in eine Marina? Da sind „nur“ noch drei Stadtschleusen zu bewältigen und die schließen um 18:00 Uhr…. wir gucken häufig auf die Uhr, ja, müsste gerade noch klappen. Wir fahren in die Stadt ein, dann macht sich zu guter letzt noch ein Paddlerpärchen einen Spaß daraus, uns zu ärgern. Sie paddeln vor uns her, wechseln immer die Seite und es gibt keine einzige Möglichkeit sie zu überholen. Ich werde richtig wütend und lasse meinen Tomaten und Eierwurfphantasien freien Lauf. Setze ich aber glücklicherweise nicht um. Stattdessen spreche ich sie an, aber sie tun so, als würden sie nichts hören… Was bleibt ist ein ewiges Hinterhergetucker und Fluchen! Wie zu erwarten: wir schaffen die drei Schleusen nicht mehr. Anlieger gibt es auch nicht viele und der alte Flußanleger von Reims wird gerade renoviert… Angeblich kann man für eine Nacht an der Baustelle anlegen und das tun wir dann auch! Noch „romantischer“ als am Vorabend…

sieht aus wie Sandstrand…ist aber Baustelle
geht doch mit der Romantik….die andere Richtung…

Wie fast immer, fügt sich alles doch noch zum Guten – nach einer kurzen Erschöpfungsabschüttelpause raffen wir uns auf, um noch einen Blick auf die Stadt zu erhaschen und: sehen die Kathedrale in der Abendsonne!!! Das wäre ohne die ätzenden Paddler niemals geglückt (Danke!)! Wir sind völlig begeistert und gönnen uns mit diesem tollen Blick „Fish and Chips“! Köstlich!

29.5.2026

Nur drei Schleusen trennen uns von Sillery, wir stehen pünktlich um neun vor der ersten. Die hat es schon mal in sich und gibt uns das Gefühl, uns in einer Atlantikwelle zu bewegen. Wir haben beide von Schleusen gerade die Nase gestrichen voll !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!🤮🤢😮

Um 12:00 Uhr laufen wir in Sillery ein, die Franzosen, die ich schon aus Revin kenne, helfen beim Anlegen. Wie nett, dass die auch hier sind! Angenehme und entspannte Marina, Supermarkt nur 300 m entfernt – wir wollen den Tag für Infrastruktur nutzen: Boot schrubben, Waschmaschine waschen, Großeinkauf, Dusche. ..Unsere Retter sind inzwischen auch angekommen – wir bringen ihnen als Dankeschön ein paar Lindorkugeln vom Einkauf mit. Und endlich haben wir es geschafft – sie freuen sich und reden mit uns :)! Zu k.o. vom Vortag für größere Unternehmungen. Abends Baguette und Käse, morgen Pausentag.

30.5.2026

Wie wunderbar! Ein Pausentag! Morgens noch ein paar Arbeiten: Diesel nachfüllen, Seefilter sauber machen.. neuen Diesel in Kanistern von der Tankstelle holen (Mawi ist mit erstaunlich wenig Sprit zufrieden). Ein Franzose vom Boot gegenüber sieht uns mit Kanistern kommen und fährt uns tatsächlich mit dem Auto, großartig! Wieder bedanken wir uns mindestens 1000 mal!!!

Der Nachmittag gehört Reims! Wir fahren mit dem Bus ins Zentrum, trinken dort erst mal einen Kaffee, geraten in ein mittelalterliches Fest direkt vor der Kathedrale mit diversen Ständen und bewundern dann die Kathedrale von innen. Ich bin immer wieder erstaunt und überwältigt, wie großartig Menschen aufgrund ihres Glaubens Bauwerke errichten: Kirchen, Moscheen, Synagogen, aber auch hinduistische oder buddhistische Tempel – alle sind aufwändigst konstruiert, architektonisch zum Teil einzigartig…. um einen Raum der Stille, des Betens, der Spiritualität und der Einkehr zu schaffen und die Schöpfung zu ehren….

In der Kathedrale gefallen uns vor allem die Fenster von Chagall und wir setzen uns eine Weile davor.

Auf dem Platz davor treffen wir dann wieder auf mittelalterliche Musiker, schlendern weiter und finden einen anderen, sehr schönen Platz, wo wir eine Cola vor einem Fußballcafe trinken. Alle sind sehr aufgeregt, denn heute trifft Paris Saint-Germain auf Arsenal – wer gewinnt die Champions League? Bei unserer Cola kommen wir rasch ins Gespräch mit einer netten und sehr gestylten Senegalesin, und einem ebenfalls sehr netten Portugiesen, der seit längerem in Frankreich lebt. Beide sind sehr unterhaltsam, und der Portugiese verrät uns, dass er immer“Italian Boy“spielt und sich Marcello nennt :). Irgendwann verabschiedet sich die Senegalesin und tippelt bei dieser großen Hitze auf High Heels davon. Gut, dass ich solche Schuhe nicht besitze, damit könnte ich Krankenhausbesuche empfangen.

Eine Ecke weiter lädt mich Birgit auf ein Glas Champagner ein, schließlich sind wir in der Champagne!!!! Sehr lecker! Geht auch in Sandalen und Turnschuhen :)!

An der nächsten Ecke wartet das von uns ausgeguckte Restaurant, ein Familienbetrieb, laut unseren Recherchen sehr angesagt. Können wir nicht weiterempfehlen! Vorspeise aus der Dose, Fleisch zäh, Fisch, obwohl schon tot, nochmals gestorben: in Sauce ertrunken! Aber wie immer: wir lassen uns unsere guten Laune nicht nehmen. … an Bord ist das Essen ja wieder besser. Einen Bus zurück gibt es nicht, deswegen machen wir unseren Abendspaziergang zum Bahnhof und nehmen dort ein Taxi. Eine lustige Fahrt mit einem fußballbegeisterten Fahrer. Wir bekommen das spannende Elfmeterschießen zwischen Paris Saint-Germain und Arsenal im Radio zu hören und fiebern mit. Da wir in Frankreich sind, halten wir zu Paris. Und: Paris gewinnt!!!

Attigny – Rethel

24.5.2026

Schon wieder einmal heißt es Abschied nehmen – Isabel und Micha müssen zurück, wieder einmal traurig… Wir frühstücken noch gemeinsam, und in der Boulangerie finde ich neben Baguette zwei goldene Bougis fontaines und bringe die den beiden mit. „Bougis“ für die Glühkerzen (Bougis d´allumage) und eine Fontäne für die geschaffte Schleusentreppe 👍👍👍. Pünktlich um 11:00 Uhr kommt das Taxi und ich klettere halb winkend zurück auf Mawi. Kleine Arbeiten stehen an wie zum Beispiel staubsaugen, Seefilter prüfen, ein bisschen kehren. Da es keine Dusche gibt, wasche ich mich im Bikini am etwas entfernten Wasseranschluss für Boote und fülle direkt noch einem Eimer ab, um ein paar Klamotten zu waschen. Das gute alte „Rei in der Tube“ (hatte schon meine Mutter auf Reisen dabei) leistet ordentliche Dienste :).

Ein Spaziergang durch den Ort ist schnell geschafft, leider finde ich kein Eis, noch nicht einmal ein Magnum! Abends Salat und frühes Schlafen – am nächsten Tag will ich das erste Mal alleine fahren und bis Rethel kommen, denn meine Freundin Birgit kommt da besser hin.

Attigny an Pfingsten

25.5.2026

Ich bin aufgeregt, vier Schleusen und ein Anleger warten auf mich… pünktlich um neun lege ich ab und tucker zur ersten Schleuse, vorher habe ich den Ankersplint gelöst, damit ich im Notfall schnell ankern kann… Etwas Sorge habe ich wegen der Verkrautung des Wassers – andere Bootsfahrer haben berichtet, dass sie vor jeder Schleuse den Seefilter reinigen. Bei noch zu erwartenden etwa 180 Schleusen keine sehr dankbare Aufgabe. Eigentlich sieht das Wasser des Kanals unbefahrbar aus…. Ich habe auch schon jemanden kennen gelernt, der wegen der vielen Wasserpflanzen umkehren musste. Aber bisher fährt Mawi ganz brav durch all die Schlingpflanzen und der Seefilter hat nur wenig Algen am Abend. Hin und wieder muss ich vor und zurück um irgendwelche Pflanzenteile vom Propeller zu lösen.

verrückt, wie unterschiedlich Wasser sein kann…

Die Schleusen sind jetzt anders zu öffnen, die automatische Fernbedienung musste ich zwei Tage vorher in der 27. Schleuse abgeben… jetzt hängt 300 m vor dem Schleusentor eine Stange über dem Kanal, die man ansteuern muss, um sie dann zu drehen, finde ich nicht angenehm. Aber es gelingt! Das Anlegen auch, aber die Schleuse funktioniert nicht… scheint ein Dauerproblem zu sein! VNF angerufen, schnelle Hilfe kommt! Weiter getuckert, weit und breit kein Schiff. Schon ein komisches Gefühl! Aber es geht weiter, und ich habe mir vorausschauend Picknick, Wasser und Sonnenschutz ins Cockpit gelegt. Brauche alles! Fast am Ziel verpasse ich zuletzt doch noch die Stange und fahre vorbei…Rückwärts angesteuert, drehen geht nicht! Und dann stecke ich auch noch in der vierten Schleuse wieder fest. Nochmal VNF, diesmal eine halbe Stunde gewartet und die Pause zum Kaffeetrinken genutzt …Sehr angenehm! Nach 4,5 Stunden erreiche ich Rethel, habe zum Glück alles für einen Anleger rechts vorbereitet. An Land eine Gruppe kiffender und Techno hörender Jugendlicher, zu fragen, ob sie mir mit den Leinen helfen, hat, glaube ich, keinen Sinn. Also angelegt und über Bord gesprungen, um dann ganz schnell eine Leine in der Mitte zu legen. Erst mal alles unordentlich, Hauptsache eine Landverbindung… klappt nicht perfekt, aber okay und ich bin zufrieden mit meinem ersten Alleinetag. Auch ein bisschen stolz, mich getraut zu haben…..

Aber: weder Strom, (nur eine normale Steckdose) noch Wasser, noch Dusche….Sch….!

Etwas erschöpft mache ich eine Pause, entschließe mich aber nach kurzer Zeit doch durch die sengende Hitze (31 Grad) zu laufen, um in einem Baumarkt einen Adapter für eine Schukosteckdose zu kaufen. Immerhin hat dieser an Pfingstmontag geöffnet! Nach 40 Minuten Fußmarsch (heiß!) komme ich durstig an. Und ja: sie haben diverse Adapter, aber den, den ich brauche, nicht. Umsonst geschwitzt! Gegenüber gibt es einen Supermarkt – na, dann kann ich ja wenigstens den Großeinkauf für die nächste Etappe mit Birgit erledigen – drinnen ist es auch noch erfrischend kühl! Eine halbe Stunde stehe ich mit einem vollgepackten gigantischen Einkaufswagen (vor allem Wasser in allen Ausführungen) wieder in der Hitze und versuche ein Uber zu organisieren – gibt es nicht. Also Taxi….3 Nummern gewählt. die erste gibt es nicht, die 2. hat keine Taxis, die 3. ist zwar tatsächlich eine Taxirufnummer, aber an Pfingsten arbeiten sie nicht. Etwas ratlos bleibe ich erstmal vor dem Supermarkt stehen -wie soll ich zum Schiff kommen? Da kommt eine Frau mit ihrer etwa 10jährigen Tochter – sie wollen einkaufen und ich sage: „Cést fermé mauntenant!“ – jetzt geschlossen…Sie beklagen ihr Pech, ich meins daraufhin auch. Und wirklich: sie helfen mir alles in den Kofferraum ihres Pick Ups zu laden und ich sitze im Dunkeln auf einem Sixpack Wasser zwischen lauter Elektrokabeln und werde recht holprig direkt zum Boot gefahren. Wieder einmal bin ich von der Hilfsbereitschaft berührt – soooo nett! Die Tochter findet das Ganze superspannend, ich bin froh!

26.5.2026

Heute kommt Birgit und ich freue mich! Aber erstmal online französisch Unterricht und dann ins Schwimmbad… ich brauche DRINGEND eine Dusche! Das Bad ist super, man/frau kann eine eigene Duschkabine benutzen, außerdem gibt es ein Außenbecken mit Strömung, Strudeln und Massagedüse. Ich dümpele so lange im warmen (27,5 Grad das eine Becken, 30 Grad das Strudelbecken – da könnten sich die Freibäder in Deutschland ein Beispiel dran nehmen! (Im letzten Jahr habe ich mich beim Senat 2 x per Mail beschwert, da nur neobeprente Muskelprötze die ungeheizten Schwimmbäder aushalten können…natürlich keine Antwort!) bis mir fast Schwimmhäute wachsen. Ich bin wahrscheinlich die mit dem höchsten Duschwasserverbrauch. Duftend mache ich mich auf den Rückweg und gönne mir noch einen Petit Café und ein köstliches Eis. „Wellnesstag“! Um 22.00 hole ich Birgit am Bahnhof ab und wir öffnen einen Cremant zur Begrüßung. Ihr Ziel: mich voranbringen!!!

Von Charlesville- Mezière zur Schleusentreppe – mit Hindernissen

Das erste Hindernis ist der noch immer mehrfach täglich auftretende strömende Regen. „Il pleut comme vache qui pisse“ habe ich in meinem Französisch Unterricht gelernt, aber ich weiß gar nicht, ob eine Kuh wirklich solche Unmengen pinkeln kann….Zumindest will ich einen der vergessenen Regenschirme zurück erobern: Francis hatte seinen im Restaurant gelassen und konnte ihn am Folgetag nicht abholen, da geschlossen. Meiner liegt im Musée Rimbeau. Dahin gehe ich zuerst – aber: hat wegen Krankheit die nächsten Tage geschlossen, Schirm ade! Weiter gehts zum Restaurant und tatsächlich: der große graue Schirm ist noch da. Prima! So habe ich jetzt anstelle eines Reklameschirms einen richtig guten – zumindest vorübergehend. Zunächst mal für nur ca. 15 Minuten, denn als ich zurück auf dem Boot bin, bin ich ohne Schirm. Kann nicht wahr sein! Kehre um und laufe die verschiedenen Geschäfte ab, in denen ich war. In der Boulangerie (natürlich letzter Versuch) werde ich fündig und auf dem Rückweg freut sich der Schirm über Arbeit :)!

Am späten Nachmittag kommen aus Nürnberg Isabel und Micha, wir essen an der Maas und planen die nächsten Tage. Zum Dessert gibt es Crepe mit Nutella – mir zu süß!

20.5.2026

Früh aufgewacht und alles für die erneute Abfahrt vorbereitet, Ziel ist der Bootsservice in Pont à Bar – den kenne ich ja schon! 17 km und 4 Schleusen weiter kommen wir tropfnass da an – in der letzten Schleuse hat es uns prasselnd erwischt!

Wir werden schon erwartet und uns wurde ein Platz freigehalten! Supernett! Innerhalb kürzester Zeit habe ich (vielleicht) gelernt, wie man den zweiten Kraftstofffilter und den Ölfilter wechselt und das Öl austauscht! Unglaublich schnell und nett sind die hier! Aber was ist mit meinem Motor los? Alle möglichen Teile werden ge und vermessen, ich verstehe eigentlich nur Bahnhof…Zumindest das Relais, welches – wie ich es verstanden habe – den Strom zu den Glühkerzen regelt, ist in Ordnung. Also vielleicht die Kerzen selbst? Micha meint, das hätte er noch nie gehört. Es wird eine ausgebaut, sie ist kohlrabenschwarz und funktioniert im Messgerät NICHT! Ich habe wahrscheinlich immer zu lange vorgeglüht, weil ich dachte: „viel hilft viel!“ Ist leider nicht immer so. Oder es gibt ein übergeordnetes Problem, dass wir hier nicht lösen können. Auf jeden Fall hängen wir hier fest, da die Glühkerzen bestellt werden müssen und erst am Folgetag gegen Mittag eintreffen werden.

mein Motor – das Rätsel!

Am späten Nachmittag fahren wir mit dem Bus nach Sedan, essen Pizza und wollen dann zurück zum Boot. Klappt nicht! Kein Bus mehr, aber auch kein Taxi. Da fährt uns doch tatsächlich der Restaurantbesitzer persönlich! Supernett! Es ist unglaublich, was für positive Erlebnisse ich auf dieser Fahrt mit verschiedenen Menschen habe, kann ich nur von lernen!

21.5.2026

Mal ein gemütliches Frühstück und kein rasche Aufbruch, hat auch was! Ich kaufe noch einen zweiten Kugelfender und alle ehemals zurückgegebenen Kanalführer erneut.

Ansonsten: wir warten! 2 Stunden später warten wir immer noch und weitere 2 Stunden später ist klar, dass die Glüh -kerzen heute nicht mehr kommen. Vielleicht morgen? Vielleicht muss man sie aber auch beim Hersteller bestellen, dann hänge ich hier 5-6 Tage fest …. eine elende Vorstellung. So nett hier alle auch sind, in Pont à Bar gibt es außer einer Hafenkneipe nichts…Die ist zwar urig, aber für eine Woche??? Keine prickelnde Vorstellung! Noch ein kleiner Spaziergang, abends Penne mit Aubergine… auch lecker!

22.5.2026

wir haben uns alle drauf eingestellt in Pont à Bar zu versacken und planen – beim wieder gemütlichen Frühstück – schon diverse Ausflüge in die Umgebung:Verdun oder Reims? Beides ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln schwierig, aber nicht unerreichbar. Immerhin! Beim Spülen und dem noch üblichen Chaos im Salon gibt’s dann die Überraschung: die Glühkerzen sind da – ich könnte sie jetzt auch Glückskerzen nennen! Ruckzuck sind sie eingebaut, noch schnell eine Dusche in einem kleinen Betonhäuschen, Rechnung bezahlt und los geht’s tatsächlich! Juhuu, wir können es kaum glauben! Und das Wetter ist endlich gut! Strahlend blauer Himmel, Sonne, bis zu 30°!

Ziel heute ist Le Chesme, nur ein kleiner Tunnel und vier Schleusen sind zu überwinden… das schaffen wir leicht!

In Le Chesme nichts los – mir fällt seit Givet immer der viele Leerstand auf – wahrscheinlich ziehen die jungen Menschen in die Städte. Aber: es gibt ein Taxiunternehmen und Isabel und Micha bestellen sich für den übernächsten Tag ein Taxi, welches sie zu ihrem Auto zurückbringt. So steht der am Folgetag geplanten Schleusentreppe nichts mehr im Weg. Wir sind gespannt, ob wir die schaffen!

23.5.2026

Wir stehen früh auf, denn wir wollen als erstes Boot in der Schleusentreppe sein…. 28 Schleusen liegen vor uns, davon 26 parallel geschaltet, d.h.: wenn wir die erste ausgelöst haben, werden alle automatisch hintereinander geschaltet. Keine Pause! Das war uns vorher nicht so klar! Nach der fast eisigen Kälte der letzten Wochen ist es jetzt bullig heiß!

Es geht immer abwärts, 3 Mal müssen wir VNF anrufen, weil die Schleuse nicht funktioniert. Aber die kommen immer sehr schnell und wir haben mal eine wenigstens kurze Verschnaufpause :)!

Schleuse Nummer 19!

Nach ziemlich genau 7 Stunden sind wir – recht erschöpft – in Attigny und fühlen uns wie frisch Ausgewählte für das Guiness Buch der Rekorde…Wir liegen idyllisch unter Bäumen, aber es gibt weder die angekündigte Dusche noch Landstrom. Ersteres wird mit frischen Klamotten und Duftwässerchen kompensiert (aus dem Alter: „Wer nicht stinkt, wie ein Tiger, gehört nicht zu uns“ sind wir alle raus…) , letzteres müssen die Solarpaneele regeln.

Zum Kochen zu müde besuchen wir das einzig offene Restaurant und essen bei dieser Hitze Mal wieder Pizza…

Charlesville Mezière

14.5. – 19.5.26

Warten auf die nächsten Mitreisenden und innerhalb von knapp 2 Wochen eigentlich kein Stück weitergekommen…Mücke zum Bahnhof gebracht, Motor ausprobiert – startet beim 3. Versuch, Wasch- und Putztag eingelegt, einen Zirkus besucht, mich über Rimbeau belesen, der hier geboren ist, und dessen Museum besucht. Er hatte eine Weile neben seiner Ehegattin eine Beziehung zu Verlaine – die beiden haben sich so gestritten, dass Verlaine Rimbeau die Hand durchschoß. Das Modell der Pistole ist auch ausgestellt. Anfang 30 hatte Rimbeau keine Lust mehr Lyrik zu verfassen und ging auf Reisen – u.a. in den Jemen und nach Somalia… Er starb sehr früh – laut Internet ist die Todesursache unklar, laut Museum Knochenkrebs. Am Wochenende Besuch von Francis, dem Belgier, den ich im letzten Jahr in Namur kennengelernt habe. Mit ihm nochmal den Motor gescheckt, Batterie fein, einen Filter gewechselt – wow: Motor springt an. Muss alle Filter mal wechseln und auch das Öl …Aber das kriegen wir nicht hin.

Putztag 🙂

Cirque

…hätte ich auch gern jeden Morgen…

Mein Motor – das Rätsel!

Wir versuchen es noch einige Male – der Motor springt immer an und Francis fährt ab. Am nächsten Morgen versuche ich es wieder….erst beim 3. Versuch! Sehr blöde! Morgen kommen Isabel und Micha – dann können wir nach Pont á Bar zur Servicestation fahren. Dort rufe ich an und mache einen Termin aus – alles kein Problem – pas de problème – prima Es ist die letzte Bootsservicestation vor Lyon, wie gut, dass ich in der Nähe bin: nur 17 km und 5 Schleusen entfernt!

Großeinkauf bei Intermarché und per Taxi zurück. Zum Glück helfen mir 2 nette Herren beim Schleppen – ich bedanke mich überschwänglichste!

Ich bin unterwegs nach Süden…

11.5.26

Hatte ja auf der langen Zugfahrt genügend Zeit zu denken – jetzt wieder gen Norden, wo die Schleusen offensichtlich immer offen sind… oder doch wieder gen Süden, wo sie wieder geöffnet sind? Gen Norden? Nein! – kommt eigentlich nicht in Frage…zu lange wollte ich das Mittelmeer erreichen…! Und ein Transport für soooo viel Geld? Auch nicht! Also nochmal umdrehen – meine Cousine fährt ganz schön hin und her 😂…

Nach dem wie immer köstlichen Croissant ordinaire (pas du beurre) Leinen los und Start, aber…Motor startet nicht. Orgelt herum, aber der Funke springt nicht über. Wir warten ein wenig und versuchen es noch einmal – Nichts! So eine Sch….! Motoröl ok, Diesel ok, Batteriespannung zumindest an der Anzeige ok, Kraftstofffilter ohne Wasserabscheidungen, keine Luft beim Entlüftungsversuch, mh! Mein ohnehin diesbezüglich schlechtes Latein ist am Ende! Wieder einmal Micha Weber (Danke!) aber während wir sprechen, springt der Motor an. Allerdings am Landstrom…aber immerhin! Inzwischen ist es 14.00, Starkregen ist angesagt und wir beschließen in Revin zu bleiben und erst am nächsten Tag weiter zu fahren. Mückes Reservetag ist damit weg! Regen kommt natürlich doch nicht und wir unternehmen einen netten Spaziergang durch den Tunnel des Hinweges per Boot. Abends Pizza! Lecker bei dieser Kälte! Die Eisheiligen haben voll zugeschlagen und ich habe vergessen zu erwähnen: in Revin war Glatteis auf dem Boot – nicht schön!..

12.5.26

Wie immer hoffe ich auf die Selbstheilungskräfte 😂… Leider ist das nie eine gute Idee, nur im Voodoo haben Gegenstände Seelen – ob das auch für Motoren gilt, weiß ich allerdings nicht, die gab es noch nicht! Motor springt also wieder nicht an. Der nette Niederländer vom „Blauen Raben“ nebenan checkt nochmal alles durch, findet aber auch nichts. Also Start mit Landstrom – das klappt gut😳! Wir brauchen folglich unbedingt einen Liegeplatz mit Strom und suchen uns Monthermé aus.

Beide finden wir uns mutig! Mücke, weil sie jetzt nach 2 Tagen mit Bodo ohne vorherige Schleusenerfahrung alles an Deck managen muss, ich, weil es das erste Mal ist, dass ich mit einer Bootsunerfahrenen unterwegs bin. Und wir haben mindestens 4 Schleusen vor uns! Meine Cousine entpuppt sich als beste Schleusenfahrerin ever!! Die erste hat einen Hub von 3,80m – bravurös gemeistert, die 2. heißt Ecluse De Ville, wird aber von uns in „Ecluse Devil“ umgetauft. Totale Waschmaschine! Auch diese meistern wir großartig und nach der „Devil“ kann uns nichts mehr schrecken, wir sind DAS Schleusenteam!

Und wir sind so früh in Monthermé, dass wir beschließen weiterzufahren…aber wo gibt´s Strom? Laut Karte in Joigny sur Meuse, etwa 12 km vor der Marina in Charlesville Mezière und nur 2 Schleusen entfernt.

Die vermeintliche Marina entpuppt sich als einfacher Holzanleger für ein einziges Boot, bisher offensichtlich ausschließlich von Gänsen und ihren Hinterlassenschaften frequentiert. Aber ein Stromsockel ist da, also legen wir an. Nach 2 Landleinen erstmal Steg säubern mit Unmengen von Maaswasser – schließlich wollen wir ohne Gänsekacke ein- und aussteigen können. Die Hälfte des Steges überlassen wir den Vögeln und ich erwäge ein entsprechendes Schuld aufzustellen: „Reservée aux oies / for geese only / reserviert für Gänse!“

Nachdem die 4. der probierten Stromdosen funktioniert gehen wir in das sehr kleine Dorf (627 Einwohner/Stand 2023), um den in unserer Karte beschriebenen Laden zu finden. Fast hätten wir diesen trotz Fragens übersehen, denn der Laden ist gleichzeitig Bäckerei, Lebensmittelladen, Post und Café und fungiert als geselliger Treffpunkt der Bewohner:innen.des Ortes. Sehr sympathisch dort! Wir kaufen die Tomaten auf (ansonsten gibt es an Gemüse nur nicht mehr brauchbare Paprikaschoten), und fragen nach Baguette am Folgetag… Aber: da hat der Laden leider geschlossen und uns wird eine Bäckerei in Nouzonville empfohlen. Wir erklären, dass wir auf einem Boot sind und dort nicht so schnell hinkommen. Ah – wir sind „Die auf dem Boot“ – wir waren schon gesichtet worden. und sind „Talk of the evening“….Wann legt hier schon ein Boot an? Einer der Dorfanwesenden bietet uns an, am nächsten Tag Baguette und Croissants zum Boot zu bringen! Wir können es kaum fassen….das ist ja soooo nett und freundlich! Ich frage mich, ob ich das auch für unbekannte Bootsreisende getan hätte – mh! Und nehme mir vor zu Reisenden, die ich in Berlin antreffe, (noch) hilfsbereiter zu sein.

Abends snacken wir Humus, Tomaten und was wir sonst noch so im Kühlschrank finden, sichern mein leider etwas undichtes Fenster vor weiterem Regen und bewundern den Abendhimmel.

könnte hübscher gedeckt sein…
lange konstruiert….
„Red in the night is the sailors delight“….mal schauen, ob´s stimmt!

13.5.26

Mücke geht schon ganz früh spazieren, ich erfreue mich am Kaffee, den sie immer vorbereitet, Ein wahrer Luxus morgens aufzustehen und der Kaffee ist fertig! Werde ich vermissen, bin morgens immer stark verlangsamt und eigentlich erst nach dem obligatorischen Koffein und Volumen blutdruckstabil und ansprechbar :)!

Und dann: pünktlich gegen halb 9 kommt ein sehr alter Mann (wahrscheinlich ein Verwandter des Menschen im Laden) auf den recht glitschigen Steg und bringt tatsächlich Baguette und Croissants🥖 🥐! Wir sind total begeistert! Wie supernett ist das denn!!?? Er hat Deutschland sicher nicht nur im Guten erlebt… Je älter ich werde, desto mehr denke ich, dass Erfahrungen , Geschichte, Familie und Erlerntes jede:n prägen und man/frau sich von ererbten Vorurteilen frei machen kann oder könnte! Dieser alte Mann ist bestimmt über einen Schatten gesprungen!

Es ist unser letzter gemeinsamer Fahrtag, das stimmt uns beide etwas traurig…Und: nur noch 2 Schleusen, wo wir doch gerade so im Schleusenflow sind!!! Wir starten ohne Landstrom – klappt wieder nicht 🥲 , mit Strom klappt es, und fahren dann recht zügig nach Charlesville-Mezière. Mücke ist jetzt ungefähr wieder dort, wo sie eingestiegen ist….hat also eine kleine Rundfahrt unternommen. Ich gewöhne mich langsam daran, dass ich diese Reise zeitlich nicht planen kann – wenn ich Zeit habe, fahre ich ein Stück, wenn nicht, muss das Boot irgendwo warten.

Marina in Charlesville Mezière

Bei der Anmeldung in der Marina bekomme ich eine Adresse von Technikern und beschließe dorthin zu Fuß zu gehen, auf Französisch zu telefonieren ist doch etwas heftig… Also laufe ich mit Google Maps etwas über 1 Stunde zu der angegebenen angeblichen Bootswerkstatt – ist aber für Autos zuständig. Ich erzähle die ganze Motorstory und es wird für mich in Pont-à-Bar angerufen und mir der Hörer in die Hand gedrückt. Also doch telefonieren :). Am anderen Ende der Leitung ist die Frau, bei der ich vor einer Woche die 6 Fender gekauft habe und sie erinnert sich sofort. Sie will sich kümmern! Und tatsächlich: als ich gerade in den Bus für den Rückweg einsteige, werde ich angerufen. Etwas kompliziert gleichzeitig ein Ticket zu kaufen und über den Motor auf französisch zu sprechen – der Busfahrer erinnert mich prompt daran, dass ich nicht „Bonjour“ gesagt habe. Erst als ich ihm erkläre, dass ich nicht soooo gut französisch kann und mich mit einem „Pardon“ entschuldige, wird er freundlicher.

Der Motormensch am anderen Ende der Leitung verspricht eine Lösung und siehe da: nach 10 Minuten ruft er nochmal an und sagt, dass in einer Stunde ein Restaurantbesitzer und sein Techniker kommen. Da muss ich mich ja schon beeilen!

Tatsächlich: pünktlichst nach exakt einer Stunde kommt der Besitzer eines Restaurantschiffes (La Bohème) und sein etwas mißmutig schauender Techniker samt Strommessgerät und Batterie vorbei. Aber – wie es immer so ist – Motor springt sofort an :). Dass es die Batterie ist, glauben die beiden nicht – ich auch nicht, aber eigentlich ist das ja nur ein Glaube… Die beiden gehen wieder, das Problem ist aber nicht behoben.

Letztes Abendessen mit Mücke und lange gequatscht – sehr schade, dass sie morgen abfährt.

Frust! Und Zurück!

6.5.26

Nach unseren Kartenstudien brechen wir vergnügt auf – der Ardennenkanal ist die Alternative und hat sogar 21 Schleusen weniger gen Süden :). Statt Verdun also gen Reims – eine Kathedrale, in der mehr als 1000 Jahre die französischen Kaiser gekrönt wurden, gucke ich mir sowieso lieber an, als ehemalige Schlachtfelder.

Bereits die erste Schleuse (von 44) ist kaputt und die Menschen der VNF (Voies navigables de France) müssen helfen und die Schleuse manuell bedienen, 2. Schleuse auch kaputt – ich rufe VNF an und erfahre, dass alle 44 Schleusen ein technisches Problem haben – unklar, wie lange. ENDE!!! Ich habe überhaupt keine Lust mehr auch nur einen Meter weiter zu denken, geschweige denn zu fahren. Wir drehen um! Ich will zurück und das Boot transportieren lassen – durch Frankreich komme ich so doch NIE!

Wir drehen, passieren Schleuse 1 (wieder mit VNF) und fahren bis Charlesville Mezière zurück. Der Hafenmeister in Maastricht will mir einen Liegeplatz besorgen und ich hole bereits Transportangebote ein. Vorher vielleicht noch ein Trip gen Amsterdam? Ich rede mir alles schön um den Frust nicht ganz hochkommen zu lassen… Abends nettes Essen mit meiner Cousine,Mücke (ihr Name in der Familie, eigentlich Susanne), Elke, ihrer Partnerin, und Vali, einer gemeinsamen Freundin.

7.5.26

Platz in Maastricht klappt, erste Angebote trudeln für den Transport von Mawi ein. Puh!!! Sehr teuer!!

Die Maas mit dem Strom zu fahren ist schnell – wir fahren zum Teil mehr als 7 Knoten. 40 km und 7 Schleusen (in denen Bodo meine Cousine anlernt)s päter, kommen wir in Revin an und Bodo wird gebührend verabschiedet – er muss zurück nach Berlin. Der Platz in Revin ist superschön, die Anlage incl. Park und sehr sauberen Sanitäreinrichtungen gefällt. Hinter uns liegt der „Blaue Rabe“ – ein sehr netter Niederländer an Bord. Wir checken bei einer ebenfalls supernetten Französin ein für 4 Nächte, denn ich will ab morgen meine Freundin Isabel zum 70. Geburtstag in Nürnberg besuchen.

Abends wollen wir eigentlich kochen…aber unser Nachbar kommt beladen mit Tüten vorbei und schwärmt von Frittes…Wir sind spontan und gehen auch zu der Bude….die Saucenauswahl ist beträchtlich:

8.5.26 – 10.5.26

Per Zug nach Stuttgart zu meinem Freund Heinz, am nächsten Tag nach Nürnberg und ein tolles Fest zu Isabels 70. Geburtstag gefeiert, Übernachtung im Hotel, kochend heiß geduscht (endlich mal nicht lau) und 10 Stunden in 7 Zügen zurück zum Boot. Pünktlich auf die Minute (französische Eisenbahn) wieder in Revin. Mücke konnte kaum fassen, dass ich so pünktlich wieder an Bord bin. Und: die Schleusen im Ardennenkanal sind wieder offen… doch gen Süden?

Croissants und Fender – von beidem viel :)

Sonntag, 3.5.26

In Frankreich sind Croissants ein Muß, finde ich! 350 kcal, ungesunder heller Teig – aber köstlich! Also verlassen wir am frühen Morgen das immer noch vor der Autobrücke romantisch festgemachte Boot und gehen in eine Boulangerie. Bepackt mit 2 Tüten – Baguette muss es schließlich auch sein – legen wir kurze Zeit später ab: Ziel: Charlesville Meziere, Alternative falls wir das nicht schaffen: Montherme. Direkt hinter Givet Schleuse und Tunnel (s.o.), 3. Schleuse kaputt – halbe Stunde Reparaturzeit. Alles klar: es wird Montherme! Leider letzte Schleuse des Tages kurz vor Ziel nicht in der Karte unter ihrem Namen verzeichnet – die haben wir übersehen und sind zu spät dort angekommen – 18.15 keine Chance (Schleusenöffnungszeiten 9.00 – 18.00). Anleger direkt vor der Schleuse in der Pampa, Essen an Bord.

Montag, 4.4.26

Keine Croissants weit und breit! Aber auf die Minute genau schaltet die Schleuse ihr rotes Licht an und ich laufe mit der Fernbedienung ein Stück zurück, um sie zu bedienen. An Montherme vorbei weiter nach Charleville Mezière in eine richtige Marina, wow! Mit Einfahrt, Anmeldung, Sanitärhäuschen, Strom und allem drum und dran! Unseren Platz können wir aussuchen, es gibt nur 7 Boote obwohl Platz für 88 ist. Aber irgendwie hat die Saison noch nicht richtig angefangen! Wir gehen einkaufen – auch Croissants – und fahren mit Taxi zurück an Bord wegen der vielen Wassersixpacks…

Anschließend Ortsbesichtigung und Fisch zum Dinner.

Dienstag, 5.5.2026

Heute kommt meine Cousine! Sie will noch 2 Tage von Bodo lernen, was so zu tun ist beim An/Ablegen und in Schleusen und dann noch ein bißchen mit mir weiterfahren. Ich freue mich schon, denn so gut kennen wir uns gar nicht. Zeit, dies nachzuholen! Ihre Partnerin und eine gemeinsame Freundin bringen sie zum Boot und machen dann einen Roadtrip… mehr oder weniger parallel zu uns. Treffpunkt ist Pont-à-Bar am Beginn des Ardennenkanals, denn dort ist eine Servicestation. Nicht nur Diesel gibt es dort, sondern auch einen Bootsshop! Finde ich großartig! Außer Mawi haben alle Boote, die wir sehen (sind nicht so viele, aber immerhin…) gefühlt 1777 Fender, auf jeden Fall aber 5 – 6 pro Seite. Ich besitze nur 5 Fender insgesamt und in den Schleusen wird immer leicht hektisch umgehängt. Weicht das Heck dann doch einmal aus und droht an der gegenüberliegenden Schleusenwand anzuecken, bekomme ich jedes Mal Streß! Und das will ich ändern!

Aber erstmal werden wir in der letzten Schleuse vor unserem Ziel beobachtet – meine Cousine ist schon da und winkt uns fröhlich zu! Und fotografiert!

Das finde ich so nett, dass ich erstmal an der Tankstelle vorbeifahre und dann im engen Kanal wenden muss – klappt inzwischen recht gut, aber ich bin doch jedes Mal froh, wenn ich es geschafft habe.

Nach großem Hallo 102 Liter Diesel getankt, dann in den Shop, der tatsächlich einer der einzigen auf dem Weg gen Süden ist… 6 Fender! erstanden und direkt aufgehängt: jetzt können die Schleusen kommen! Wir müssen nichts mehr jeweils auf den Seiten verändern (waren sowieso die einzigen, die das so gemacht haben – die Frau im Laden guckte mich völlig verständnislos an, als ich vom Umhängen sprach und dass dies schnell gehen müsse….)

Noch ein wenig mit der Besitzerin des Shops weiter geplaudert: Hauptroute gen Süden bei Commercie bis auf weiteres GESPERRT !!! Es kann einfach nicht wahr sein!!!!!!!!!!!!!!!

Wegen inzwischen einsetzendem strömenden Regens bleiben wir an Ort und Stelle und wollen nach dem erneuten Schreck die Karten studieren, dies natürlich am besten bei einem Willkommensaperitif in der Hafenkneipe!

Les Voies navigables de France – Tunnel und Schleusen

Vor ersteren habe ich eine regelrecht Angst – mag ich doch schon im Auto keine Tunnel und würde nie im Leben Höhlen erforschen. Letztere hingegen stellte ich mir romantisch und kontemplativ vor. Keine Schleusenwärter:innen, die mich stressen, kein Wellenschlag von Frachtern, nein: ich kann entscheiden, wann das Wasser hochsteigt oder sinkt…In meiner Vorstellung war dies ein entspannender Vorgang – ich schwebe in meinem Boot gemütlich nach oben oder unten, kann dabei meinen Gedanken nachgehen oder die Landschaft bewundern.. – und das mehr als 200 Mal!!!

Aber erstmal die Tunnel… Von denen gibt es nicht so viele, aber direkt der erste hinter Givet ist mit ca. 600 m der längste. Unbeleuchtet, am Ein – und Ausgang eine Schleuse, kalte Felswände, 4,50 – 5 m breit, also wenig Platz. Nach oben ca. 20 cm – in Erwartung des Tages hatte ich schlecht geschlafen und mich in eine mäßige Tunnelphobie hineingesteigert. Also lasse ich Bodo steuern – er findet Tunnel kein Problem! Ich greife mir unseren Scheinwerfer und beleuchte die Steuerbordseite. 2 Knoten Fahrt sind erlaubt und nach knappen 8 Minuten erreichen wir mit nur einer Fender-Fels-Berührung sicher die andere Seite. War viel weniger schlimm als erwartet!

sieht auf dem Bild viel kürzer aus….

Anders die Schleusen! Schon bald kommt die erste automatische dieser Art und wir spotten das Kästchen (wird in den Folgetagen das! Zauberwort…“wo ist das Kästchen?“ „Hast Du das Kästchen gesehen?“), welchen auf Aufforderung durch die Fernbedienung die Schleusen in Gang setzt.

Oben geht dann eine Lampe an, am Schleusentor springt eine Art Ampel von Rot auf Grün-Rot, wir müssen auf reines Grün warten und herumdümpeln bis wir einfahren dürfen. Im Moment geht es gegen den Strom, also schleusen wir immer hoch. Nach der Einfahrt wird nach dem Festmachen und Verrücken der Fender (wir haben nur 5 😥 das ist eindeutig zu wenig – die Kammer ist nur 4m breit, Mawi hat also nur 37,5 cm pro Seite bei der Einfahrt) ein blauer Stab hochgedrückt und dann schließt sich mit lautem Gebimmel das Tor. Das Schleusen beginnt, wie ich mir vorgestellt habe – langsam sickert Wasser in die Kammer und wir werden seicht angehoben. Plötzlich aber verändert sich das Geräusch, es wird etwas lauter und dann macht es „WUSCH!“ Wasserfallartig stürzt das Wasser in die Schleuse und wir befinden uns in einer Art Waschmaschine. Nix mit kontemplativer Landschaftsschau – wir haben alle Hände voll zu tun!

in Wirklichkeit krasser, aber da konnte ich nicht fotografieren 🙂

In den folgenden Schleusen stellen wir fest, dass die erste keine Ausnahme war: es ist immer so! Nur unsere Strategie wird besser. Nach dem paralytischen Starren auf das Schleusentor, wann denn wohl der Wasserstrudel kommt, stelle ich fest, dass es besser ist gar nicht hinzuschauen, das Wasser kommt ja eh…

Givet

Sowohl die ADAC Skipper App wie auch die Frage an KI hatten die Marina in Givet besonders angepriesen und wir nähern uns voller Vorfreude dem ersten französischen Stop! Baguette, Pain au Chocolat, Croissants und andere Köstlichkeiten, eine warme Dusche und ein Liegeplatz mit netten Menschen schweben mir so vor. Auch auf der Karte ist die Marina mit dem Zeichen eines kleinen Segelschiffs ⛵️eingetragen. Letzteres kreuzen wir gegen 17.00, aber da ist NICHTS! Bodo kann es überhaupt nicht glauben und checkt mehrfach Kurs und Karte – aber auf der Maas kann man/frau sich ja eigentlich nicht verfahren… Eine halbe Stunde fahren wir Kurven, um letztlich festzustellen: Marina ausgeträumt. Wir legen vor einer Brücke an (immerhin gibt es dort Schilder, die Port de Commerce und Port de Plaisance markieren) und sind weit und breit das einzige Schiff. Außerdem am Himmel dunkle Wolken und Unwetterwarnung – also erstmal an Bord geblieben. Habe ich mir anders vorgestellt unsere Ankunft in La France… Aber: Unwetter zieht vorbei und wir investieren die gesparten Marinagebühren in Boeuf und Meeresfrüchte Cassoulette :).

Givet hat offensichtlich einen ordentlichen Bevölkerungsverlust, wie wir am nächsten Morgen feststellen – viel ist leer und kaputt, nur die Zwerge haben die Stellung gehalten:

und die Fußgängermännchen:

Bald in Frankreich!

Mittwoch 30.4.26

1. Telefonat mit Herrn Schwarz aus Greifswald wegen des AIS – Backskiste ausgeräumt und hineingekrabbelt – auch nicht meine Lieblingsbeschäftigung! AIS-Gerät lokalisiert: leuchtet grün, also Strom ist drin, Kabel ist auch dran!

Nach Huy am Fluss entlang gewandert, auf dem Platz Kaffee getrunken, Croissants leider ausverkauft. Dann die Kathedrale Notre Dame de Huy (1377 heutiger Chor eingeweiht) besichtigt: großartig!

Ablegemanöver wieder bei viel Wind, eine Leine und der dicke Fender landen im Wasser, aber Bodo fischt nach erneutem Anlegen beides heroisch wieder raus. Dann gen Namur! Leider die 3. Schleuse bei unserer Ankunft schon zu, sodass wir am Stadtanleger festmachen müssen. Schade, hätte gern in Port d´Amée den Mann mit der Katze wieder getroffen.

Donnerstag 1.5.26

Erneutes Telefonat mit Herrn Schwarz – diesmal nur am Plotter. Leider weiterhin kein AIS! Wir verabreden für Mitte Mai einen Videochat- dann muss ich die Backskiste wieder ausräumen und eine Verschalung vor dem ganzen Kabelsalat abschrauben…mal schauen…. Maas und Kanäle sind sehr schiffsleer – auf der Rhone möchte ich das AIS auf jeden Fall haben! Immerhin Bilge pulvertrocken – ein Lichtblick!

Nach leckerem Müsli Start nach Waulsort – 7 Schleusen bei feinstem Wetter . Die ersten 2 Schleusen sind so entspannt, dass ich ebenfalls entspanne, aber es kommt dann ja die dritte….und die sieht so aus:

Der Schleusenwärter hatte uns hinter den Frachter gelockt, Abstand zu einem Ausleger des Frachters etwa 1,50m, Adrenalin pur! Dauernd etwas Rückwärtsgang – Stress!

Dafür die Landschaft danach umso schöner, grün strahlende Ardennen in Supersonne! Ankunft Waulsort gegen 18.30 und noch eine lange Runde in den Ort gelaufen. Das Boot des Belgiers Francis (letztes Jahr in Namur kennengelernt) sollte hier sein, ist aber nicht da.

Freitag, 2.5.26

Morgens gemütlich – Wäsche gewaschen und während des Trockenes mit der einzig handbetriebenen Fähre der Maas auf die andere Seite gefahren. Der Ort ist winzig und schnell besichtigt, noch ein Snack an der Maas und zurück mit dem an California Sunny Boy erinnernden Fährmann. Wäsche eingesammelt und gegen 14.15 los. Bald sind wir in Frankreich!

Die 2. Schleuse ist die Entscheidende! Ich steige nach dem Bootsaufstieg aus, registriere Mawi und mich und nehme eine Fernbedienung für die automatischen Schleusen Frankreichs entgegen. Nur die folgenden 2 sind noch mit einer Person besetzt, danach ist alles automatisiert.Wir sind gespannt! Noch weiteren 3 km und dann überfährt Mawi auf dem Plotter tatsächlich die Grenzlinie – auf der Maas sichtbar ist sie nicht. Es ist geschafft: ich bin in Frankreich und muss „nur“ noch gen Süden zum Meer.