Noch ein letzter Tag in St. Jean de Losne – das ist irgendwie nicht mein Ort!!! In einem Baumarkt kaufe ich ein Brett (zur Erinnerung: hatte ja mein superschönes – über Ebay gekauftes – Schleusenbrett vor einer belgischen Schleuse gehimmelt) und möchte Löcher reinbohren lassen – das machen die aber nicht. Zurück zum Hafen: die auch nicht. Es wird mir ein „Atelier“ empfohlen – da dackeln wir dann hin. Nee – die auch nicht… Schade, dass ich keine Bohrmaschine an Bord habe! Weiter bei Hitze total zur nächsten Empfehlung und tatsächlich: 4 Löcher werden gebohrt – sogar für nur einen Beitrag in die Kaffeekasse! Nach ca. 3 Stunden ist das neue Schleusenbrett fertig: zwar nicht schön und sehr zeitaufwändig, aber brauchbar.
30.6.2026
Endlich wieder los! Wunderschöne Flusslandschaft – auch , wenn es gar nicht so einfach ist, wie ich mir vorgestellt hatte, mit jemandem unterwegs zu sein, den ich praktisch kaum kenne. Aber wir arraangieren uns irgendwie….Nach Ankunft in Chalons sur Saône hält Francis eine Siesta – ich schaue mit den Ort an. Endlich mal Menschen auf der Straße, Cafés, Restaurants, Geschäfte, Bars mit Sprühnebel zur Abkühlung….mir gefällt es nach den einsamen Kanälen richtig gut ,mal wieder etwas Trubel um mich zu haben und erstehe ein neues Kleid: Ausverkaufschnäppchen!



1.7. 2026
Wahnsinn, schon Juli! Mein Mast liegt jetzt schon ca. 1 Jahr in der Marina von Port St. Louis du Rhone und ich bin immer noch nicht da!!! Andersherum: trotz aller Widrigkeiten bin ich schon sehr! weit gekommen! Also weiter…. Und immer, wenn ich gerade so denke:“alles easy“ passiert irgendetwas! Diesmal kommt – auf dem bisher fast bootsleeren, aber mit roten und grünen Begrenzungstonnen ausgestatteten Fluss plötzlich ein Frachter um die Ecke….Nicht schlimm – auch der Tonnenstrich ist breit und ich weiche zum Rand aus.

Als das Schiff an uns vorbeizieht kippt Mawi plötzlich nach rechts weg und kommt in deutliche Schräglage. Einige
Die Marina in Macon sehr nett und gepflegt. Ein lustiger, ältere Herr empfiehlt uns ein Restaurant und fährt uns selbst hin: SEHR luxuriös und teuer – zum Glück können wir den Besuch abwenden, da es keine Außenplätze mehr gibt. Daraufhin werden wir zu einer Fischbrasserie chauffiert: das passt!
2.7.2026
Heute ist die Strecke nicht so lang und ich laufe erstmal die Saône Richtung Ort entlang. Es gibt bunte Wimpel, eine Kathedrale und ein uraltes Holzhaus (erbaut zwischen 1490 und 1510).


Pünktlich um 11 Uhr Leinen los – wir wollen bis kurz vor Lyon kommen. Der reservierte Hafen von Genay entpuppt sich als ungemütliche und häßliche Werft, sodass wir gegenüber in einem Yachtclub festmachen. Etwas wackelig, da längsseits am Ufer, und etwas weit ab von allem, aber deutlich schöner! Und eine tolle Abendstimmung bei leckeren Snacks!

3.7.2026
Noch 23 km und eine Schleuse…Ehe wir uns versehen, fahren wir in die drittgrößte Stadt Frankreichs ein (nach Paris und Marseille)….

Schon ein tolles Gefühl!!!! Etliche Fahrgastschiffe, Kurven und vor allem Brücken später biegen wir in die Marina Confluence: nur noch 1 km bis zum Zusammenfluss von Saône und Rhone…Die Marina ist supermodern: schicke Hafenmeisterei, auf einer Seite des Hafenbeckens sogar ein Riesenshopping Center. Ein letzter Petit Café mit Francis und schon wieder heißt es Abschied nehmen. Er fährt zurück nach St. Jean de Losne, wo sein Auto steht. Dann geht es wieder gen Belgien.
Ich bummele zunächst durch das Shoppingparadies und wundere mich, was es alles so gibt! Und was man/frau so alles nicht braucht! Kaufe eine Postkarte :)!

Dann laufe ich – vorbei an modernster Architektur – die Saône entlang bis zur Confluence – schonmal gucken :)!


Ich genieße die Aussicht bis 2 große leinenlose Hunde kommen – „die tun nichts!“ wird in Frankreich genauso versichert, wie in Deutschland. Glauben kann ich das (leider) nie!
Neben der Marina ist ein Bootsservice auf einer Peniche – ein Elektriker wird angerufen und will morgen früh kommen…das ist überraschend schnell nach der Erfahrung in St. Jean de Losne.

4.7. – 6.7.2026
Um 9.00 kommt der Elektriker – entpuppt sich leider als einer für Autos und hat von meinem Navigationssystem keine Ahnung. Schade! Immerhin: er will kein Geld – aber weiter hat mich das nicht gebracht. Ich recherchiere und finde eine Firma, die auf Boots- und Navigationselektronik spezialisiert ist, rufe an, keiner da, ist ja Samstag. Also schreibe ich eine Mail und fahre dann mit einem Shuttleboot ins alte Lyon. Supernett: zum einen mal auf einem Boot ohne Verantwortung zu sitzen, zum anderen durch die alten Gassen zu laufen – drumherum grüne Hügel: Lyon lohnt sich!



Zwischendurch kümmere ich mich um das Übliche: Diesel, Wasser, Einkäufe, Waschen….es wird wieder immer heißer!
Am nächsten Tag Aufstieg auf den Hügel von Croix Rousse, einem eigenen etwas alternativ angehauchten Stadtteil, der seinen Namen einem rötlichen Steinkreuz mit Steinen aus Conde verdankt, welches hier schon im Mittelalter stand. Nach jeder Zerstörung wurde es erneuert.Heute – Sonntag – ist Markttag und ich erwarte eine Art Künstler:innenmarkt und freue mich dort zu schlendern und vielleicht mit ein paar Verkäufer:innen zu sprechen…Fehlanzeige: es werden Obst, Gemüse, Käse und gebratene Hühner angeboten. Ich kaufe Kirschen, Erdbeeren (am folgenden Morgen verschimmelt) und Avocados – letztere köstlich!
Auf dem Rückweg per Bus und Boot werde ich angerufen – ein Pierre hatte meine Mail bzgl. des AIS gelesen und bietet an um 18.00 vorbeizukommen. Klingt vielversprechend – er stellt am Telefon sofort die richtigen Fragen.
Und er kommt auch um 18.00 mit einem dicken Koffer voller Geräte vorbei. Bis 21.00 nimmt er mein Boot ziemlich auseinander und schraubt alles – wirklich alles – auf, wo Kabel sind und prüft Verbindungen, misst Spannung und Strom und ich weiß nicht, was noch alles…Auf jeden Fall macht er einen hochprofessionellen Eindruck und hat Ehrgeiz das Problem zu lösen. Ich erfahre, dass er zur Zeit Aufträge in England und Südfrankreich hat und vor allem neue Boote elektronisch ausstattet. Zu mir ist er nur gekommen, weil er in der Nähe wohnt und abends noch nichts vor hatte. Problem: alles funktioniert, ist verbunden und erkennt sich, nur der Plotter hat sich von den anderen verabschiedet und macht seine Arbeit allein. Pierre macht mehrere Versuche dies zu ändern, aber es gelingt nicht. Gefällt ihm gar nicht und er will am nächsten Tag Raymarine (die Firma, von der alle meine Geräte stammen) anrufen, er kennt dort Leute. Macht er auch, aber die haben auch keine Lösung – es müsste mal ein neuer Plotter angeschlossen werden, um zu schauen, ob es dann funktioniert. Aber den kann Pierre so schnell nicht auftreiben – er fliegt am späten Nachmittag nach London. Ein Mitarbeiter seiner Firma wohnt in Montpellier – er will ihn auf mein Boot schicken, wenn ich am Meer angekommen bin. Also die Rhone ohne AIS! Nach diesem Supercheck kann ich das akzeptieren. Pierres kurzfristigen und höchstengagierten Einsatz fand ich wirklich bemerkenswert – übergroßes Danke! Musste zwischendurch ein bißchen schmunzeln, weil ich das ärgerliche Gefühl beruflich gut kenne: lange überlegt, aber Lösung nicht gefunden. … Und habe das erste Mal das Gefühl: ein Profi hat sich alles angesehen und es ist eben zur Zeit nichts zu machen…
Es sind noch 321 km und 14 Schleusen bis zum MEER! 🏝️🏝️🏝️