24.5.2026
Schon wieder einmal heißt es Abschied nehmen – Isabel und Micha müssen zurück, wieder einmal traurig… Wir frühstücken noch gemeinsam, und in der Boulangerie finde ich neben Baguette zwei goldene Bougis fontaines und bringe die den beiden mit. „Bougis“ für die Glühkerzen (Bougis d´allumage) und eine Fontäne für die geschaffte Schleusentreppe 👍👍👍. Pünktlich um 11:00 Uhr kommt das Taxi und ich klettere halb winkend zurück auf Mawi. Kleine Arbeiten stehen an wie zum Beispiel staubsaugen, Seefilter prüfen, ein bisschen kehren. Da es keine Dusche gibt, wasche ich mich im Bikini am etwas entfernten Wasseranschluss für Boote und fülle direkt noch einem Eimer ab, um ein paar Klamotten zu waschen. Das gute alte „Rei in der Tube“ (hatte schon meine Mutter auf Reisen dabei) leistet ordentliche Dienste :).

Ein Spaziergang durch den Ort ist schnell geschafft, leider finde ich kein Eis, noch nicht einmal ein Magnum! Abends Salat und frühes Schlafen – am nächsten Tag will ich das erste Mal alleine fahren und bis Rethel kommen, denn meine Freundin Birgit kommt da besser hin.

25.5.2026
Ich bin aufgeregt, vier Schleusen und ein Anleger warten auf mich… pünktlich um neun lege ich ab und tucker zur ersten Schleuse, vorher habe ich den Ankersplint gelöst, damit ich im Notfall schnell ankern kann… Etwas Sorge habe ich wegen der Verkrautung des Wassers – andere Bootsfahrer haben berichtet, dass sie vor jeder Schleuse den Seefilter reinigen. Bei noch zu erwartenden etwa 180 Schleusen keine sehr dankbare Aufgabe. Eigentlich sieht das Wasser des Kanals unbefahrbar aus…. Ich habe auch schon jemanden kennen gelernt, der wegen der vielen Wasserpflanzen umkehren musste. Aber bisher fährt Mawi ganz brav durch all die Schlingpflanzen und der Seefilter hat nur wenig Algen am Abend. Hin und wieder muss ich vor und zurück um irgendwelche Pflanzenteile vom Propeller zu lösen.

Die Schleusen sind jetzt anders zu öffnen, die automatische Fernbedienung musste ich zwei Tage vorher in der 27. Schleuse abgeben… jetzt hängt 300 m vor dem Schleusentor eine Stange über dem Kanal, die man ansteuern muss, um sie dann zu drehen, finde ich nicht angenehm. Aber es gelingt! Das Anlegen auch, aber die Schleuse funktioniert nicht… scheint ein Dauerproblem zu sein! VNF angerufen, schnelle Hilfe kommt! Weiter getuckert, weit und breit kein Schiff. Schon ein komisches Gefühl! Aber es geht weiter, und ich habe mir vorausschauend Picknick, Wasser und Sonnenschutz ins Cockpit gelegt. Brauche alles! Fast am Ziel verpasse ich zuletzt doch noch die Stange und fahre vorbei…Rückwärts angesteuert, drehen geht nicht! Und dann stecke ich auch noch in der vierten Schleuse wieder fest. Nochmal VNF, diesmal eine halbe Stunde gewartet und die Pause zum Kaffeetrinken genutzt …Sehr angenehm! Nach 4,5 Stunden erreiche ich Rethel, habe zum Glück alles für einen Anleger rechts vorbereitet. An Land eine Gruppe kiffender und Techno hörender Jugendlicher, zu fragen, ob sie mir mit den Leinen helfen, hat, glaube ich, keinen Sinn. Also angelegt und über Bord gesprungen, um dann ganz schnell eine Leine in der Mitte zu legen. Erst mal alles unordentlich, Hauptsache eine Landverbindung… klappt nicht perfekt, aber okay und ich bin zufrieden mit meinem ersten Alleinetag. Auch ein bisschen stolz, mich getraut zu haben…..
Aber: weder Strom, (nur eine normale Steckdose) noch Wasser, noch Dusche….Sch….!
Etwas erschöpft mache ich eine Pause, entschließe mich aber nach kurzer Zeit doch durch die sengende Hitze (31 Grad) zu laufen, um in einem Baumarkt einen Adapter für eine Schukosteckdose zu kaufen. Immerhin hat dieser an Pfingstmontag geöffnet! Nach 40 Minuten Fußmarsch (heiß!) komme ich durstig an. Und ja: sie haben diverse Adapter, aber den, den ich brauche, nicht. Umsonst geschwitzt! Gegenüber gibt es einen Supermarkt – na, dann kann ich ja wenigstens den Großeinkauf für die nächste Etappe mit Birgit erledigen – drinnen ist es auch noch erfrischend kühl! Eine halbe Stunde stehe ich mit einem vollgepackten gigantischen Einkaufswagen (vor allem Wasser in allen Ausführungen) wieder in der Hitze und versuche ein Uber zu organisieren – gibt es nicht. Also Taxi….3 Nummern gewählt. die erste gibt es nicht, die 2. hat keine Taxis, die 3. ist zwar tatsächlich eine Taxirufnummer, aber an Pfingsten arbeiten sie nicht. Etwas ratlos bleibe ich erstmal vor dem Supermarkt stehen -wie soll ich zum Schiff kommen? Da kommt eine Frau mit ihrer etwa 10jährigen Tochter – sie wollen einkaufen und ich sage: „Cést fermé mauntenant!“ – jetzt geschlossen…Sie beklagen ihr Pech, ich meins daraufhin auch. Und wirklich: sie helfen mir alles in den Kofferraum ihres Pick Ups zu laden und ich sitze im Dunkeln auf einem Sixpack Wasser zwischen lauter Elektrokabeln und werde recht holprig direkt zum Boot gefahren. Wieder einmal bin ich von der Hilfsbereitschaft berührt – soooo nett! Die Tochter findet das Ganze superspannend, ich bin froh!
26.5.2026
Heute kommt Birgit und ich freue mich! Aber erstmal online französisch Unterricht und dann ins Schwimmbad… ich brauche DRINGEND eine Dusche! Das Bad ist super, man/frau kann eine eigene Duschkabine benutzen, außerdem gibt es ein Außenbecken mit Strömung, Strudeln und Massagedüse. Ich dümpele so lange im warmen (27,5 Grad das eine Becken, 30 Grad das Strudelbecken – da könnten sich die Freibäder in Deutschland ein Beispiel dran nehmen! (Im letzten Jahr habe ich mich beim Senat 2 x per Mail beschwert, da nur neobeprente Muskelprötze die ungeheizten Schwimmbäder aushalten können…natürlich keine Antwort!) bis mir fast Schwimmhäute wachsen. Ich bin wahrscheinlich die mit dem höchsten Duschwasserverbrauch. Duftend mache ich mich auf den Rückweg und gönne mir noch einen Petit Café und ein köstliches Eis. „Wellnesstag“! Um 22.00 hole ich Birgit am Bahnhof ab und wir öffnen einen Cremant zur Begrüßung. Ihr Ziel: mich voranbringen!!!