Heute wollen wir ankommen – es ist Birgits letzter Tag… Also: dazwischenkommen darf genau NICHTS! Um 7.00 machen wir die Leinen los – das Wetter scheint mitzuspielen, der Wind auch (noch). Die letzte Rhôneschleuse haben wir für uns alleine – das passt! Kurz darauf kommt schon mit wunderbarer Silhouette Arles – leider bleibt für eine Besichtigung keine Zeit.
Arles
Nach Arles wird die Rhône sehr sehr breit – vor diesem Abschnitt wird bei Wind gewarnt, aber es ist früh und alles noch beinahe spiegelglatt. Wir fahren durch die Camargue, ein riesiges Naturschutzschwemmland im Rhônedelta. Bedauerlich, dass wir keine Pferde zählen müssen, denn wir sehen keine…
später auf einer Weide fotografiert…
Es ist menschen – und schiffsleer und wenn dann doch mal ein Frachter entgegen kommt, bekommen wir fast einen Schreck…. Wir düsen ordentlich, denn unsere letzte Schleuse – die sogenannte Seeschleuse – ist für Sportboote nur zu bestimmten Zeiten geöffnet und wir wollen 14.30 schaffen, sonst müssen wir ewig warten. Leider frischt der Wind auf und aus dem idyllischen Rhônetraum wird plötzlich ein ganz schön kabbeliges Gewässer…
Mit Ach und Krach und französischen Chansons (Moustaki) erreichen wir die Seeschleuse um 14.23 – puh! Wir dürfen sofort rein und neben einem Frachter anlegen. Dann warten wir ewig! Gefühlt passiert gar nichts, außer dass wir dauernd verwehen. Nach ca. 3 cm Hub gehen Tor und eine Hubbrücke auf – geschafft! Ich muss erstmal kurz anlegen und mich sammeln. Ca. 2500 km und knapp 300 Schleusen (das gelegentliche Hin- und Hergefahre mitgerechnet) liegen jetzt hinter mir…
Mawi nach der LETZTEN Schleuse!
Und dann bin ich schlecht vorbereitet! Irgendwie dachte ich, dass der Hafen Port Napoleon vom Kanal Port St. Louis abgeht – wir finden aber keinen Eingang! Fahren mal hier- und mal dorthin und versuchen brüllend Menschen auf anderen Booten zu fragen – gelingt aber nicht. Also nochmal die Karte genauer angesehen – ich hatte sie falsch interpretiert (verstehe aber auch warum)…KI auch noch befragt, aber ohne nennenswerten Erfolg: angeblich gut beschrifteter Weg (stimmt von Land aus, wie wir später feststellen)…
Letztlich begreifen wir: Tonnenstrich zum Meer, vielen Containerschiffen begegnen (zum Glück weit weg), nach rechts abbiegen, Tonnenstrich zurück. Die ganze Aktion kostet uns mehr als 2 Stunden und wir legen schließlich um 17.00 am Zielhafen an. Der ist nicht gemütlich: > 1000 Plätze, davon 800 außerhalb des Wassers. Der zugewiesenen Ponton erfordert einen Buganker und rückwärts anlegen – das mache ich bei diesem Wind nicht. Zum Glück noch ein Platz am Ponton frei – den steuere ich an! Schon fast in der Lücke springt ein Typ hervor und meint, er wolle sein bereits gut vertäutes Boot dahin verlegen. „Bonjour“ sagen müsste er noch lernen und auch sonst ist ein solcher Empfang recht ruppig. Also rückwärts – nach einem so langen Tag und dem Herumirren am Ende nicht meine Lieblingsbeschäftigung. Ein Fischerboot hinter uns muss auch rückwärts – ich schaffe es gerade eben an einer Pontonecke vorbei. Die Frau des Unfreundlichen hat das kleine Drame offensichtlich beobachtet und meint, wir könnten doch dort anlegen. Erstmal kleine Runde zur Beruhigung und dann machen wir tatsächlich fest! Und bestellen uns ein Taxi! Zum Meer! Und springen rein – Salz auf unserer Haut!
am 7.7. stehe ich pünktlich an der Haltestelle der Tram , mit der Birgit ankommt. Ich freue mich sehr! Sie muss schon am 13. 7 wieder zu Hause sein….wie hoffen auf ein bißchen Glück! Wir haben an der Ostsee mit Bodo gemeinsam begonnen – wie schön wäre es, wenn wir auch das Ziel gemeinsam erreichen könnten.
Die Rhône entspringt in den Schweizer Alpen, fließt durch den Genfer See und bahnt sich dann ihren Weg bis Südfrankreich, prägt durch ihre Verzweigungen die Sumpflandschaft (Mücken und Pferde!) der Camargue und mündet schließlich ins Mittelmeer. Da wollen wir hin! Von ihren 812 km Länge müssen wir 321 fahren – mit einer Strömung von 3 – 5 km/h sollten wir schnell vorankommen – sofern wir nicht vom Mistral überrascht werden, einem sehr heftigen Nordwind, der besonders im Rhonetal beschleunigt und für steile Wellen sorgt. Vom Flussfahren wird dann abgeraten! Ich bin aufgeregt und auch etwas angespannt – zu sehr ist mir der Rhein in Erinnerung geblieben – und da waren wir meist zu dritt und hatten ein AIS. Aber: ohne Rhône gibts kein Mittelmeer, also muss ich da durch…🤷🏻♀️!
Wir trinken noch einen Petit Café, Birgit packt kurz ihre Sachen aus und wir beschließen um 12.30 zu starten: nur 40 km bis Condrieu, um schonmal einen Eindruck und ein Gefühl für den Fluss zu bekommen. Gesagt, getan! Nach 1 km auf der Saone kommen wir zur Confluence, die Strömung nimmt zu und schon sind wir unterwegs auf der Rhône und bereiten uns auf die erste Schleuse vor: viele Fender, Fensterbrett, mit Schleusenwärter kommunizieren, feststellen, dass wir nix, aber auch gar nix über das VHF Funkgerät verstehen… Alle Schleusen sind jetzt riesig, die Höhe meist ca. 12 m, die kleinste hat 8,60, die höchste knapp 23m. es ist wie ein Hinabfahren in ein Verlies, aber auch: in den Schatten – in Frankreich herrscht immer noch eine Gluthitze!
Bei der ersten Schleuse haben wir totales Glück: der Schleusenwärter nimmt alle Daten auf (wo wollen wir hin, wie heißt das Boot, wie lang ist es, waren wir schonmal auf der Rhône (NEIN!)) und schleust Mawi und uns dann ganz alleine. Es gibt automatische Poller, um die die Leinen (2 sind hier Pflicht, Rettungswesten auch) gelegt werden, dann fährt der Poller mit herunter – wir müssen nur dasitzen und halten. Einfacher, als gedacht. Am Ende wird uns zu unserer ersten Rhôneschleuse gratuliert, sehr nett! Unter dem Link: http://www.inforhône.fr kann der Betrieb an den Schleusen nachgeschaut werden, und wirklich: kaum 3 Minuten später ist unser Boot gezählt: wir sind das erste Pleasureboot des Tages :)!
erste Rhoneschleuse
So langsam entspanne ich etwas – Birgit steuert gern und ich kann endlich mal einfach dasitzen und gucken! Es gibt weniger Frachter als gedacht und mit der Strömung kommen wir schnell voran. Leider funktioniert am Kartenplottenr die Geschwindigkeitsanzeige nicht, da bei dem Versuch das AIS zu reparieren alles zurückgesetzt wurde. Wir gucken in die Bedienungsanleitung und befragen KI, aber wir kriegen es nicht hin. Also stoppe ich die Zeit zwischen zwei km-Angaben und rechne: 7,3 Knoten/h (13,5km/h). Super – unsere Laune ist prima!
Die 2. Schleuse kommt überraschend – hatten wir auf der Karte übersehen. Aber auch die meistern wir wunderbar und legen gegen 16.30 in der Marina Condrieus an: netter Empfang, gute Duschen, es ist immer noch brüllend heiß! Abends Tapas – viel zu sehen gibt es nicht.
8.7.2026
Heute wollen wir bis Valence kommen – das sind etwa 80 km, 3 Schleusen à ca. 12m Hub! Start 9.00, der Beginn ist easy. Die erste Schleuse ist voller Äste und dicken Holzstämmen – wir werden per Megaphone auf Französisch, Englisch und Deutsch darauf aufmerksam gemacht, dass sich ein dicker Stamm unter unserem Heck befindet. Wie gut, wir hatten immer nur nach vorn geschaut und den Weg zum Teil mit dem Bootshaken gebahnt! Zweite Schleuse problemlos, in die dritte mit Vollspeed, da ein Frachter extra auf uns wartete…
Gegen Mittag frischt der Wind auf und wird immer stärker. Schaumkronen! Wellen! Für die Marina müssen wir auf die andere Seite des Flusses und gegen die Strömung drehen, bei Wind und Welle sehr unangenehm! Aber geschafft! Abends zu ko, um bei der Hitze den Ort zu erkunden – schade… Statt dessen Ravioli an Bord – Valence müssen wir ein anderes Mal anschauen…..
Was schneller geht als gedacht…
9.7.2016
…denn am nächsten Tag hat der Mistral nochmal tüchtig zugelegt:
So ein Mist! Wir überlegen hin und her, entscheiden uns aber zum Glück für die sichere Variante und bleiben an Ort und Stelle. Das Mittelmeer rückt in die Ferne, Birgit hat zu wenig Zeit.und der Mistral dauert normalerweise 2 – 3 Tage. Wir verbringen mindestens 2 Stunden mit verschiedenen Windprognosen – immerhin soll es bereits am Nachmittag besser werden.
Also heute Valence! 45 Minuten durch die Hitze, dann sind wir in einem supernetten Städtchen, gehen bummeln und leisten uns Gazpacho und gemischten Salat.
Valence
Am Nachmittag windet es zwar noch, aber wir beschließen noch 3 Stunden weiter zu fahren. Haben schon Strom und 2 Leinen los, als uns davon sehr abgeraten wird – wir machen alles wieder fest und gehen zum Hafenmeister, um uns für noch eine Nacht anzumelden. Ich frage natürlich nach den Windprognosen….er meint, dass wir nachmittags hätten losfahren können – egal, jetzt ist es zu spät und wir bleiben. Ein Mitarbeiter gibt mir noch ein französisches Sprichwort mit auf den Weg: „Qui regarde trop la météo reste au bistrot!“ (wer zuviel den Wetterbericht anschaut, bleibt im Bistro sitzen) Aber wir sind ja schließlich das erste Mal hier, also lieber etwas vorsichtig! Wir haben das Mittelmeer als Ziel noch nicht aufgegeben und wollen am nächsten Morgen früh starten.
10.7.2025
Früh heißt SEHR FRÜH – wenn um 5.15 der Wecker klingelt, ist das nicht meine Uhrzeit. Birgits auch nicht! Aber wir quälen uns brav zu unserem Kaffee, denn der Wind ist weg und die Rhône fast spiegelglatt. Wir wollen sehen, wie weit wir kommen, im Geheimen habe ich ja Avignon im Sinn…
Sonnenaufgang
Leider grummeln unsere Bäuche und Birgit hat immer wieder Bauchkrämpfe. In meinem Medikamentenschrank finde ich ein Mittel dagegen, hilft aber nur ein bißchen. Und es ist heiß!!!!! Meinen Geheimplan müssen wir streichen, aber wir schaffen 102 km und knacken die 200km Marke. Und passieren die Schleuse Bollène, mit 22 – 23m eine der tiefsten Schleusen Frankreichs. Sehr beeindruckend, zumal die kleine Mawi alleine geschleust wird.
Schleuse von Bollène
Nach 9 Stunden Fahrt legen wir an: Birgit geht es nicht gut, es ist Gewitterwarnung und am Himmel bilden sich zunehmend bedrohlich aussehende Wolkenformationen. Wir finden einen Halte fluviale (davon gibt es auf der Rhône nur sehr wenige) in St. Etienne des Sorts, laut Internet ein Ort mit ca. 500 Einwohnern.
St. Etienne des sorts – Halte fluviale
Birgit schläft eine Runde, dann geht es ihr besser und wir besichtigen den Ort: geht schnell! Erstes Restaurant geschlossen, zweites ebenfalls – laut Google Maps gibt es noch ein drittes 800m stromaufwärts. Tatsächlich! Das gibt es! Und ist auch noch richtig nett! Sieht aus wie ein Strandlokal in Thailand oder Indien und hat sogar Sprühnebel zur Abkühlung. Perfekt! Leider sind wir zu müde um das Fussballspiel um 21.00 anzuschauen und sind zeitig wieder am Boot. Vor uns hat sich noch ein recht kleines Segelboot gelegt und ich bekomme ein schlechtes Gewissen, da wir genau in der Mitte des Pontons liegen. Wir bieten an, Mawi zurückzuziehen, aber müssen wir nicht – keine abendliche Leinenaktion mehr, wie fein!
11.7.2026
7.30 (immerhin nicht 6.00) Leinen los – wir wollen früh in Avignon sein! Aber heute ist Schleusenwartetag!!! Vor der ersten dümpeln wir ewig rum und fahren Kreise, an der zweiten müssen wir anlegen und 2 Schleusungen (jeweils hoch und runter, also eigentlich vier) abwarten. Aber der Schleusenwärter ist nett und ausnahmsweise auch mal kommunikativ , das ist eher selten (Birgit und ich planen schon einen Workshop: Kommunikation, Organisation und Sprachkompetenz für Schleusenwärter:innen :)).
Also warten wir brav und verlieren etwa 2 Stunden, kommen aber trotzdem schon gegen 14.00 in Avignon an, noch gut vor der für heute recht sicher angekündigten Gewitterwarnung ab 16.00. Wir fahren einen alten Rhônearm 3 km stromaufwärts, den Papstpalast als überragenden Bau der Stadt genau vor uns (1309 -1377 war hier die Hauptresidenz von sieben Päpsten – das avignonesische Exil) und die vielbesungene „Sur le Pont Avignon“(wirklicher Name: Pont Saint Bénezet) umrundend. Durchfahrt verboten!
Papstpalast„Sur le Pont d´Avignon, on y danse, on y danse….“
Wir legen an und gehen erstmal duschen – es ist sehr heiß! Die Dusche ist in Zimmer 10 eines riesigen für Tourist:innen umgebauten Frachters. Super! Wir haben das komplette Zimmer und ich stelle die Klimaanlage an. Sehr erfrischend!
Dann erkunden wir Avignon – die Stadt ist – salopp ausgedrückt – der Hammer! Im Juli ist jedes Jahr 3 Wochen lang ein international bekanntes Theaterfestival und da sind wir nun mitten drin. Überall Plakate der verschiedenen Aufführungen, Straßenmusiker:innen, kostümierte Schauspieler und Schauspielerinnen, die jeweils Reklame für ihre Stücke machen… Es ist bunt, lebensfroh, gefüllt mit guter Stimmung und wir sind total begeistert! Hier müssen wir nochmal hin! Wir werden zig Mal angesprochen und sammeln die Reklamekarten der verschiedenen Performances. Es ist alles dabei: Klassik, Moderne, Feminismus, Comédie, absurdes Theater, Cirque, Tanz, politische Spektakel – einfach alles! Und dazu superschöne alte Gassen mit südfranzösischer Architektur!
Theater überall!auch am Papstpalast Theater….
Wir lassen es uns gutgehen: essen Eis, trinken einen Mojito und wollen eigentlich in ein Lokal mit lokaler saisonaler Küche : „O´Papilles“, aber die haben trotz Reservierung nur noch einen Tisch drinnen und das wollen wir nicht. Letztlich landen wir so gar nicht französisch bei einem Chinesen, auch lecker! Wegen einer dunklen Wolkenwand verlassen wir gegen 21.00 etwas fluchtartig das Lokal und gehen trotz des Schleppens eines Sixpacks Wasser im Sauseschritt zurück zum Boot. das Gewitter bleibt fern und wir sehen nur die Blitze. ..Abkühlen tut es auch nicht! Ein Italiener kommt zu unserem Boot und findet alles phantastisch (wir ja heute auch) – er will Mawi fotografieren, darf er! Ich würde gerne wissen in welchen Ländern Fotos von Mawi gespeichert sind – fotografiert wurde auf dem Weg gen Süden oft!
Sicher ist: Avignon sieht uns wieder! Das Theaterfestival auch!
Noch ein letzter Tag in St. Jean de Losne – das ist irgendwie nicht mein Ort!!! In einem Baumarkt kaufe ich ein Brett (zur Erinnerung: hatte ja mein superschönes – über Ebay gekauftes – Schleusenbrett vor einer belgischen Schleuse gehimmelt) und möchte Löcher reinbohren lassen – das machen die aber nicht. Zurück zum Hafen: die auch nicht. Es wird mir ein „Atelier“ empfohlen – da dackeln wir dann hin. Nee – die auch nicht… Schade, dass ich keine Bohrmaschine an Bord habe! Weiter bei Hitze total zur nächsten Empfehlung und tatsächlich: 4 Löcher werden gebohrt – sogar für nur einen Beitrag in die Kaffeekasse! Nach ca. 3 Stunden ist das neue Schleusenbrett fertig: zwar nicht schön und sehr zeitaufwändig, aber brauchbar.
30.6.2026
Endlich wieder los! Wunderschöne Flusslandschaft – auch , wenn es gar nicht so einfach ist, wie ich mir vorgestellt hatte, mit jemandem unterwegs zu sein, den ich praktisch kaum kenne. Aber wir arraangieren uns irgendwie….Nach Ankunft in Chalons sur Saône hält Francis eine Siesta – ich schaue mit den Ort an. Endlich mal Menschen auf der Straße, Cafés, Restaurants, Geschäfte, Bars mit Sprühnebel zur Abkühlung….mir gefällt es nach den einsamen Kanälen richtig gut ,mal wieder etwas Trubel um mich zu haben und erstehe ein neues Kleid: Ausverkaufschnäppchen!
…nicht viele Boote unterwegs….
1.7. 2026
Wahnsinn, schon Juli! Mein Mast liegt jetzt schon ca. 1 Jahr in der Marina von Port St. Louis du Rhone und ich bin immer noch nicht da!!! Andersherum: trotz aller Widrigkeiten bin ich schon sehr! weit gekommen! Also weiter…. Und immer, wenn ich gerade so denke:“alles easy“ passiert irgendetwas! Diesmal kommt – auf dem bisher fast bootsleeren, aber mit roten und grünen Begrenzungstonnen ausgestatteten Fluss plötzlich ein Frachter um die Ecke….Nicht schlimm – auch der Tonnenstrich ist breit und ich weiche zum Rand aus.
Als das Schiff an uns vorbeizieht kippt Mawi plötzlich nach rechts weg und kommt in deutliche Schräglage. Einige
Dinge fliegen durch den Innenraum – zum Glück nichts Zerbrechliches. Steuern ist nicht mehr und wir stecken fest. Auch Francis meint, dass ich noch exakt innerhalb der Tonnen war, nützt aber nichts. Vorwärts, rückwärts, vorwärts – NICHTS!Aller guten und schlechten Dinge sind ja bekanntlich drei....ich stecke nun das 3. Mal im Sand/Schlamm – diesmal ist es letzteres. Wie durch ein Wunder kommt 3 Minuten später noch ein Boot vorbei (danach den ganzen Tag keins mehr :)) und zieht uns raus. Wunderbar! Nochmal vorwärts, rückwärts, vorwärts …um den Propeller vom Schlamm zu befreien, dann fährt Mawi wieder. Vor lauter Adrenalin ist mein Mund strohtrocken und ich kippe Wasser in mich hinein. Puh!
Die Marina in Macon sehr nett und gepflegt. Ein lustiger, ältere Herr empfiehlt uns ein Restaurant und fährt uns selbst hin: SEHR luxuriös und teuer – zum Glück können wir den Besuch abwenden, da es keine Außenplätze mehr gibt. Daraufhin werden wir zu einer Fischbrasserie chauffiert: das passt!
2.7.2026
Heute ist die Strecke nicht so lang und ich laufe erstmal die Saône Richtung Ort entlang. Es gibt bunte Wimpel, eine Kathedrale und ein uraltes Holzhaus (erbaut zwischen 1490 und 1510).
La Maison de Bois…alles sauber und bunte Wimpel….
Pünktlich um 11 Uhr Leinen los – wir wollen bis kurz vor Lyon kommen. Der reservierte Hafen von Genay entpuppt sich als ungemütliche und häßliche Werft, sodass wir gegenüber in einem Yachtclub festmachen. Etwas wackelig, da längsseits am Ufer, und etwas weit ab von allem, aber deutlich schöner! Und eine tolle Abendstimmung bei leckeren Snacks!
3.7.2026
Noch 23 km und eine Schleuse…Ehe wir uns versehen, fahren wir in die drittgrößte Stadt Frankreichs ein (nach Paris und Marseille)….
Einfahrt Lyon
Schon ein tolles Gefühl!!!! Etliche Fahrgastschiffe, Kurven und vor allem Brücken später biegen wir in die Marina Confluence: nur noch 1 km bis zum Zusammenfluss von Saône und Rhone…Die Marina ist supermodern: schicke Hafenmeisterei, auf einer Seite des Hafenbeckens sogar ein Riesenshopping Center. Ein letzter Petit Café mit Francis und schon wieder heißt es Abschied nehmen. Er fährt zurück nach St. Jean de Losne, wo sein Auto steht. Dann geht es wieder gen Belgien.
Ich bummele zunächst durch das Shoppingparadies und wundere mich, was es alles so gibt! Und was man/frau so alles nicht braucht! Kaufe eine Postkarte :)!
mehrere Etagen – Shopping Mall Marina Confluence
Dann laufe ich – vorbei an modernster Architektur – die Saône entlang bis zur Confluence – schonmal gucken :)!
Ich genieße die Aussicht bis 2 große leinenlose Hunde kommen – „die tun nichts!“ wird in Frankreich genauso versichert, wie in Deutschland. Glauben kann ich das (leider) nie!
Neben der Marina ist ein Bootsservice auf einer Peniche – ein Elektriker wird angerufen und will morgen früh kommen…das ist überraschend schnell nach der Erfahrung in St. Jean de Losne.
MAWI in Lyon
4.7. – 6.7.2026
Um 9.00 kommt der Elektriker – entpuppt sich leider als einer für Autos und hat von meinem Navigationssystem keine Ahnung. Schade! Immerhin: er will kein Geld – aber weiter hat mich das nicht gebracht. Ich recherchiere und finde eine Firma, die auf Boots- und Navigationselektronik spezialisiert ist, rufe an, keiner da, ist ja Samstag. Also schreibe ich eine Mail und fahre dann mit einem Shuttleboot ins alte Lyon. Supernett: zum einen mal auf einem Boot ohne Verantwortung zu sitzen, zum anderen durch die alten Gassen zu laufen – drumherum grüne Hügel: Lyon lohnt sich!
die Fenster sind alle bemalt….…und ein Schokolutscherkindertraum…
Zwischendurch kümmere ich mich um das Übliche: Diesel, Wasser, Einkäufe, Waschen….es wird wieder immer heißer!
Am nächsten Tag Aufstieg auf den Hügel von Croix Rousse, einem eigenen etwas alternativ angehauchten Stadtteil, der seinen Namen einem rötlichen Steinkreuz mit Steinen aus Conde verdankt, welches hier schon im Mittelalter stand. Nach jeder Zerstörung wurde es erneuert.Heute – Sonntag – ist Markttag und ich erwarte eine Art Künstler:innenmarkt und freue mich dort zu schlendern und vielleicht mit ein paar Verkäufer:innen zu sprechen…Fehlanzeige: es werden Obst, Gemüse, Käse und gebratene Hühner angeboten. Ich kaufe Kirschen, Erdbeeren (am folgenden Morgen verschimmelt) und Avocados – letztere köstlich!
Auf dem Rückweg per Bus und Boot werde ich angerufen – ein Pierre hatte meine Mail bzgl. des AIS gelesen und bietet an um 18.00 vorbeizukommen. Klingt vielversprechend – er stellt am Telefon sofort die richtigen Fragen.
Und er kommt auch um 18.00 mit einem dicken Koffer voller Geräte vorbei. Bis 21.00 nimmt er mein Boot ziemlich auseinander und schraubt alles – wirklich alles – auf, wo Kabel sind und prüft Verbindungen, misst Spannung und Strom und ich weiß nicht, was noch alles…Auf jeden Fall macht er einen hochprofessionellen Eindruck und hat Ehrgeiz das Problem zu lösen. Ich erfahre, dass er zur Zeit Aufträge in England und Südfrankreich hat und vor allem neue Boote elektronisch ausstattet. Zu mir ist er nur gekommen, weil er in der Nähe wohnt und abends noch nichts vor hatte. Problem: alles funktioniert, ist verbunden und erkennt sich, nur der Plotter hat sich von den anderen verabschiedet und macht seine Arbeit allein. Pierre macht mehrere Versuche dies zu ändern, aber es gelingt nicht. Gefällt ihm gar nicht und er will am nächsten Tag Raymarine (die Firma, von der alle meine Geräte stammen) anrufen, er kennt dort Leute. Macht er auch, aber die haben auch keine Lösung – es müsste mal ein neuer Plotter angeschlossen werden, um zu schauen, ob es dann funktioniert. Aber den kann Pierre so schnell nicht auftreiben – er fliegt am späten Nachmittag nach London. Ein Mitarbeiter seiner Firma wohnt in Montpellier – er will ihn auf mein Boot schicken, wenn ich am Meer angekommen bin. Also die Rhone ohne AIS! Nach diesem Supercheck kann ich das akzeptieren. Pierres kurzfristigen und höchstengagierten Einsatz fand ich wirklich bemerkenswert – übergroßes Danke! Musste zwischendurch ein bißchen schmunzeln, weil ich das ärgerliche Gefühl beruflich gut kenne: lange überlegt, aber Lösung nicht gefunden. … Und habe das erste Mal das Gefühl: ein Profi hat sich alles angesehen und es ist eben zur Zeit nichts zu machen…
Es sind noch 321 km und 14 Schleusen bis zum MEER! 🏝️🏝️🏝️
Nach einer Woche in Berlin, gefüllt mit 1000 Terminen, Treffen, Geburtstagskaffee meiner Tochter und ein bißchen Arbeit, treffe ich nach 11 Stunden Zugfahrt am 25.6. wieder in Saint Jean de Losne ein. Es ist heiß – gegen 19.30 immer noch 36 Grad. Weit und breit leider kein Taxi, also laufe ich die 2,2km zu Mawi und werde von meinen Nachbarn direkt auf einen Aperitif eingeladen – wie nett! Ich bringe noch schnell meine Tasche zum Boot und….falle fast um!🥵🥵🥵🥵🥵 – ich könnte auf der Stelle Geld mit einer Bootssauna mit Aussicht verdienen. Deutlich über 40 Grad – stehende Luft – Schweißausbrüche garantiert! Umso froher bin ich über die Einladung meiner Nachbarn und verlasse Mawi fluchtartig . Wir sitzen unter einem Sonnenschutz an Land, trinken kalten Rosé und ich übe mich im Französischen…
Grund für meine Ankunft am Donnerstag war ein Termin mit einem Techniker am nächsten Tag zwischen 8.00 und 11.00 – ich will unbedingt mein AIS vor der Rhone wieder funktionstüchtig wissen. Die Nacht wird vor allem eins: HEIß!!! und ich schlafe kaum. Zu frühster Stunde sitze ich mit Kaffee im Cockpit und fühle mich gerädert. Aber immerhin: in den frühen Morgenstunden weht ein ultraleichter Wind! Le technician kommt um 8.30, prüft dies und das, kann aber keinen Fehler entdecken…AIS funktioniert also weiterhin nicht! Sch….! Er will mir am nächsten Tag eine Nachricht senden, ob am Montag ein Elektriker kommen kann – dieser sei gerade nicht vor Ort! Also Abfahrt auf dienstags geschoben und meinem nächsten Mitfahrer, Francis, Bescheid gegeben. Den Rest des Tages im klimatisierten „Clubhaus“ der Marina verbracht, draußen ca. 39 Grad.
Samstag beschließe ich einen Ausflug zu machen: Hitze hin oder her! Schließlich kenne ich Dijon überhaupt nicht! Nach einem Petit Café am Flussufer erneut die 2,2 km zum Bahnhof gegangen (heiß!) und einen klimatisierten Zug nach Dijon genommen. Alte, ehrwürdige Häuser, eine Kathedrale (innen kühl) mit außen angebrachten Wasserspeiern nur als Verzierung und viele Museen.
alte, ehrwürdige Häuser…3 Reihen Wasserspeier….gilt als sehr ungewöhnlich……bei der Hitze läuft niemand rum, außer…
Nach der Kathedrale und dem obligatorischen Petit Café besuche ich das Museum für früheres Leben in der Bourgogne (klimatisiert:)!) – leider sind die nachgestellten Läden aus dem Mittelalter im ersten Stock und der ist zu – den Mitarbeitenden könne diese Hitze nicht zugemutet werden – dabei gibt es doch eine Klimaanlage! Ich bin etwas enttäuscht, besuche aber nachgestellte Szenen des bäuerlichen Lebens und bin mal wieder froh, dass ich nicht damals lebte – Spitzen klöppeln, Linnen nähen und Großfamilie bekochen hätte mein feministisch angehauchtes Frauendasein doch sehr eingeschränkt… oder ich wäre ein Kräuterweiblein geworden – das war im Mittelalter allerdings recht gefährlich!
Lauflernhilfe für Kinder aus gehobenen Familien…
Im Anschluss spaziere ich ein wenig durch die Gassen und lande dann im ebenfalls klimatisierten „Cité internationale de la gastronomie et du vin“ – ein Riesenausstellungsgebäude, in dem verschiedenste Facetten der frz. Küche dargeboten werden: Tradition, Kunst, Bohème, Weinregionen und vieles mehr. Ich erfahre, dass die französische Esskultur 2003 in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen wurde – hat sie verdient! „Les Français ne prétendent pas que leur cuisine surpasse les autres. Ils entendent simplement exprimer l’idée que leur gastronomie est un facteur d’identité très fort, un lien qui soude leur communauté et l’identifie à leurs yeux et aux yeux de l’étranger„(Francis Chevrier, directeur de l’institut Européen d’Histoire et des Cultures de l’Alimentation).
Im Durchschnitt werden in Frankreich 30 – 50% mehr Geld für Lebensmittel und Restaurantbesuche ausgegeben als in Deutschland.
Cartoons gibt es auch:
Fahre per Zug zurück – natürlich wieder heiß und 2,2 km zu Fuß, aber auch wieder ein Glas kalten Rosé mit den Nachbarn – ein netter Empfang. Um 23.00 Feuerwerk einer Kirmes genau über dem Hafen!
Nachts unendlich heiß – ich schlafe kaum und brauche ein Klimagerät, wenn das so weiter geht. Kurzer Blick auf das Radar: die erwarteten Gewitter haben sich (leider) nach hinten verschoben und sollen frühestens in der Nacht kommen. Und eine Nachricht des Technikers: der Elektriker kann frühestens Ende der Woche – das ist mir zu spät! Alles doof! Habe dann erneut mit Herrn Schwarz telefoniert – dem Elektriker in Greifswald – er will nachdenken. Schalte alles ein und suche ein Boot, welches auch AIS hat. Immerhin: sie können mich auf dem Plotter sehen, das heißt Mawi sendet Signale aus, empfängt „nur“ keine…
Gegen Mittag kommt Francis, wir machen einen Spaziergang, trinken Kaffe und gehen dann in den klimatisierten Marinaraum. Ich hoffe das wird die letzte heiße Nacht! Mein bisheriger Schlafplatz (der kühlste unter all den heißen) ist ja nun belegt – auch sehr mißlich!
Nach Dusche und kleiner Einweisung los: erste Schleusen für Susanne, die ein Naturtalent ist. Sogar die oberen Poller trifft sie!mit der Leine !! Wir fahren insgesamt 14 (1:1 Betreuung von VNF – die sind wirklich toll!) und landen in Rolampont. einem kleinen Dorf. So klein, dass wir fast den Anleger verpasst hätten und wenden müssen. Bei viel Seitenwind helfen uns die Holländer, deren Boot wir schon von vorherigen Stationen kennen, mit den Leinen. Anschließend Ortsbesichtigung – bei der Größe geht das schnell. In der einzigen Kneipe ein Bier getrunken und Pizza mit aufs Boot genommen.
Rolampont……am Abend…
13.6.26
Direkt morgens kommt VNF vorbei und bittet uns vor 10:00 Uhr nicht loszufahren, da ein größeres Schiff entgegen unserer Richtung fahren würde. Bei dem engen Kanal: klar warten wir! Um 11:00 Uhr immer noch kein Schiff… erneut angerufen, man bittet um Geduld. Gegen 11:30 Uhr kommt VNF erneut vorbei und berichtet, dass die erwartete Peniche nun an Schleuse Nummer 9 sei, wir liegen vor Schleuse zehn. Also noch mal abgewartet und dann in der Tat: ein für diesen Kanal überdimensional großes Schiff verlässt Schleuse 10 – wirkt regelrecht eingezwängt! Wir sind froh, dass wir gewartet haben. Nun aber los! Die ausgesuchte Strecke ist nicht lang, denn wir wollen nur bis Langres kommen, dort anlegen und dann die Stadt anschauen. Sie soll zu den 50 schönsten Städten Frankreichs gehören.
Nach 3 Stunden sind wir dort – für die Stadtbesichtigung müssen wir 45 Minuten in sengender Sonne und fast unerträglicher Hitze einen Hügel hoch – die Wasserflasche hat es sich leider auf Mawi gemütlich gemacht und wollte uns nicht begleiten…Oben angekommen zunächst mal: NICHTS! Keine Menschen, viele Häuser wie ausgestorben, weit und breit kein Café in Sicht: wir sind enttäuscht und fühlen unsere Anstrengung in keiner Weise belohnt. Wären wir doch nur weitergefahren! Jetzt lohnt sich das nicht mehr, denn die Schleusen schließen ja um 18.00 und wir müssten den Berg erstmal wieder runter! Etwas gefrustet setzen wir also unseren Rundgang fort und dann plötzlich wird alles besser! Kathedrale, netter Platz mit Bars und Cafés, Straße mit netten Läden und einer Boulangerie…
Langres
Nach einer wohlverdienten Pause im Café klappern wir alle Läden ab – ich erstehe immerhin eine Postkarte. Dann laufen wir die 3,5km lange Stadtmauer entlang und genießen schöne Ausblicke – nur das Boot können wir von oben nicht sehen.
Rundgang auf der alten Wehrmauer
14.6.2026
nach dem gestrigen Beinahe-Pausen-Tag hat uns heute der Ehrgeiz gepackt: wir wollen WEIT kommen! Pünktlich um 9.00 stehen wir vor der ersten Schleuse und schleusen bergauf, dies dann auch in der 2. Schleuse. Ich bin begeistert: BERGFEST! Von nun an geht´s im wahren Sinne des Wortes bergab … bis zum Meer.
…das letzte mal nach oben…
Aber erstmal geht es durch den drittlängsten beschiffbaren Tunnel Frankreichs: der Tunnel von Balesmes, knapp 6 km lang, 1880 – 1883 erbaut, also eine historische Sehenswürdigkeit, wie mir der Herr von VNF versichert, bei dem wir die Durchfahrt telefonisch anmelden müssen. Die Ampel vor der kanalisierten Einfahrt schaltet nach dem Gespräch dann auch rasch auf grün und wir fahren los. Bootsbeleuchtung ist eingeschaltet, Scheinwerfer liegt parat. Ich mag keine Tunnel!
Tunneleinfahrt
Die ersten ca. 1,5 km werden gräßlich – VNF hat vergessen das Licht anzumachen (wie sie uns später gestehen) und wir tasten uns im Dunkeln mit dem Scheinwerfer auf die rechte Bugseite gerichtet vor. Ich bin angespannt und leicht gestresst und habe offensichtlich einen Linksdrall (beim Bootsfahren unpraktisch, ansonsten im Leben ganz ok), denn Susanne wiederholt gefühlt 100.000 Mal:“Mehr rechts! Mehr rechts! Mehr rechts…!“Der Plotter blendet und piept, weil er keine Signale mehr empfängt – ich schalte ihn aus. Und denke eigentlich nur: „hier müssen wir jetzt einfach irgendwie durch!“
Und dann: die Erlösung, Licht wird eingeschaltet und alles wird einfacher. Trotzdem brauchen wir 55 Minuten! Immerhin habe ich jetzt alle Tunnel bis zum Mittelmeer geschafft!!!!
Tunnel von Balesmes
Kaum haben wir den Tunnel verlassen folgt eine Schleusentreppe mit acht hintereinander geschalteten Bergab -schleusen, bei denen wir jedes Mal wieder eine Stange betätigen müssen und zum Teil erst mal eine glitschige Leiter hochklettern, um die Stange überhaupt zu erreichen. Es folgen zwölf weitere Schleusen, zum Glück wieder mit Telecommandeur (Fernbedienung) zu bedienen. Vor allen Schleusen Wartezeit, weil die jeweils erst mal hochschleusen müssen, um uns dann bergab mitnehmen zu können. Sehr anstrengend das Boot davor immer warten zu lassen und ruhig und gerade zu halten. Mawi steht sehr ungern still! Letzte Durchfahrt um 17.55 Uhr – gerade eben noch! Angelegt in Cusey hinter einer großen Peniche – offensichtlich mit Passagieren. Deren Motor läuft und stinkt – wird aber zum Glück um 22:00 Uhr ausgeschaltet. Wir schmeißen fertige Ravioli in einen Topf und fühlen uns k.o.. 9 Stunden Fahrt, 24 Schleusen, langer Tunnel – wir sind in der Tat vorangekommen! 👍👍👍
15.6.2026
Am 18.6. will und muss ich für eine Woche nach Berlin…und am liebsten hätte ich Mawi während dieser Zeit in einer ordentlichen Marina und nicht irgendwo am Kanalufer….schaffen wir das? Also wieder ein Tag des Vorankommens geplant, einzige Einschränkung: heute um 18.00 fängt meine neue telemedizinische Kindersprechstunde an, ich würde also gern gegen 17.00 irgendwo angelegt haben, wo es eine gute Internetverbindung gibt.
Wir starten etwas hektisch, da das große Schiff vor uns ablegen will und wahrscheinlich extrem langsam fährt. Wenn wir da hinterher dümpeln, kommen wir nicht weit!Also spreche ich mit dem netten Captain, der uns vorfahren lässt, aber das muss flott gehen. Er fährt tatsächlich nur 3,5km/h – das wäre ein slow motion Tag geworden….
Wird es aber auch so: der Kanal ist ab jetzt wieder total vergrast, wir müssen mehrfach VNF anrufen, da das Gras die Tore verstopft. Im Juli/August kann man/frau hier wahrscheinlich gar nicht mehr fahren! Einmal warten wir recht lange: ein Bagger hat sich des Grases und der Schlingpflanzen angenommen.
Wir kommen leider nicht so weit, wie wir dachten und das Internet ist schlecht. Meins besonders! Außerdem ist es schon kurz vor fünf, und wir haben immer noch keinen Anleger gefunden. Kurzer Blick auf die Karte: Ah! Hinter der nächsten Schleuse ist ein Naturanleger…. ist nicht mehr weit! Wir fahren dorthin, suchen, aber den Anleger gibt es nicht. Ich werde immer hektischer und wir richten schon mal mit Susannes Telefon einen Hotspot für meinen Computer ein. Weitere zwei Schleusen – ich werde immer nervöser! Eine neue Sprechstunde direkt beim ersten Mal zu schwänzen macht wahrlich keinen guten Eindruck! Um 17:40 Uhr stehen wir irgendwo in der Pampa, Internet läuft! Zumindest etwas! Noch schnell den Hintergrund am Computer verändert, und ein bisschen Chi-Chi: Lippenstift und Bluse! Das muss reichen. 17:52 Uhr ist alles fertig und ich starte meine Sprechstunde, puh!
Im Anschluss noch ein paar Leinen um Bäume gelegt und Entspannung in schönster Umgebung, ein besseren Liegeplatz hätten wir gar nicht finden können. Gemütliches Kochen an Bord.
16.6.2026
Nach fünf weiteren Schleusen geben wir die Fernbedienung ab: Le Canal entre Champagne et Bourgogne ist zu Ende! 224 km und 114 Schleusen sind geschafft, ich kann es kaum glauben!
Ende des Kanals 111
Nach einer Eingangsschleuse (waren die nicht vorbei?) sind wir plötzlich auf der Saône… breite Flusslandschaft, kein Gras, Strömung! Wir fliegen geradezu dahin: 6,3 Knoten (1 Knoten entspricht 1,852 km), ein völlig anderes Fahrgefühl. Weiteren 2 Stunden später wird uns etwas langweilig: ohne Schleusen haben wir sehr wenig zu tun!:)
und plötzlich die .Saône..
Die verbleibenden 40 km gelingen im Sauseschritt und wir legen um 16.00 an der Bootstankstelle der Marina von St. Jean de Losne (größter Binnenhafen für Sportboote Frankreichs incl. Werft und Bootsservice) an, tanken voll und fahren nach einem Anruf, wo wir denn hin sollen, in den Hafen. Zum Glück müssen wir nur geradeaus! Soooo viele Boote auf einmal habe ich schon lange nicht mehr gesehen !
Einchecken, DUSCHEN (sehr! nötig), Ort anschauen – letzteres geht auch hier schnell – leckeres Essen in einem netten Flussestaurant und Fußball (Frankreich gegen Senegal) vor einer Imbissbude :). Frankreich gewinnt!
WM 2026 in St. Jean de Losne
17.6.2026
Ein Wartetag!!! Und sehr heiß!!!!! Sehr sehr heiß! Morgens rufe ich den Bootsservice an, ich hätte gern mein automatisches Identifizierungssystem (AIS) für die Rhone und das funktioniert ja nicht mehr. Nach zusätzlich sehr komplizierter Digitalanmeldung wollen sie sich melden. Wir warten – sie melden sich nicht. Ich rufe nochmal an – sie wollen sich melden und melden sich wieder nicht. Sehr nervig! Schließlich gehen wir ein Eis essen, weiterhin kein Lebenszeichen der Techniker. Schließlich: dann doch eins: um 16.30: sie schaffen es heute nicht! Super, am nächsten Tag geht der Zug nach Berlin! Hätten wir den Tag besser verbringen können…Dijon haben wir nicht gesehen…. Aber ein Lichtblick: „Le technician“ will am 26.6. zwischen 8.00 und 11.00 Uhr kommen…
18.6.2026
Ein Abschiedsselfie – wir sind weiter gekommen, als geplant und hatten eine sehr gute Zeit!!!
Zu Fuß zum Bahnhof – etwas mühsam … gemeinsam bis Straßburg – dort trennen sich unsere Wege. Susanne hat ein Hotelzimmer gemietet, um die Stadt zu erkunden – ich fahre weiter gen Berlin. 3 französische Züge – auf die Minute pünktlich, einen deutschen Zug: 77 Minuten Verspätung! Bin nach 12,5 Stunden in Eisenbahnen nicht mehr S-Bahn -affin und nehme vom Bahnhof Spandau ein Uber…. Komme nach 2 Monaten auf dem Boot nach Hause und wundere mich: soooo viele Sachen! Kleiderschrank voll, Badezimmer groß, Blumen üppig, Bett bequem und breit, Wohnzimmer groß… was für ein Glück ich im Leben habe !!!!!! Sich über eine unterwegs fehlende Dusche zu beklagen, erscheint mir sehr relativiert…die meisten Menschen auf dieser Welt haben keine… Ich freue mich trotzdem, aber denke über die vielen Sachen nach….Und darüber, wie ich bald am Mittelmeer bin, 19 Schleusen vor Ziel!
…wilde Schleusen, beschauliche Schleusen, kleine Schleusen, große Schleusen, hohe und niedrige Schleusen, funktionierende und kaputte Schleusen, Schleusen, die schon in der richtigen Richtung stehen und solche mit ewigen Wartezeiten, vergraste Schleusen, obervergraste Schleusen und solche, die vor lauter Vergrasung ihr Tor nicht mehr auf- oder zu bekommen…. und jetzt habe ich bestimmt noch Adjektive vergessen…..
Direkt hinter Vitry-le-Francois fängt der Canal entre Champagne et Bourgogne (früher Canal de la Marne à la Saone) an:
224 km, 114 Schleusen, die sich alle in eine der obigen Kategorien einordnen lassen, und mit knapp 6 km der drittlängste noch beschiffbare Tunnel Frankreichs. Ein sehr einsamer Kanal – es geht fast ausschließlich durch Natur, ab und zu ein Winzort oder einer, der auf der Karte lebhafter aussieht, als er ist. Dafür unglaublich viele Raubvögel und abendliche Froschkonzerte.
Nach dem üblichen Hochklettern an einer Leiter (matschig!) , um mit einer Stange die Schleusung auszulösen, gibt es jetzt wieder eine Fernbedienung, die nicht nur das Tor öffnet, sondern auch einen Knopf hat, um zu schleusen. Sehr praktisch!
unsere schicke Fernbedienung…
Aber auch die nutzt nicht immer – gar nicht sooo selten müssen wir VNF anrufen…zum Beispiel, weil das hintere Tor nicht aufgeht. Geholfen wird uns nach einiger Wartezeit mittels Abschleppseil an einem zusätzlich herbeigeeilten Auto!
…hat etwas gedauert…
Mit Gerhard und Franzi nach Orconte (NICHTS – deshalb fast den Halte fluviale, den Anleger ,verpasst) , am nächsten Tag nach St. Dizière – ein etwas größerer Ort mit Bahnhof. Auf dem Weg dorthin war in der 3. Schleuse die Elektrizität komplett kaputt – wir waren bereits vorgewarnt. „Fahrendes Volk“ – wer auch immer das sein mag – habe aus der vollen Schleuse ein Schwimmbad gemacht 😂 😂 😂 . Wenn das nicht ein krimineller Akt wäre und den VNF-Leuten viele Scherereien bereitet fast eine gute Idee…die Schleusenform ist perfekt für einen Pool. ..ich fand die Location allerdings zu veralgt.. . VNF wieder angerufen :)! Die sind echt flott!
Am nächsten Tag Franzi und Gerhardt verabschiedet und 8,5 Stunden nach Joinville, da es dort Einkaufsmöglichkeiten gibt. Neben 13 Schleusen auch mit der Fernbedienung auszulösende Zugbrücken!
durch schöne Landschaften….…nach Joinville in eine Pizzeria…
10.6.2026
Es gibt diese Tage… Viel vorgenommen – nix, aber auch so garnisxklappt! Heute ist so einer! Es regnet, aber ich will waschen. In Regensachen zu einem vermeintlichen Waschsalon – zu weit gelaufen…umgekehrt – noch nasser! Dann einen Adapter für das Auffüllen des Wassertanks von Mawi gesucht: 3 Läden – nichts! Wäsche in den Trockner, zum Boot, fast sofort wieder los… Nochmal nach Adapter gesucht – nette, bemühte Verkäufer:innen, aber NIX, nur Zeit verdaddelt. 12.30: immer noch kein Diesel, immer noch kein Frischwasser, immer noch kein Geschenk für Bodos Schwester, die bald einen runden Geburtstag feiert und gerade mal mit Einkaufswagen einiges von Lidl zu Mawi gebracht. Bodo genervt, ich auch!
Wir fahren schlecht gelaunt und bei Regen los – immerhin haben wir heute eine 1:1 Betreuung von VNF, das ist bei dem Wetter – und auch überhaupt – sehr praktisch! Die VNF Leute tragen immer schaufelweise Gras am Schleusenausgang ab – sonst ginge wohl die Tür nicht auf. Wir wollen bis Froncles kommen – dort gibt es Landstrom! Um 17.15 denkt Bodo, dass wir noch eine Schleuse vor uns haben und ist SEHR genervt, da er nicht um 18.00 vor der letzten hängenbleiben möchte. Ich auch nicht! Aber es gibt gar keine mehr und wir können einfach längsseits anlegen.
Direkt los um für Bodos Schwester im einzigen kleinen Laden ein paar französische Spezialitäten einzukaufen – immerhin: das gelingt.
Zurück am Boot Strom eingesteckt, aber nein: ich muss eine nervige App runterladen und erstmal bezahlen. Überweise Geld, Strom geht aber nicht. Hotline angerufen, aus einer Maschine eine analoge Camping-Car Karte entnommen – mich bedankt, Strom geht trotzdem nicht. Wieder angerufen – alle mögliches Tests durchgeführt – es liegt an der Stromsäule. Eine andere geht, aber da reicht unser Kabel nicht. Die verbraucht jetzt grün leuchtend mein inzwischen zweimal bezahltes Geld! Sehr nervig! Aber passt zum Tag. Bin bis 2.30 mit der Hotline und den Stromsäulen beschäftigt und esse dann noch ein paar Oliven und Nüsse – auf größere Kochaktionen so gar keine Lust mehr!!!
11.6.26
immer noch Regen, aber Laune besser. 13 Schleusen bis Chaumont, wo ich Susanne treffen will. Vor 3 Jahren haben wir uns auf La Gomera kennengelernt, sind gemeinsam gewandert und haben uns abends verabredet, Seither nie wieder gesehen.. Also ganz schön mutig von ihr sich jetzt auf diese Kanalfahrt einzulassen und dafür auch noch die komplette Nacht von Hamburg nach Paris mit dem Flixbus zu fahren… Chapeau! Ein bißchen mutig finde ich mich auch….
Bis Chaumont sind es 12 Schleusen, die letzte überraschend ruppig. VNF nur einmal angerufen… Und da unsere Laune besser ist, machen wir direkt noch ein Letzter-Tag-Selfie…
In Chaumont sitzt auf einer Picknickbank schon Susanne – sie ist nach 3 Stunden Paris mit einem Regio gekommen und seit einer knappen Stunde da. Und hat direkt zu tun…denn wir werfen ihr die Leinen zu…
Heute klappt alles Zackzack…Wir füllen nach kurzer Pause Wasser auf, dann Diesel aus Kanistern. Während Susanne und Bodo mit den leeren Kanistern zur Tankstelle wandern, putze ich mal das von den Schleusen völlig verschlammte Boot…Für 1 Euro müssen die beiden die Kanister gar nicht zurücktragen, sondern sie schieben einen Einkaufswagen von Intermarché. Praktisch! Als alles verstaut ist, das Boot wieder glänzt und wir Susanne gebührend begrüßt haben, packt Bodo seine Sachen – er fährt morgen ab und hat eine Unterkunft nahe Bahnhof gebucht. Das Gepäck ist recht schwer und er hofft auf ein Taxi. Ich rufe etwa 5 Nummern an – dann geben wir auf: „un taxi n`est pas disponible!“
Wie gut, dass wir den Intermarchèwagen haben, denn nach Chaumont Innenstadt geht es 2,7km nur bergauf – mit Gepäck nicht erstrebenswert! Wir packen den Wagen kurzerhand voll und scheren uns nicht um befremdliche Blicke… Auch mit Einkaufswagen ist die Strecke ganz schön anstrengend!
Bis wir im Hotel sind dauert es….einzig noch länger offenes Restaurant ist dann das Buddha Zen und so ißt Susanne an ihrem ersten Abend in Frankreich südostasiatisch.
Wir verabschieden Bodo und gehen – diesmal bergab – zurück zum Boot. Etwas abenteuerlich, da diesmal die Strecke über einen unbeleuchteten, steinigen Waldweg führt, der nur mit Taschenlampe begehbar ist. Eine Frau im Auto hatte extra gewendet um uns zu fragen, ob wir uns verirrt hätten und uns zu sagen, dass der Weg im Dunkeln gefährlich sei, Aber wir schaffen es zwar langsam, aber ohne Vorkommnisse – was für ein Einstieg für Susanne!!!!
Um 11.00 habe ich eine Besichtigung bei Perrier gebucht. Bei uns – zumindest bei mir – eher als Wassermarke bekannt, ist das Hauptgeschäft eigentlich Champagner – Familienunternehmen seit 1825! Unglaublich!!! In den Gewölben lagern 2 Millionen Champagnerflaschen …was für ein Vermögen!!! Einige haben XL Größe, d.h. 15 Liter! Ich bin wirklich beeindruckt und kaufe am Ende eine…Normalgröße!
zum 100jährigrn Jubiläum – also 1925….wäre heute nicht gerade genderneutral!
Anschließend Großeinkauf für neue Mitfahrende, furchtbar viel Wasser an Bord getragen – ich brauche dringend eine Sackkarre!!! Um 18.05 Bodo, Gerhard und Franzi am Bahnhof abgeholt, letztere sind 10 Stunden Zug gefahren um uns 3 Tage zu begleiten. Franzi hat sogar schicke Klamotten dabei – schließlich ist sie ja in Frankreich! Nach einer Einstiegsbrasserie noch eine skurrile Vorführung im Rahmen des Festivals angeschaut.
6.6.2026
Der frühe Aufbruch klappt nicht so ganz, aber es gibt Baguette! Und das Ziel ist nur 7 Schleusen entfernt! Zu viert habe ich außer der Ein- und Ausfahrt in den Schleusen nichts zu tun – das ist auch mal nett. Ankunft in Vitry-le -Francois am Nachmittag – Birgits und meinem Verfahrer sei Dank, dass ich da nicht 3 Tage warten musste! Nette Hafenmeisterin, aber Dusche nur offen, wenn sie auch da ist. Hafen total obereng und völlig zugewachsen und vergrast. … am nächsten Morgen müssen mich alle ohne Motor mit Hilfe von Leinen drehen – zu nah sind Gras und Schlick. Abends in der „Inbar“ des Ortes noch was getrunken…dann zu dritt an Bord – Bodo wohnt in einer Pension. Da können wir dann am nächsten Morgen alle duschen :)!
Birgit will mich ja voranbringen….und wir überlegen, wie weit wir es noch schaffen können….3 Fahrtage verbleiben uns. Ich maile die Marina in Vitry-le-Francois an – sie soll laut Recherchen versandet sein, aber nett! Nochmal steckenbleiben ist wahrlich keine Option. Aber erstmal weiter….
31.5.2026
Pausentag vorbei. Schnell noch frisches Baguette gekauft – köstlich! – und alles für den 3 km langen Tunnel vorbereitet. Ein paar Nüsse an Deck, genügend Wasser und den Scheinwerfer…ich bin ja so gar keine Tunnelliebhaberin! Zu eng, keine Außenverbindung, zu dunkel!!! Nach 3 eher unaufgeregten Schleusen ist es so weit: eine Ampel schaltet auf grün und wir fahren hinein. Aber was für ein Luxus: der Tunnel ist hoch, belüftet und beleuchtet, hat sogar einen Treidelpfad an der Seite, sodass wir Mawi zur Not sogar ziehen könnten. Und wir sehen das Ende! Ich entspanne zunehmend!
Nach einer halben Stunde sind wir durch und ich finde plötzlich Tunnel nicht mehr sooo schlimm! Immerhin wartet noch ein fast doppelt so langer auf mich!
Schon um 15.00 erreichen wir unser Tagesziel: Conde. Wir überlegen weiterzufahren, entscheiden uns aber dagegen. Gute Entscheidung – wir sind müde und haben Hunger! Nach einer kleinen Brotzeit erkunden wir statt dessen den Ort: es gibt NICHTS! Noch nichtmal eine Kneipe oder eine Boulangerie. Einzig spektakulär: ein Pizza Distributeur :)!
Pizza 24/7und eine romanische Kirche mit auffallendem Turm
1.6.2026
Heute wollen wir „nur“ bis Chalons-en-Champage und starten erst um 10.00. Bei 2 Richtungsmöglichkeiten hat man/frau ja die 50% Chance sich zu verfahren – wir ergreifen sie beherzt!!! Das Wetter ist so schön, die Farben funkeln, wir haben nur 3 Schleusen vor uns und….ich tuckere einfach hinter den Booten her, die bereits gestartet sind und biege nach rechts ab. Wir genießen die Fahrt total – es ist bisher der schönste Tag! Und viel klareres Wasser – wenig Vergrasung!
Was wir nicht tun:
auf den Kompass schauen
die km – Angaben auf dem Plotter lesen
die Umgebung mit der Karte abgleichen
den Sonnenstand einordnen
uns wundern, dass nach 2 Schleusen eine hübsche Marina auftaucht, von der wir gar keine Kenntnis hatten
Und so sind wir ziemlich überrascht, dass nach der 3. Schleuse nicht wie erwartet Chalons-en-Champagne auftaucht, sondern weiterhin allerhübscheste Landschaft an uns vorbeigeleitet. Ich schaue (endlich!) auf die km-Angabe auf dem Plotter: 63 steht da. Aber das habe ich ja ohne Lesebrille gelesen – stimmt also wohl nicht. Wir wollten ja km 33 erreichen! Ich bitte also Birgit mit Lesebrille meinen vermeintlichen Irrtum zu bestätigen, aber: es ist wirklich PK 63! Wir sind falsch und fahren gen Norden…
Der Tag ist zum Glück zu schön um uns aufzuregen. Kurz entschlossen ändern wir alle Pläne und beschließen heute in die hübsche Marina, die wir des Weges gesehen hatten, zu fahren, Vitry als Ziel für Birgit zu streichen und Chalons-en-Champagne am Folgetag anzulaufen.
Ich mache eine rasante Drehung auf dem dafür eigentlich viel zu engen Kanal und kurze Zeit und eine Schleuse später legen wir in Mareuil sur Ay an. Superschön – die hätten wir ohne unseren Verfahrer gar nicht gesehen. Strom und Wasser über die uns schon bekannte komplizierte App – funktioniert! Beim Duschen von Mawi mit meinem Gartenschlauch entdecke ich 2 Kratzspuren an der Steuerbordseite, zum Glück nur oberflächlich und bestimmt in einer Schleuse passiert. Zur Sicherheit kleben wir Tesa drüber.
Der Ort ist richtig hübsch – Geld gibt es offensichtlich durch genügend Champagnerverkauf. Hier gibt es etliche berühmte Champagnerkellereien. Wir sehen endlich auch die endlosen mit Wein bewachsenen Hügel…und betreten ein Champagnerhaus mit lauschigem Garten. Wie eine andere Welt! Für 15 Euro können 3 Sorten Champagner à 0,05ccl verkostet werden – aber leider schließt das Gut und wir müssen den schönen Garten verlassen und kaufen nichts.
Entréeviele Sorten Champagner – nur halb so teuer, wie in Deutschland – aber immer noch zu einem stolzen Preis
Also zur Dorfkneipe und „Bierverkostung“. Ich bestelle ein normales „Blonde“, Birgit ein mexikanisches „Desperatu“ mit Limone – besser bei der Hitze. Abendessen an Bord und uns mehrfach mit schallendem Gelächter über unseren „Verfahrer“ erheitert….Wie konnten wir nur sooo viele Zeichen übersehen? 😂
2.6.2026
Mein letzter Fahrtag mit Birgit! 2 plus 3 Schleusen und eine bewegliche Brücke liegen vor uns. Wir starten früh, denn selbst Herr Kachelmann (Leiter des privaten Wetterdienstes kachelmannwetter.com) sagt, dass es ab 14.00 Gewitter geben kann. Also drücken wir auf die Düse und Mawi fliegt mit 5,6 Knoten durch den Kanal zurück. Der Kompass stimmt diesmal: wir fahren wieder gen Süden. Schnell sind wir zurück in Conde, dann weiter Richtung Chalons-en-Champagene. Wir schleusen jetzt wieder hoch!
Schon sehr bald erreichen wir die 3. Schleuse hinter der dann diesmal tatsächlich die Stadt beginnen soll. Schon bei der Einfahrt wissen wir: das ist keine angenehme Schleuse. Sie ist eigentlich nur für Frachter gemacht, für Sport- und Freizeitboote gibt es nur ganz vorne – also dort, wo dann das Wasser einfließen wird – eine Leiter. Die Stange für die Auslösung der Schleusen können wir nur erreichen, wenn eine von uns aus dem Boot klettert. Und so weit vorne gibt es meist Turbulenzen. Ich stelle mir kurz vor, dass Birgit das Boot von oben nach hinten zieht, habe dabei aber leider vergessen, dass sie ja auch wieder an Bord muss. Also bleiben wir vorne, allerdings weiter oben an einem Poller. Fehler! leine damit sehr lang! Birgit bedient die Schleusung und klettert schnell wieder an Bord. Sturmflutartig kommt das Wasser, Mawi kommt in einen Sog nach vorne, Birgit kann kaum die Leine halten und ich stemme mit voller Kraft mittels Bootshaken Mawi von der Wand weg. Gelingt trotz komplett eingesetzten Körpergewichts nur manchmal und es kommt zu knirschenden Geräuschen. Inzwischen ist Mawi in der Mitte, eng an der Schleusenwand war kein Halten mehr möglich. Wir knallen wechselnd mit Heck und Backbordseite an die Wand, es ist nur noch furchtbar. Einzige Hoffnung: irgendwann sind wir oben und es hört auf! Tut es auch. Ich wage gar nicht mein Backbordlicht anzuschauen (später geschaut – hat Kratzspuren, ist aber nicht zerbrochen)- muss erstmal mein vor Kraftanstrengung aufgetretenes Muskelzittern wieder in den Griff bekommen. Völlig fertig fahren wir aus der Schleuse – direkt dahinter ist die Marina von Chalons-en-Champagne.
am nächsten Tag fotografiert….
Aber ich kann gerade nicht anlegen – muss mich erst erholen. Wir legen mit Leinenhilfe eines Iren an einem Ufer längsseits mit einer Leine an und halten kurz inne. Außerdem laufe ich am Ufer lang um in der kleinen Marina einen Platz zu finden. Wir haben Glück: es gibt noch einen und ich traue mich inzwischen wieder…. Kurz vor dem ersten Gewitter und Starkregen sind alle Leinen fest- Glück gehabt. Und nicht nur damit: es gibt eine Waschmaschine, eine heiße! Dusche, nette Nachbarn auf einem kleinen renovierungsbedürftigen Segelboot und – zur Versüßung meiner Wartezeit auf die nächsten Mitreisenden – ein Festival von Zirkus und Straßentheater. Da hat unser Faux-pas des Vortages mal wieder zu etwas Gutem geführt!
Nach dem Regen besuchen wir den Ort, treffen auf einen netten Multikulti-Kinderchor vor dem Rathaus und kaufen Birgits Mitbringsel für zu Hause ein: Käse und zuckerfreie Gürkchen von „Maille“. Außerdem 2 kleine Weingläser für Mawi, denn wir haben für den letzten Abend unsere in Sillery erworbene Flasche Champagner in die Kühlbox gestellt.
Kinderchor vor dem Hotel de la Ville
Unser Aperitif schmeckt uns in den neuen Gläsern :):
Zum Essen gehen wir zum Festivalzelt, dort gibt es eine Plate du jour für 15 Euro – unser Bootsnachbar und die Hafenmeisterin hatten eine Empfehlung ausgesprochen.
Festival
Wieder auf Mawi noch ewig überlegt, was wir in der Schleuse hätten besser machen können…:VNF anrufen? , Boot nach hinten verholen und nur eine Person verbleibt an Bord? 2. Leine mit nach oben und über einen Poller weiter hinten, Leiterleine nach Birgits Rückkehr an Bord schnell ab und Rückwärtsgang? Wir wissen es nicht. Klar ist, dass ich solche Schleusen nicht alleine fahren kann. Zudem schmerzen meine ehemals gebrochene Hand und meine Finger: Kraftanstrengung und Wetterumschwung! Die🐑🥶 hat uns erreicht!
3.6.2026
Nach einem letzten Filterkaffee bringe ich Birgit noch ein Stück des Weges zum Bahnhof – ich hoffe sehr, dass sie bald wiederkommt: wir sind ein optimistisches und gut gelauntes Team! Etwas wehmütig betrachte ich all die Dinge, die sie an Bord gebracht hat: ein buntes Bootsarmband für mich, eine Seifenablage, aus Holz, einen phantastischen Giraffenhaken für unsere Jacken, eine ultraleichte Haarbürste und Pfisterbrot – das ist aber aufgegessen….
Nach Croissant und einem weiteren Kaffee kommen die üblichen Aufräumarbeiten: Waschmaschine, staubsaugen., Bad putzen, Bett neu beziehen…..und natürlich heiß duschen! Formidable!!! Noch ein längerer Spaziergang, den Abend gemütlich telefonierend auf Mawi verbracht.
4.6.2026
Kaum bin ich irgendwo, habe ich Termine :): 11.00 Frisör, 12.50 Pediküre, 16.00 Französischunterricht, 17.30 Einladung zum Aperitif von Relais nautique de l´Anse du Jard anlässlich des Festivals. Und da es zwischendurch immer gewittert und regnet, machen irgendwelche Bootspflegeaktivitäten auch wenig Sinn.
Nach den ersten beiden Terminen fühle ich mich deutlich geschönt – hat die Frisörin doch Licht in das Gezottel bringen können und den von mir schief geschnittenen ruinierten Pony wieder gerichtet. Auch die Pediküre war großartig: Relaxmusik, kleine Kabine mit Liege, am Ende gepflegte und knallrote Fußnägel :)! Im Französischunterricht (Plattform Preply.com) erzähle ich Christian alle Abendteuer und lerne mehr über „y“, „en“ und dass Kompass auf französisch „la boussole“ heißt. Jetzt noch zum Aperitif, dann will ich nochmal beim Festival vorbeischauen. Das ist wegen des Wetters leider nicht sehr gut besucht: die armen Artisten!
Wecker steht auf 8.00 – die Schleusen machen erst um 9.00 auf und außer Kaffee sind wir beide keine Frühfrühstückerinnen…
Birgit war ja schon oft an Bord – wir sind eingespielt und wollen es bis zum Abzweig gen Süden nach Berry au Bac schaffen -den vergrasten Ardennenkanal hinter uns lassen…. es ist hier wirklich so, als führe das Boot über Land. Mehrfach müssen wir vor und zurück, um Gewächse aus der Schraube zu bekommen. Sieben Schleusen liegen vor uns, zweimal schleusen wir zu dritt: eine Herausforderung….insbesondere, weil unsere Leinenlänge kaum bis oben reicht. Ein netter Holländer hat dann unsere eine Leine mit festgehalten. Die Schleusen sind sehr hoch und oben einen Poller zu treffen ein wahres Kunststück….
Den viel gelobten Anleger in Berry au Bacs großem Becken (da treffen sich 3 Kanäle) gibt es nicht, andere Freizeitboote auch nicht. Mühsam eine Stelle im Parkverbot gesucht…dann hat Birgit das Boot heroisch zurückgezogen. Etwas erschöpft haben wir es zu Fuß nur noch zu einer Mülltonne geschafft, die hinter einem Zaun lag – kleine Kletteraktion.
28.5.2026
Heute wollen wir es bis Reims schaffen….Als erstes ein Stück zurück gefahren, denn an der Stange, die wir für die Schleuse betätigen müssen, sind wir gestern schon vorbei…Perfektes Drehmanöver, rückwärts Stange erreicht, nochmal gedreht und wumms ….wir stecken fest! Kann nicht wahr sein! Vorwärts, rückwärts, vorwärts, rückwärts – anstatt dass wir uns befreien, sinkt das Heck immer tiefer in den Schlamm, der tüchtig aufgewirbelt wird….
wir sitzen fest….…und behalten unsere gute Laune…
Kurze Zeit später kommt ein kleines Motorboot, und versucht, uns herauszuziehen – leider erfolglos! Also rufe ich VNF an und schildere die Situation, sie wollen kommen, aber es würde dauertn..Reims ade? Ich mache mir Sorgen, weil das Heck immer tiefer in den Schlamm sinkt und die Wasserlinie näher kommt, nicht schön! Wir warten 1 Stunde und rufen dann noch mal an., ja, ja….Hilfe sei auf dem Weg…. weitere 10 Minuten später kommt die Hilfe mit drei Autos, aber ohne Boot…. sie machen sich vom Rand des Kanals lustig und meinen, wir könnten ja schwimmen. Wollen wir nicht! Dann fahren Sie wieder ab und versprechen, sich zu kümmern. Ein dickes, holländisches Motorboot passiert uns Richtung Schleuse. Und wir bitten Sie nicht um Hilfe, da wir ja denken, dass wir VNF schon benachrichtigt haben. Kurz vor der Schleuse dreht das große Motorboot und fährt auf uns zu. Die Holländerin ist sehr aufgeregt und motzt uns an, warum wir denn bei ihrer Vorbeifahrt nicht bereits um Hilfe gebeten hätten… wir entschuldigen uns 1000 mal aber das nützt nur ein bisschen. Mit einer langen Leine und viel Motorkraft ziehen sie an Mawi, es ruckelt und rumpelt heftig…Und tatsächlich: wir sind frei! Juhuu!!! Eineinhalb Stunden später als geplant kann die Fahrt weitergehen!
Wir schleusen zunächst mit den Holländern, (in den Canal lateral de l´Aisne), die das nicht so lustig finden, weil wir sie ja eh schon aufgehalten haben. In der zweiten Schleuse mit ihnen gemeinsam brauchen wir ewig, bis wir den oberen Poller treffen, (in der ersten Schleuse hat uns jemand von oben geholfen) . Birgit gelingt das nach vielen Versuchen bravourös, aber eigentlich müssten wir an eine Leiter. Das schlagen uns dann auch die Holländer vor – ob es nicht entspannter wäre, wenn wir alleine schleusen würden. Wir bedanken uns noch mal herzlich für unsere Rettung und sind sofort einverstanden.. Allerdings: Schleuse zwei und drei sind gemeinsam geschaltet, und man muss sie auch gemeinsam passieren. Ansonsten hockt man mal wieder da und muss VNF anrufen – so langsam sind wir bei denen bekannt wie bunteste Hunde :). Wieder 1 Stunde gewartet, wieder noch mal angerufen, offensichtlich war Mittagspause….
Di e weitere Fahrt ohne Probleme, schaffen wir es noch bis Reims, beziehungsweise etwas südlich nach Sillery in eine Marina? Da sind „nur“ noch drei Stadtschleusen zu bewältigen und die schließen um 18:00 Uhr…. wir gucken häufig auf die Uhr, ja, müsste gerade noch klappen. Wir fahren in die Stadt ein, dann macht sich zu guter letzt noch ein Paddlerpärchen einen Spaß daraus, uns zu ärgern. Sie paddeln vor uns her, wechseln immer die Seite und es gibt keine einzige Möglichkeit sie zu überholen. Ich werde richtig wütend und lasse meinen Tomaten und Eierwurfphantasien freien Lauf. Setze ich aber glücklicherweise nicht um. Stattdessen spreche ich sie an, aber sie tun so, als würden sie nichts hören… Was bleibt ist ein ewiges Hinterhergetucker und Fluchen! Wie zu erwarten: wir schaffen die drei Schleusen nicht mehr. Anlieger gibt es auch nicht viele und der alte Flußanleger von Reims wird gerade renoviert… Angeblich kann man für eine Nacht an der Baustelle anlegen und das tun wir dann auch! Noch „romantischer“ als am Vorabend…
sieht aus wie Sandstrand…ist aber Baustellegeht doch mit der Romantik….die andere Richtung…
Wie fast immer, fügt sich alles doch noch zum Guten – nach einer kurzen Erschöpfungsabschüttelpause raffen wir uns auf, um noch einen Blick auf die Stadt zu erhaschen und: sehen die Kathedrale in der Abendsonne!!! Das wäre ohne die ätzenden Paddler niemals geglückt (Danke!)! Wir sind völlig begeistert und gönnen uns mit diesem tollen Blick „Fish and Chips“! Köstlich!
29.5.2026
Nur drei Schleusen trennen uns von Sillery, wir stehen pünktlich um neun vor der ersten. Die hat es schon mal in sich und gibt uns das Gefühl, uns in einer Atlantikwelle zu bewegen. Wir haben beide von Schleusen gerade die Nase gestrichen voll !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!🤮🤢😮
Um 12:00 Uhr laufen wir in Sillery ein, die Franzosen, die ich schon aus Revin kenne, helfen beim Anlegen. Wie nett, dass die auch hier sind! Angenehme und entspannte Marina, Supermarkt nur 300 m entfernt – wir wollen den Tag für Infrastruktur nutzen: Boot schrubben, Waschmaschine waschen, Großeinkauf, Dusche. ..Unsere Retter sind inzwischen auch angekommen – wir bringen ihnen als Dankeschön ein paar Lindorkugeln vom Einkauf mit. Und endlich haben wir es geschafft – sie freuen sich und reden mit uns :)! Zu k.o. vom Vortag für größere Unternehmungen. Abends Baguette und Käse, morgen Pausentag.
30.5.2026
Wie wunderbar! Ein Pausentag! Morgens noch ein paar Arbeiten: Diesel nachfüllen, Seefilter sauber machen.. neuen Diesel in Kanistern von der Tankstelle holen (Mawi ist mit erstaunlich wenig Sprit zufrieden). Ein Franzose vom Boot gegenüber sieht uns mit Kanistern kommen und fährt uns tatsächlich mit dem Auto, großartig! Wieder bedanken wir uns mindestens 1000 mal!!!
Der Nachmittag gehört Reims! Wir fahren mit dem Bus ins Zentrum, trinken dort erst mal einen Kaffee, geraten in ein mittelalterliches Fest direkt vor der Kathedrale mit diversen Ständen und bewundern dann die Kathedrale von innen. Ich bin immer wieder erstaunt und überwältigt, wie großartig Menschen aufgrund ihres Glaubens Bauwerke errichten: Kirchen, Moscheen, Synagogen, aber auch hinduistische oder buddhistische Tempel – alle sind aufwändigst konstruiert, architektonisch zum Teil einzigartig…. um einen Raum der Stille, des Betens, der Spiritualität und der Einkehr zu schaffen und die Schöpfung zu ehren….
In der Kathedrale gefallen uns vor allem die Fenster von Chagall und wir setzen uns eine Weile davor.
Auf dem Platz davor treffen wir dann wieder auf mittelalterliche Musiker, schlendern weiter und finden einen anderen, sehr schönen Platz, wo wir eine Cola vor einem Fußballcafe trinken. Alle sind sehr aufgeregt, denn heute trifft Paris Saint-Germain auf Arsenal – wer gewinnt die Champions League? Bei unserer Cola kommen wir rasch ins Gespräch mit einer netten und sehr gestylten Senegalesin, und einem ebenfalls sehr netten Portugiesen, der seit längerem in Frankreich lebt. Beide sind sehr unterhaltsam, und der Portugiese verrät uns, dass er immer“Italian Boy“spielt und sich Marcello nennt :). Irgendwann verabschiedet sich die Senegalesin und tippelt bei dieser großen Hitze auf High Heels davon. Gut, dass ich solche Schuhe nicht besitze, damit könnte ich Krankenhausbesuche empfangen.
Eine Ecke weiter lädt mich Birgit auf ein Glas Champagner ein, schließlich sind wir in der Champagne!!!! Sehr lecker! Geht auch in Sandalen und Turnschuhen :)!
An der nächsten Ecke wartet das von uns ausgeguckte Restaurant, ein Familienbetrieb, laut unseren Recherchen sehr angesagt. Können wir nicht weiterempfehlen! Vorspeise aus der Dose, Fleisch zäh, Fisch, obwohl schon tot, nochmals gestorben: in Sauce ertrunken! Aber wie immer: wir lassen uns unsere guten Laune nicht nehmen. … an Bord ist das Essen ja wieder besser. Einen Bus zurück gibt es nicht, deswegen machen wir unseren Abendspaziergang zum Bahnhof und nehmen dort ein Taxi. Eine lustige Fahrt mit einem fußballbegeisterten Fahrer. Wir bekommen das spannende Elfmeterschießen zwischen Paris Saint-Germain und Arsenal im Radio zu hören und fiebern mit. Da wir in Frankreich sind, halten wir zu Paris. Und: Paris gewinnt!!!
Schon wieder einmal heißt es Abschied nehmen – Isabel und Micha müssen zurück, wieder einmal traurig… Wir frühstücken noch gemeinsam, und in der Boulangerie finde ich neben Baguette zwei goldene Bougis fontaines und bringe die den beiden mit. „Bougis“ für die Glühkerzen (Bougis d´allumage) und eine Fontäne für die geschaffte Schleusentreppe 👍👍👍. Pünktlich um 11:00 Uhr kommt das Taxi und ich klettere halb winkend zurück auf Mawi. Kleine Arbeiten stehen an wie zum Beispiel staubsaugen, Seefilter prüfen, ein bisschen kehren. Da es keine Dusche gibt, wasche ich mich im Bikini am etwas entfernten Wasseranschluss für Boote und fülle direkt noch einem Eimer ab, um ein paar Klamotten zu waschen. Das gute alte „Rei in der Tube“ (hatte schon meine Mutter auf Reisen dabei) leistet ordentliche Dienste :).
Ein Spaziergang durch den Ort ist schnell geschafft, leider finde ich kein Eis, noch nicht einmal ein Magnum! Abends Salat und frühes Schlafen – am nächsten Tag will ich das erste Mal alleine fahren und bis Rethel kommen, denn meine Freundin Birgit kommt da besser hin.
Attigny an Pfingsten
25.5.2026
Ich bin aufgeregt, vier Schleusen und ein Anleger warten auf mich… pünktlich um neun lege ich ab und tucker zur ersten Schleuse, vorher habe ich den Ankersplint gelöst, damit ich im Notfall schnell ankern kann… Etwas Sorge habe ich wegen der Verkrautung des Wassers – andere Bootsfahrer haben berichtet, dass sie vor jeder Schleuse den Seefilter reinigen. Bei noch zu erwartenden etwa 180 Schleusen keine sehr dankbare Aufgabe. Eigentlich sieht das Wasser des Kanals unbefahrbar aus…. Ich habe auch schon jemanden kennen gelernt, der wegen der vielen Wasserpflanzen umkehren musste. Aber bisher fährt Mawi ganz brav durch all die Schlingpflanzen und der Seefilter hat nur wenig Algen am Abend. Hin und wieder muss ich vor und zurück um irgendwelche Pflanzenteile vom Propeller zu lösen.
verrückt, wie unterschiedlich Wasser sein kann…
Die Schleusen sind jetzt anders zu öffnen, die automatische Fernbedienung musste ich zwei Tage vorher in der 27. Schleuse abgeben… jetzt hängt 300 m vor dem Schleusentor eine Stange über dem Kanal, die man ansteuern muss, um sie dann zu drehen, finde ich nicht angenehm. Aber es gelingt! Das Anlegen auch, aber die Schleuse funktioniert nicht… scheint ein Dauerproblem zu sein! VNF angerufen, schnelle Hilfe kommt! Weiter getuckert, weit und breit kein Schiff. Schon ein komisches Gefühl! Aber es geht weiter, und ich habe mir vorausschauend Picknick, Wasser und Sonnenschutz ins Cockpit gelegt. Brauche alles! Fast am Ziel verpasse ich zuletzt doch noch die Stange und fahre vorbei…Rückwärts angesteuert, drehen geht nicht! Und dann stecke ich auch noch in der vierten Schleuse wieder fest. Nochmal VNF, diesmal eine halbe Stunde gewartet und die Pause zum Kaffeetrinken genutzt …Sehr angenehm! Nach 4,5 Stunden erreiche ich Rethel, habe zum Glück alles für einen Anleger rechts vorbereitet. An Land eine Gruppe kiffender und Techno hörender Jugendlicher, zu fragen, ob sie mir mit den Leinen helfen, hat, glaube ich, keinen Sinn. Also angelegt und über Bord gesprungen, um dann ganz schnell eine Leine in der Mitte zu legen. Erst mal alles unordentlich, Hauptsache eine Landverbindung… klappt nicht perfekt, aber okay und ich bin zufrieden mit meinem ersten Alleinetag. Auch ein bisschen stolz, mich getraut zu haben…..
Aber: weder Strom, (nur eine normale Steckdose) noch Wasser, noch Dusche….Sch….!
Etwas erschöpft mache ich eine Pause, entschließe mich aber nach kurzer Zeit doch durch die sengende Hitze (31 Grad) zu laufen, um in einem Baumarkt einen Adapter für eine Schukosteckdose zu kaufen. Immerhin hat dieser an Pfingstmontag geöffnet! Nach 40 Minuten Fußmarsch (heiß!) komme ich durstig an. Und ja: sie haben diverse Adapter, aber den, den ich brauche, nicht. Umsonst geschwitzt! Gegenüber gibt es einen Supermarkt – na, dann kann ich ja wenigstens den Großeinkauf für die nächste Etappe mit Birgit erledigen – drinnen ist es auch noch erfrischend kühl! Eine halbe Stunde stehe ich mit einem vollgepackten gigantischen Einkaufswagen (vor allem Wasser in allen Ausführungen) wieder in der Hitze und versuche ein Uber zu organisieren – gibt es nicht. Also Taxi….3 Nummern gewählt. die erste gibt es nicht, die 2. hat keine Taxis, die 3. ist zwar tatsächlich eine Taxirufnummer, aber an Pfingsten arbeiten sie nicht. Etwas ratlos bleibe ich erstmal vor dem Supermarkt stehen -wie soll ich zum Schiff kommen? Da kommt eine Frau mit ihrer etwa 10jährigen Tochter – sie wollen einkaufen und ich sage: „Cést fermé mauntenant!“ – jetzt geschlossen…Sie beklagen ihr Pech, ich meins daraufhin auch. Und wirklich: sie helfen mir alles in den Kofferraum ihres Pick Ups zu laden und ich sitze im Dunkeln auf einem Sixpack Wasser zwischen lauter Elektrokabeln und werde recht holprig direkt zum Boot gefahren. Wieder einmal bin ich von der Hilfsbereitschaft berührt – soooo nett! Die Tochter findet das Ganze superspannend, ich bin froh!
26.5.2026
Heute kommt Birgit und ich freue mich! Aber erstmal online französisch Unterricht und dann ins Schwimmbad… ich brauche DRINGEND eine Dusche! Das Bad ist super, man/frau kann eine eigene Duschkabine benutzen, außerdem gibt es ein Außenbecken mit Strömung, Strudeln und Massagedüse. Ich dümpele so lange im warmen (27,5 Grad das eine Becken, 30 Grad das Strudelbecken – da könnten sich die Freibäder in Deutschland ein Beispiel dran nehmen! (Im letzten Jahr habe ich mich beim Senat 2 x per Mail beschwert, da nur neobeprente Muskelprötze die ungeheizten Schwimmbäder aushalten können…natürlich keine Antwort!) bis mir fast Schwimmhäute wachsen. Ich bin wahrscheinlich die mit dem höchsten Duschwasserverbrauch. Duftend mache ich mich auf den Rückweg und gönne mir noch einen Petit Café und ein köstliches Eis. „Wellnesstag“! Um 22.00 hole ich Birgit am Bahnhof ab und wir öffnen einen Cremant zur Begrüßung. Ihr Ziel: mich voranbringen!!!