12.6.2026
Nach Dusche und kleiner Einweisung los: erste Schleusen für Susanne, die ein Naturtalent ist. Sogar die oberen Poller trifft sie!mit der Leine !! Wir fahren insgesamt 14 (1:1 Betreuung von VNF – die sind wirklich toll!) und landen in Rolampont. einem kleinen Dorf. So klein, dass wir fast den Anleger verpasst hätten und wenden müssen. Bei viel Seitenwind helfen uns die Holländer, deren Boot wir schon von vorherigen Stationen kennen, mit den Leinen. Anschließend Ortsbesichtigung – bei der Größe geht das schnell. In der einzigen Kneipe ein Bier getrunken und Pizza mit aufs Boot genommen.


13.6.26
Direkt morgens kommt VNF vorbei und bittet uns vor 10:00 Uhr nicht loszufahren, da ein größeres Schiff entgegen unserer Richtung fahren würde. Bei dem engen Kanal: klar warten wir! Um 11:00 Uhr immer noch kein Schiff… erneut angerufen, man bittet um Geduld. Gegen 11:30 Uhr kommt VNF erneut vorbei und berichtet, dass die erwartete Peniche nun an Schleuse Nummer 9 sei, wir liegen vor Schleuse zehn. Also noch mal abgewartet und dann in der Tat: ein für diesen Kanal überdimensional großes Schiff verlässt Schleuse 10 – wirkt regelrecht eingezwängt! Wir sind froh, dass wir gewartet haben. Nun aber los! Die ausgesuchte Strecke ist nicht lang, denn wir wollen nur bis Langres kommen, dort anlegen und dann die Stadt anschauen. Sie soll zu den 50 schönsten Städten Frankreichs gehören.
Nach 3 Stunden sind wir dort – für die Stadtbesichtigung müssen wir 45 Minuten in sengender Sonne und fast unerträglicher Hitze einen Hügel hoch – die Wasserflasche hat es sich leider auf Mawi gemütlich gemacht und wollte uns nicht begleiten…Oben angekommen zunächst mal: NICHTS! Keine Menschen, viele Häuser wie ausgestorben, weit und breit kein Café in Sicht: wir sind enttäuscht und fühlen unsere Anstrengung in keiner Weise belohnt. Wären wir doch nur weitergefahren! Jetzt lohnt sich das nicht mehr, denn die Schleusen schließen ja um 18.00 und wir müssten den Berg erstmal wieder runter! Etwas gefrustet setzen wir also unseren Rundgang fort und dann plötzlich wird alles besser! Kathedrale, netter Platz mit Bars und Cafés, Straße mit netten Läden und einer Boulangerie…

Nach einer wohlverdienten Pause im Café klappern wir alle Läden ab – ich erstehe immerhin eine Postkarte. Dann laufen wir die 3,5km lange Stadtmauer entlang und genießen schöne Ausblicke – nur das Boot können wir von oben nicht sehen.

14.6.2026
nach dem gestrigen Beinahe-Pausen-Tag hat uns heute der Ehrgeiz gepackt: wir wollen WEIT kommen! Pünktlich um 9.00 stehen wir vor der ersten Schleuse und schleusen bergauf, dies dann auch in der 2. Schleuse. Ich bin begeistert: BERGFEST! Von nun an geht´s im wahren Sinne des Wortes bergab … bis zum Meer.

Aber erstmal geht es durch den drittlängsten beschiffbaren Tunnel Frankreichs: der Tunnel von Balesmes, knapp 6 km lang, 1880 – 1883 erbaut, also eine historische Sehenswürdigkeit, wie mir der Herr von VNF versichert, bei dem wir die Durchfahrt telefonisch anmelden müssen. Die Ampel vor der kanalisierten Einfahrt schaltet nach dem Gespräch dann auch rasch auf grün und wir fahren los. Bootsbeleuchtung ist eingeschaltet, Scheinwerfer liegt parat. Ich mag keine Tunnel!

Die ersten ca. 1,5 km werden gräßlich – VNF hat vergessen das Licht anzumachen (wie sie uns später gestehen) und wir tasten uns im Dunkeln mit dem Scheinwerfer auf die rechte Bugseite gerichtet vor. Ich bin angespannt und leicht gestresst und habe offensichtlich einen Linksdrall (beim Bootsfahren unpraktisch, ansonsten im Leben ganz ok), denn Susanne wiederholt gefühlt 100.000 Mal:“Mehr rechts! Mehr rechts! Mehr rechts…!“Der Plotter blendet und piept, weil er keine Signale mehr empfängt – ich schalte ihn aus. Und denke eigentlich nur: „hier müssen wir jetzt einfach irgendwie durch!“
Und dann: die Erlösung, Licht wird eingeschaltet und alles wird einfacher. Trotzdem brauchen wir 55 Minuten! Immerhin habe ich jetzt alle Tunnel bis zum Mittelmeer geschafft!!!!


Kaum haben wir den Tunnel verlassen folgt eine Schleusentreppe mit acht hintereinander geschalteten Bergab -schleusen, bei denen wir jedes Mal wieder eine Stange betätigen müssen und zum Teil erst mal eine glitschige Leiter hochklettern, um die Stange überhaupt zu erreichen. Es folgen zwölf weitere Schleusen, zum Glück wieder mit Telecommandeur (Fernbedienung) zu bedienen. Vor allen Schleusen Wartezeit, weil die jeweils erst mal hochschleusen müssen, um uns dann bergab mitnehmen zu können. Sehr anstrengend das Boot davor immer warten zu lassen und ruhig und gerade zu halten. Mawi steht sehr ungern still! Letzte Durchfahrt um 17.55 Uhr – gerade eben noch! Angelegt in Cusey hinter einer großen Peniche – offensichtlich mit Passagieren. Deren Motor läuft und stinkt – wird aber zum Glück um 22:00 Uhr ausgeschaltet. Wir schmeißen fertige Ravioli in einen Topf und fühlen uns k.o.. 9 Stunden Fahrt, 24 Schleusen, langer Tunnel – wir sind in der Tat vorangekommen! 👍👍👍
15.6.2026
Am 18.6. will und muss ich für eine Woche nach Berlin…und am liebsten hätte ich Mawi während dieser Zeit in einer ordentlichen Marina und nicht irgendwo am Kanalufer….schaffen wir das? Also wieder ein Tag des Vorankommens geplant, einzige Einschränkung: heute um 18.00 fängt meine neue telemedizinische Kindersprechstunde an, ich würde also gern gegen 17.00 irgendwo angelegt haben, wo es eine gute Internetverbindung gibt.
Wir starten etwas hektisch, da das große Schiff vor uns ablegen will und wahrscheinlich extrem langsam fährt. Wenn wir da hinterher dümpeln, kommen wir nicht weit!Also spreche ich mit dem netten Captain, der uns vorfahren lässt, aber das muss flott gehen. Er fährt tatsächlich nur 3,5km/h – das wäre ein slow motion Tag geworden….
Wird es aber auch so: der Kanal ist ab jetzt wieder total vergrast, wir müssen mehrfach VNF anrufen, da das Gras die Tore verstopft. Im Juli/August kann man/frau hier wahrscheinlich gar nicht mehr fahren! Einmal warten wir recht lange: ein Bagger hat sich des Grases und der Schlingpflanzen angenommen.
Wir kommen leider nicht so weit, wie wir dachten und das Internet ist schlecht. Meins besonders! Außerdem ist es schon kurz vor fünf, und wir haben immer noch keinen Anleger gefunden. Kurzer Blick auf die Karte: Ah! Hinter der nächsten Schleuse ist ein Naturanleger…. ist nicht mehr weit! Wir fahren dorthin, suchen, aber den Anleger gibt es nicht. Ich werde immer hektischer und wir richten schon mal mit Susannes Telefon einen Hotspot für meinen Computer ein. Weitere zwei Schleusen – ich werde immer nervöser! Eine neue Sprechstunde direkt beim ersten Mal zu schwänzen macht wahrlich keinen guten Eindruck! Um 17:40 Uhr stehen wir irgendwo in der Pampa, Internet läuft! Zumindest etwas! Noch schnell den Hintergrund am Computer verändert, und ein bisschen Chi-Chi: Lippenstift und Bluse! Das muss reichen. 17:52 Uhr ist alles fertig und ich starte meine Sprechstunde, puh!
Im Anschluss noch ein paar Leinen um Bäume gelegt und Entspannung in schönster Umgebung, ein besseren Liegeplatz hätten wir gar nicht finden können. Gemütliches Kochen an Bord.

16.6.2026
Nach fünf weiteren Schleusen geben wir die Fernbedienung ab: Le Canal entre Champagne et Bourgogne ist zu Ende! 224 km und 114 Schleusen sind geschafft, ich kann es kaum glauben!


Nach einer Eingangsschleuse (waren die nicht vorbei?) sind wir plötzlich auf der Saône… breite Flusslandschaft, kein Gras, Strömung! Wir fliegen geradezu dahin: 6,3 Knoten (1 Knoten entspricht 1,852 km), ein völlig anderes Fahrgefühl. Weiteren 2 Stunden später wird uns etwas langweilig: ohne Schleusen haben wir sehr wenig zu tun!:)


Die verbleibenden 40 km gelingen im Sauseschritt und wir legen um 16.00 an der Bootstankstelle der Marina von St. Jean de Losne (größter Binnenhafen für Sportboote Frankreichs incl. Werft und Bootsservice) an, tanken voll und fahren nach einem Anruf, wo wir denn hin sollen, in den Hafen. Zum Glück müssen wir nur geradeaus! Soooo viele Boote auf einmal habe ich schon lange nicht mehr gesehen !

Einchecken, DUSCHEN (sehr! nötig), Ort anschauen – letzteres geht auch hier schnell – leckeres Essen in einem netten Flussestaurant und Fußball (Frankreich gegen Senegal) vor einer Imbissbude :). Frankreich gewinnt!

17.6.2026
Ein Wartetag!!! Und sehr heiß!!!!! Sehr sehr heiß! Morgens rufe ich den Bootsservice an, ich hätte gern mein automatisches Identifizierungssystem (AIS) für die Rhone und das funktioniert ja nicht mehr. Nach zusätzlich sehr komplizierter Digitalanmeldung wollen sie sich melden. Wir warten – sie melden sich nicht. Ich rufe nochmal an – sie wollen sich melden und melden sich wieder nicht. Sehr nervig! Schließlich gehen wir ein Eis essen, weiterhin kein Lebenszeichen der Techniker. Schließlich: dann doch eins: um 16.30: sie schaffen es heute nicht! Super, am nächsten Tag geht der Zug nach Berlin! Hätten wir den Tag besser verbringen können…Dijon haben wir nicht gesehen…. Aber ein Lichtblick: „Le technician“ will am 26.6. zwischen 8.00 und 11.00 Uhr kommen…
18.6.2026
Ein Abschiedsselfie – wir sind weiter gekommen, als geplant und hatten eine sehr gute Zeit!!!

Zu Fuß zum Bahnhof – etwas mühsam … gemeinsam bis Straßburg – dort trennen sich unsere Wege. Susanne hat ein Hotelzimmer gemietet, um die Stadt zu erkunden – ich fahre weiter gen Berlin. 3 französische Züge – auf die Minute pünktlich, einen deutschen Zug: 77 Minuten Verspätung! Bin nach 12,5 Stunden in Eisenbahnen nicht mehr S-Bahn -affin und nehme vom Bahnhof Spandau ein Uber…. Komme nach 2 Monaten auf dem Boot nach Hause und wundere mich: soooo viele Sachen! Kleiderschrank voll, Badezimmer groß, Blumen üppig, Bett bequem und breit, Wohnzimmer groß… was für ein Glück ich im Leben habe !!!!!! Sich über eine unterwegs fehlende Dusche zu beklagen, erscheint mir sehr relativiert…die meisten Menschen auf dieser Welt haben keine… Ich freue mich trotzdem, aber denke über die vielen Sachen nach….Und darüber, wie ich bald am Mittelmeer bin, 19 Schleusen vor Ziel!