Hitze 🥵🥵🥵🥵🥵

Nach einer Woche in Berlin, gefüllt mit 1000 Terminen, Treffen, Geburtstagskaffee meiner Tochter und ein bißchen Arbeit, treffe ich nach 11 Stunden Zugfahrt am 25.6. wieder in Saint Jean de Losne ein. Es ist heiß – gegen 19.30 immer noch 36 Grad. Weit und breit leider kein Taxi, also laufe ich die 2,2km zu Mawi und werde von meinen Nachbarn direkt auf einen Aperitif eingeladen – wie nett! Ich bringe noch schnell meine Tasche zum Boot und….falle fast um!🥵🥵🥵🥵🥵 – ich könnte auf der Stelle Geld mit einer Bootssauna mit Aussicht verdienen. Deutlich über 40 Grad – stehende Luft – Schweißausbrüche garantiert! Umso froher bin ich über die Einladung meiner Nachbarn und verlasse Mawi fluchtartig . Wir sitzen unter einem Sonnenschutz an Land, trinken kalten Rosé und ich übe mich im Französischen…

Grund für meine Ankunft am Donnerstag war ein Termin mit einem Techniker am nächsten Tag zwischen 8.00 und 11.00 – ich will unbedingt mein AIS vor der Rhone wieder funktionstüchtig wissen. Die Nacht wird vor allem eins: HEIß!!! und ich schlafe kaum. Zu frühster Stunde sitze ich mit Kaffee im Cockpit und fühle mich gerädert. Aber immerhin: in den frühen Morgenstunden weht ein ultraleichter Wind! Le technician kommt um 8.30, prüft dies und das, kann aber keinen Fehler entdecken…AIS funktioniert also weiterhin nicht! Sch….! Er will mir am nächsten Tag eine Nachricht senden, ob am Montag ein Elektriker kommen kann – dieser sei gerade nicht vor Ort! Also Abfahrt auf dienstags geschoben und meinem nächsten Mitfahrer, Francis, Bescheid gegeben. Den Rest des Tages im klimatisierten „Clubhaus“ der Marina verbracht, draußen ca. 39 Grad.

Samstag beschließe ich einen Ausflug zu machen: Hitze hin oder her! Schließlich kenne ich Dijon überhaupt nicht! Nach einem Petit Café am Flussufer erneut die 2,2 km zum Bahnhof gegangen (heiß!) und einen klimatisierten Zug nach Dijon genommen. Alte, ehrwürdige Häuser, eine Kathedrale (innen kühl) mit außen angebrachten Wasserspeiern nur als Verzierung und viele Museen.

alte, ehrwürdige Häuser…
3 Reihen Wasserspeier….gilt als sehr ungewöhnlich…
…bei der Hitze läuft niemand rum, außer…

Nach der Kathedrale und dem obligatorischen Petit Café besuche ich das Museum für früheres Leben in der Bourgogne (klimatisiert:)!) – leider sind die nachgestellten Läden aus dem Mittelalter im ersten Stock und der ist zu – den Mitarbeitenden könne diese Hitze nicht zugemutet werden – dabei gibt es doch eine Klimaanlage! Ich bin etwas enttäuscht, besuche aber nachgestellte Szenen des bäuerlichen Lebens und bin mal wieder froh, dass ich nicht damals lebte – Spitzen klöppeln, Linnen nähen und Großfamilie bekochen hätte mein feministisch angehauchtes Frauendasein doch sehr eingeschränkt… oder ich wäre ein Kräuterweiblein geworden – das war im Mittelalter allerdings recht gefährlich!

Lauflernhilfe für Kinder aus gehobenen Familien…

Im Anschluss spaziere ich ein wenig durch die Gassen und lande dann im ebenfalls klimatisierten „Cité internationale de la gastronomie et du vin“ – ein Riesenausstellungsgebäude, in dem verschiedenste Facetten der frz. Küche dargeboten werden: Tradition, Kunst, Bohème, Weinregionen und vieles mehr. Ich erfahre, dass die französische Esskultur 2003 in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen wurde – hat sie verdient! „Les Français ne prétendent pas que leur cuisine surpasse les autres. Ils entendent simplement exprimer l’idée que leur gastronomie est un facteur d’identité très fort, un lien qui soude leur communauté et l’identifie à leurs yeux et aux yeux de l’étranger„(Francis Chevrier, directeur de l’institut Européen d’Histoire et des Cultures de l’Alimentation).

Im Durchschnitt werden in Frankreich 30 – 50% mehr Geld für Lebensmittel und Restaurantbesuche ausgegeben als in Deutschland.

Cartoons gibt es auch:

Fahre per Zug zurück – natürlich wieder heiß und 2,2 km zu Fuß, aber auch wieder ein Glas kalten Rosé mit den Nachbarn – ein netter Empfang. Um 23.00 Feuerwerk einer Kirmes genau über dem Hafen!

Nachts unendlich heiß – ich schlafe kaum und brauche ein Klimagerät, wenn das so weiter geht. Kurzer Blick auf das Radar: die erwarteten Gewitter haben sich (leider) nach hinten verschoben und sollen frühestens in der Nacht kommen. Und eine Nachricht des Technikers: der Elektriker kann frühestens Ende der Woche – das ist mir zu spät! Alles doof! Habe dann erneut mit Herrn Schwarz telefoniert – dem Elektriker in Greifswald – er will nachdenken. Schalte alles ein und suche ein Boot, welches auch AIS hat. Immerhin: sie können mich auf dem Plotter sehen, das heißt Mawi sendet Signale aus, empfängt „nur“ keine…

Gegen Mittag kommt Francis, wir machen einen Spaziergang, trinken Kaffe und gehen dann in den klimatisierten Marinaraum. Ich hoffe das wird die letzte heiße Nacht! Mein bisheriger Schlafplatz (der kühlste unter all den heißen) ist ja nun belegt – auch sehr mißlich!

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