Von Charlesville- Mezière zur Schleusentreppe – mit Hindernissen

Das erste Hindernis ist der noch immer mehrfach täglich auftretende strömende Regen. „Il pleut comme vache qui pisse“ habe ich in meinem Französisch Unterricht gelernt, aber ich weiß gar nicht, ob eine Kuh wirklich solche Unmengen pinkeln kann….Zumindest will ich einen der vergessenen Regenschirme zurück erobern: Francis hatte seinen im Restaurant gelassen und konnte ihn am Folgetag nicht abholen, da geschlossen. Meiner liegt im Musée Rimbeau. Dahin gehe ich zuerst – aber: hat wegen Krankheit die nächsten Tage geschlossen, Schirm ade! Weiter gehts zum Restaurant und tatsächlich: der große graue Schirm ist noch da. Prima! So habe ich jetzt anstelle eines Reklameschirms einen richtig guten – zumindest vorübergehend. Zunächst mal für nur ca. 15 Minuten, denn als ich zurück auf dem Boot bin, bin ich ohne Schirm. Kann nicht wahr sein! Kehre um und laufe die verschiedenen Geschäfte ab, in denen ich war. In der Boulangerie (natürlich letzter Versuch) werde ich fündig und auf dem Rückweg freut sich der Schirm über Arbeit :)!

Am späten Nachmittag kommen aus Nürnberg Isabel und Micha, wir essen an der Maas und planen die nächsten Tage. Zum Dessert gibt es Crepe mit Nutella – mir zu süß!

20.5.2026

Früh aufgewacht und alles für die erneute Abfahrt vorbereitet, Ziel ist der Bootsservice in Pont à Bar – den kenne ich ja schon! 17 km und 4 Schleusen weiter kommen wir tropfnass da an – in der letzten Schleuse hat es uns prasselnd erwischt!

Wir werden schon erwartet und uns wurde ein Platz freigehalten! Supernett! Innerhalb kürzester Zeit habe ich (vielleicht) gelernt, wie man den zweiten Kraftstofffilter und den Ölfilter wechselt und das Öl austauscht! Unglaublich schnell und nett sind die hier! Aber was ist mit meinem Motor los? Alle möglichen Teile werden ge und vermessen, ich verstehe eigentlich nur Bahnhof…Zumindest das Relais, welches – wie ich es verstanden habe – den Strom zu den Glühkerzen regelt, ist in Ordnung. Also vielleicht die Kerzen selbst? Micha meint, das hätte er noch nie gehört. Es wird eine ausgebaut, sie ist kohlrabenschwarz und funktioniert im Messgerät NICHT! Ich habe wahrscheinlich immer zu lange vorgeglüht, weil ich dachte: „viel hilft viel!“ Ist leider nicht immer so. Oder es gibt ein übergeordnetes Problem, dass wir hier nicht lösen können. Auf jeden Fall hängen wir hier fest, da die Glühkerzen bestellt werden müssen und erst am Folgetag gegen Mittag eintreffen werden.

mein Motor – das Rätsel!

Am späten Nachmittag fahren wir mit dem Bus nach Sedan, essen Pizza und wollen dann zurück zum Boot. Klappt nicht! Kein Bus mehr, aber auch kein Taxi. Da fährt uns doch tatsächlich der Restaurantbesitzer persönlich! Supernett! Es ist unglaublich, was für positive Erlebnisse ich auf dieser Fahrt mit verschiedenen Menschen habe, kann ich nur von lernen!

21.5.2026

Mal ein gemütliches Frühstück und kein rasche Aufbruch, hat auch was! Ich kaufe noch einen zweiten Kugelfender und alle ehemals zurückgegebenen Kanalführer erneut.

Ansonsten: wir warten! 2 Stunden später warten wir immer noch und weitere 2 Stunden später ist klar, dass die Glüh -kerzen heute nicht mehr kommen. Vielleicht morgen? Vielleicht muss man sie aber auch beim Hersteller bestellen, dann hänge ich hier 5-6 Tage fest …. eine elende Vorstellung. So nett hier alle auch sind, in Pont à Bar gibt es außer einer Hafenkneipe nichts…Die ist zwar urig, aber für eine Woche??? Keine prickelnde Vorstellung! Noch ein kleiner Spaziergang, abends Penne mit Aubergine… auch lecker!

22.5.2026

wir haben uns alle drauf eingestellt in Pont à Bar zu versacken und planen – beim wieder gemütlichen Frühstück – schon diverse Ausflüge in die Umgebung:Verdun oder Reims? Beides ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln schwierig, aber nicht unerreichbar. Immerhin! Beim Spülen und dem noch üblichen Chaos im Salon gibt’s dann die Überraschung: die Glühkerzen sind da – ich könnte sie jetzt auch Glückskerzen nennen! Ruckzuck sind sie eingebaut, noch schnell eine Dusche in einem kleinen Betonhäuschen, Rechnung bezahlt und los geht’s tatsächlich! Juhuu, wir können es kaum glauben! Und das Wetter ist endlich gut! Strahlend blauer Himmel, Sonne, bis zu 30°!

Ziel heute ist Le Chesme, nur ein kleiner Tunnel und vier Schleusen sind zu überwinden… das schaffen wir leicht!

In Le Chesme nichts los – mir fällt seit Givet immer der viele Leerstand auf – wahrscheinlich ziehen die jungen Menschen in die Städte. Aber: es gibt ein Taxiunternehmen und Isabel und Micha bestellen sich für den übernächsten Tag ein Taxi, welches sie zu ihrem Auto zurückbringt. So steht der am Folgetag geplanten Schleusentreppe nichts mehr im Weg. Wir sind gespannt, ob wir die schaffen!

23.5.2026

Wir stehen früh auf, denn wir wollen als erstes Boot in der Schleusentreppe sein…. 28 Schleusen liegen vor uns, davon 26 parallel geschaltet, d.h.: wenn wir die erste ausgelöst haben, werden alle automatisch hintereinander geschaltet. Keine Pause! Das war uns vorher nicht so klar! Nach der fast eisigen Kälte der letzten Wochen ist es jetzt bullig heiß!

Es geht immer abwärts, 3 Mal müssen wir VNF anrufen, weil die Schleuse nicht funktioniert. Aber die kommen immer sehr schnell und wir haben mal eine wenigstens kurze Verschnaufpause :)!

Schleuse Nummer 19!

Nach ziemlich genau 7 Stunden sind wir – recht erschöpft – in Attigny und fühlen uns wie frisch Ausgewählte für das Guiness Buch der Rekorde…Wir liegen idyllisch unter Bäumen, aber es gibt weder die angekündigte Dusche noch Landstrom. Ersteres wird mit frischen Klamotten und Duftwässerchen kompensiert (aus dem Alter: „Wer nicht stinkt, wie ein Tiger, gehört nicht zu uns“ sind wir alle raus…) , letzteres müssen die Solarpaneele regeln.

Zum Kochen zu müde besuchen wir das einzig offene Restaurant und essen bei dieser Hitze Mal wieder Pizza…

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