den nächsten Tag, (So 26.4.) , wollte ich dem Putzen widmen. Es soll ja Menschen geben, die aus dem Putzen eine besondere innere Befriedigung ziehen – die Putzianer… Ich gehöre eindeutig nicht dazu! Ich sehe Putzen eher als das kleinere Übel: im Dreck leben oder sauber machen…und ein Boot ist nach dem Winter wirklich alles andere als sauber!
Aber erstmal Kaffee – ohne den geht gar nichts! Dann Bilge schauen- über Nacht haben sich wieder 2 – 3 cm angesammelt und Guido Willems Bootsservice hat sich noch nicht gemeldet. Ich bitte den Hafenmeister ihn anzurufen und sofort geht er ran. Super! Er kommt am nächsten Morgen um 8.00. Also muss ich mich um die Bilge nicht mehr kümmern, sondern kann nach meinem Frühstück Putzianerin spielen.
Ich hole das ganze Zubehör aus der Steuerbordkiste : Lappen, Schrubber, Schmierseife, Papier, trockene Lappen und diverse Bürsten, dann den am Steg angebrachten Schlauch. Den lasse ich an, muss ja alles auch wieder abgespült werden… Ich fange mit dem Antislipbereich auf dem Vorschiff an – bin akribischer, als ich dachte, aber nicht oberperfekt. Muss halt fürs Auge reichen :). Brauche noch eine kleinere Bürste und gehe zum Cockpit… Was ist das denn?
Das Cockpit hat sich in einen Swimming Pool verwandelt. Gäste des Schwimmbads sind meine weißen Turnschuhe, die Pütz (Eimer) mit diversen Gegenständen, die Fahne , ein Schwamm (kann am besten schwimmen!) und 2 lange Leinen. Das Wasser steht so hoch, dass es fast in den Innenraum des Bootes fließt. Eigentlich könnte ich heulen, statt dessen wechsele ich meinen momentanen Ort von Putzingen nach Schöpfungen und schöpfe – mal wieder!

Diesmal ist die Ursache schnell gefunden: zwar hatte ich alle Ventile aufgemacht, aber durch Schlamm und Blätter verstopfte Abflüsse nicht bedacht – Lernkurve steigt! Am Ende ist das Cockpit sauberer denn je.
Nachmittags kommt Bodo an und hilft bei weiteren Tätigkeiten, wunderbar. Abends essen in einem Campingplatzbistro direkt an der Maas bei Sonnenuntergang – das Wetter ist ein Traum, nur nachts ist es noch recht frisch.

Montag, 27.4.26
Pünktlichst kommt der Bootsservice und zieht die Schläuche der neu eingebauten Toilette dicht. Jetzt geht sie und tropft nicht mehr in die Bilge…juchuh!
Noch ein paar weitere kleine Arbeiten, dann zur Fuß nach Maastricht, denn es ist Konigsdag. Alle feiern den Geburtstag des Königs Willem Alexander, sind orange angezogen oder wehen mit orangen Wimpeln. Ich habe mich im Outfit leicht angepasst:


Dienstag, 28.4.26
Nach Betanken des neu erworbenen Kanisters (habe jetzt 60l Diesel Reserve bei mir) gegen 12 Uhr gen Liège gestartet, es geht also jetzt wahrhaftig los gen Süden und Meer – auch wenn das noch eine Weile dauert. Viel Wind, aber Sonne!!!! Und schnell gemerkt: wir können die Frachter nicht sehen, das AIS funktioniert nach der Winterpause nicht mehr! Sehr blöd – schon wieder eine Komplikation!
Nach einer blöden Schleuse mit viel Schwell und Wind Ankunft Lüttich 16.00. Enger Hafen, aber den kannte ich ja vom Vorjahr. Versuch einen Techniker oder eine Technikerin für das AIS zu finden – mißlungen! Essen in einer netten Brasserie.


Mittwoch 29.4.26
Weiter gen Huy (nach langen taktischen Überlegungen wie bei sooo viel Wind das Ablegenanöver am besten zu gestalten sei, um es dann schließlich doch ganz anders zu machen) eigentlich keine große Entfernung, aber der erste Schleusenwart lässt und 3!!! Stunden warten und schleust sogar einmal leer….Ein A….. Viel Wind und beim 2. Warteanlegemanöver Schleusenbrett an einem Vorsprung verhakt und geborsten. Brauche also bis zur Rhone ein neues Schleusenbrett und mein AIS repariert. Immerhin hat die Bilge nur noch ein bißchen (hoffentlich) Restwasser ….
Ankunft Huy erst 19.30, Anlegen in schmaler Lücke gelingt zu meiner Freude. An der Capitanerie ist ein superleckeres belgisches Restaurant und wir verschieben das erste Kochen noch einmal. Aber: ausgebucht!

entlang des Weges: „Widerstand beweist, dass Du existierst!„


Schleusenkunst