Es gibt sie alle:
…wilde Schleusen, beschauliche Schleusen, kleine Schleusen, große Schleusen, hohe und niedrige Schleusen, funktionierende und kaputte Schleusen, Schleusen, die schon in der richtigen Richtung stehen und solche mit ewigen Wartezeiten, vergraste Schleusen, obervergraste Schleusen und solche, die vor lauter Vergrasung ihr Tor nicht mehr auf- oder zu bekommen…. und jetzt habe ich bestimmt noch Adjektive vergessen…..
Direkt hinter Vitry-le-Francois fängt der Canal entre Champagne et Bourgogne (früher Canal de la Marne à la Saone) an:

224 km, 114 Schleusen, die sich alle in eine der obigen Kategorien einordnen lassen, und mit knapp 6 km der drittlängste noch beschiffbare Tunnel Frankreichs. Ein sehr einsamer Kanal – es geht fast ausschließlich durch Natur, ab und zu ein Winzort oder einer, der auf der Karte lebhafter aussieht, als er ist. Dafür unglaublich viele Raubvögel und abendliche Froschkonzerte.
Nach dem üblichen Hochklettern an einer Leiter (matschig!) , um mit einer Stange die Schleusung auszulösen, gibt es jetzt wieder eine Fernbedienung, die nicht nur das Tor öffnet, sondern auch einen Knopf hat, um zu schleusen. Sehr praktisch!

Aber auch die nutzt nicht immer – gar nicht sooo selten müssen wir VNF anrufen…zum Beispiel, weil das hintere Tor nicht aufgeht. Geholfen wird uns nach einiger Wartezeit mittels Abschleppseil an einem zusätzlich herbeigeeilten Auto!


Mit Gerhard und Franzi nach Orconte (NICHTS – deshalb fast den Halte fluviale, den Anleger ,verpasst) , am nächsten Tag nach St. Dizière – ein etwas größerer Ort mit Bahnhof. Auf dem Weg dorthin war in der 3. Schleuse die Elektrizität komplett kaputt – wir waren bereits vorgewarnt. „Fahrendes Volk“ – wer auch immer das sein mag – habe aus der vollen Schleuse ein Schwimmbad gemacht 😂 😂 😂 . Wenn das nicht ein krimineller Akt wäre und den VNF-Leuten viele Scherereien bereitet fast eine gute Idee…die Schleusenform ist perfekt für einen Pool. ..ich fand die Location allerdings zu veralgt.. . VNF wieder angerufen :)! Die sind echt flott!
Am nächsten Tag Franzi und Gerhardt verabschiedet und 8,5 Stunden nach Joinville, da es dort Einkaufsmöglichkeiten gibt. Neben 13 Schleusen auch mit der Fernbedienung auszulösende Zugbrücken!




10.6.2026
Es gibt diese Tage… Viel vorgenommen – nix, aber auch so garnisxklappt! Heute ist so einer! Es regnet, aber ich will waschen. In Regensachen zu einem vermeintlichen Waschsalon – zu weit gelaufen…umgekehrt – noch nasser! Dann einen Adapter für das Auffüllen des Wassertanks von Mawi gesucht: 3 Läden – nichts! Wäsche in den Trockner, zum Boot, fast sofort wieder los… Nochmal nach Adapter gesucht – nette, bemühte Verkäufer:innen, aber NIX, nur Zeit verdaddelt. 12.30: immer noch kein Diesel, immer noch kein Frischwasser, immer noch kein Geschenk für Bodos Schwester, die bald einen runden Geburtstag feiert und gerade mal mit Einkaufswagen einiges von Lidl zu Mawi gebracht. Bodo genervt, ich auch!
Wir fahren schlecht gelaunt und bei Regen los – immerhin haben wir heute eine 1:1 Betreuung von VNF, das ist bei dem Wetter – und auch überhaupt – sehr praktisch! Die VNF Leute tragen immer schaufelweise Gras am Schleusenausgang ab – sonst ginge wohl die Tür nicht auf. Wir wollen bis Froncles kommen – dort gibt es Landstrom! Um 17.15 denkt Bodo, dass wir noch eine Schleuse vor uns haben und ist SEHR genervt, da er nicht um 18.00 vor der letzten hängenbleiben möchte. Ich auch nicht! Aber es gibt gar keine mehr und wir können einfach längsseits anlegen.
Direkt los um für Bodos Schwester im einzigen kleinen Laden ein paar französische Spezialitäten einzukaufen – immerhin: das gelingt.
Zurück am Boot Strom eingesteckt, aber nein: ich muss eine nervige App runterladen und erstmal bezahlen. Überweise Geld, Strom geht aber nicht. Hotline angerufen, aus einer Maschine eine analoge Camping-Car Karte entnommen – mich bedankt, Strom geht trotzdem nicht. Wieder angerufen – alle mögliches Tests durchgeführt – es liegt an der Stromsäule. Eine andere geht, aber da reicht unser Kabel nicht. Die verbraucht jetzt grün leuchtend mein inzwischen zweimal bezahltes Geld! Sehr nervig! Aber passt zum Tag. Bin bis 2.30 mit der Hotline und den Stromsäulen beschäftigt und esse dann noch ein paar Oliven und Nüsse – auf größere Kochaktionen so gar keine Lust mehr!!!
11.6.26
immer noch Regen, aber Laune besser. 13 Schleusen bis Chaumont, wo ich Susanne treffen will. Vor 3 Jahren haben wir uns auf La Gomera kennengelernt, sind gemeinsam gewandert und haben uns abends verabredet, Seither nie wieder gesehen.. Also ganz schön mutig von ihr sich jetzt auf diese Kanalfahrt einzulassen und dafür auch noch die komplette Nacht von Hamburg nach Paris mit dem Flixbus zu fahren… Chapeau! Ein bißchen mutig finde ich mich auch….
Bis Chaumont sind es 12 Schleusen, die letzte überraschend ruppig. VNF nur einmal angerufen… Und da unsere Laune besser ist, machen wir direkt noch ein Letzter-Tag-Selfie…

In Chaumont sitzt auf einer Picknickbank schon Susanne – sie ist nach 3 Stunden Paris mit einem Regio gekommen und seit einer knappen Stunde da. Und hat direkt zu tun…denn wir werfen ihr die Leinen zu…
Heute klappt alles Zackzack…Wir füllen nach kurzer Pause Wasser auf, dann Diesel aus Kanistern. Während Susanne und Bodo mit den leeren Kanistern zur Tankstelle wandern, putze ich mal das von den Schleusen völlig verschlammte Boot…Für 1 Euro müssen die beiden die Kanister gar nicht zurücktragen, sondern sie schieben einen Einkaufswagen von Intermarché. Praktisch! Als alles verstaut ist, das Boot wieder glänzt und wir Susanne gebührend begrüßt haben, packt Bodo seine Sachen – er fährt morgen ab und hat eine Unterkunft nahe Bahnhof gebucht. Das Gepäck ist recht schwer und er hofft auf ein Taxi. Ich rufe etwa 5 Nummern an – dann geben wir auf: „un taxi n`est pas disponible!“
Wie gut, dass wir den Intermarchèwagen haben, denn nach Chaumont Innenstadt geht es 2,7km nur bergauf – mit Gepäck nicht erstrebenswert! Wir packen den Wagen kurzerhand voll und scheren uns nicht um befremdliche Blicke… Auch mit Einkaufswagen ist die Strecke ganz schön anstrengend!

Bis wir im Hotel sind dauert es….einzig noch länger offenes Restaurant ist dann das Buddha Zen und so ißt Susanne an ihrem ersten Abend in Frankreich südostasiatisch.
Wir verabschieden Bodo und gehen – diesmal bergab – zurück zum Boot. Etwas abenteuerlich, da diesmal die Strecke über einen unbeleuchteten, steinigen Waldweg führt, der nur mit Taschenlampe begehbar ist. Eine Frau im Auto hatte extra gewendet um uns zu fragen, ob wir uns verirrt hätten und uns zu sagen, dass der Weg im Dunkeln gefährlich sei, Aber wir schaffen es zwar langsam, aber ohne Vorkommnisse – was für ein Einstieg für Susanne!!!!