Was ist sonst noch so passiert…

das ist im übrigen ein netter Song von „Von wegen Lisbeth“, offizieller Titel „Bitch“ und zu hören unter:

https://music.apple.com/us/song/bitch/1104931552

Fiel mir nur gerade ein, denn passiert ist eine ganze Menge.

letzte Nacht auf Mawi im Oktober – ich allein und alle siebenhundert Sachen zusammenpackend (schließlich wird es in den niederländischen Breitengraden im Winter auch mal richtig kalt und das wollte ich weder den neuen Textilien noch dem noch vorhandenen Proviant antun) – kommt eine Unwetterwarnung! Regnen tut es bereits, das Unwetter kommt dann gegen 1.00 nachts:

80km/h laut pfeifender Wind reißen an den Leinen und Mawi wird trotz guter Vertauung hin- und her geschüttelt. Ätzende Geräusche rund um mich herum, nicht sehr beruhigend. Inzwischen nicht mehr nur strömender, sondern peitschender Regen nur unterbrochen durch Hagelkörner. Ich kauere bei Heizung im Salon und lasse das Geschehen eine Weile auf mich einwirken… So kann ich sicher nicht beruhigt einschlafen! Also rein in Gummistiefel und Segelkluft, weitere Leinen zusammengesucht und raus auf den nicht gerade rutschfest imprägnierten Steg. Überall, wo möglich, eine Zweitleine gelegt (die in Berlin gekauften Anleger mit einer Art integriertem Stoßdämpfer) und tropfnass wieder an Bord. Jetzt nur noch in die Koje, aber…

… noch einmal Pippi…. sollte schnell gehen. Geht es auch, aber die von mir sowieso nicht geliebte elektrische Toilette hatte dies irgendwie gespürt und beschließt, mich zu ärgern. Ein kleiner letzter Ächzlaut – das wars – Ende! Kein Strom – kein Laut!

Egal, erstmal schlafen!

Am nächsten Morgen einladender Sonnenschein, immerhin!

Ich hoffe sehr auf die Selbstheilungskräfte meiner Toilette, leider umsonst – wäre ja auch zu schön gewesen! Ich habe keine Ahnung von Elektrizität an Bord, aber der plötzliche Ausfall erscheint sogar mir vereinbar mit dem Ableben einer zuständigen Sicherung. Aber wo ist die? KI hilft nicht wirklich, You Tube auch nicht, also eine Whats App an Herrn Brock in Greifswald (zur Erinnerung: er hatte das Boot fit für die lange Reise gemacht). Der ruft auch prompt an und meint, ich muss die Kabel der WC-Pumpe verfolgen. Hm! Erstmal ein Foto in den hohen Norden gesendet, ob das, was ich dafür halte, auch wirklich die Pumpe ist. Bingo!

Nächster Schritt: Kabel verfolgen – auch Bingo! Ich finde ein kleines Kästchen, darin sind für mich komisch aussehende rechteckige Teile, Sicherungen? Hafenmeister gefragt – der kommt an Bord, bestätigt diese Annahme und holt eine raus. Durchgebrannt! „Na, das kann ich doch sicher reparieren“ denke ich und nehme (stolz) alle Werkzeug lagernden Kisten und Schränke auseinander. „Da!“ ein Kasten voller Kleinteile, incl. Sicherungen, juhu:). Und direkt der Frust hinterher: keine passt! Wieder Hafenmeister: „wo kann ich solche kaufen?“ Er empfiehlt einen Autohandel 1,6 km entfernt und ich mache mich direkt auf den Weg. Um 15.00 Uhr muss alles fertig sein, denn da will mich meine Aachener Freundin Doris abholen mitsamt all meiner Plünnen.

Im Speedschritt zu der Adresse. ein Autogroßmarkt. Ja, sie haben diese Sicherung, aber nicht einzeln, sondern nur im 25er-Pack. Egal, kosten nur 6,80 Euro und ich fühle mich auf dem Rückweg bestens ausgestattet. Wieder an Bord: Strom ausgeschaltet, neue Sicherung eingesetzt, Strom wieder an: NICHTS! Die Toilette sagt noch nicht einmal „Piep“, rächt sich vielleicht für meine Klagen über ihre Lautstärke und bleibt deshalb oberruhig! Sicherung vielleicht falsch herum eingesetzt? Oben, unten, rechts und links – das sind immerhin 4 Möglichkeiten und ich probiere alle: Strom aus – Strom ein – Strom aus – Strom ein und ein letztes Mal – immer eine große Erwartungshaltung…. aber jedes Mal NICHTS! Ätzend! Nochmal KI befragt – die macht viele Vorschläge, aber leider keinen für meinen elektrischen Unverstand. Ich beginne zu akzeptieren, dass ich das Problem bis 15.00 nicht lösen kann und widme mich dem Rest der Arbeiten- noch einiges zu tun…

Doris holt mich pünktlich ab und so heißt es erstmal Abschied nehmen von Mawi😥. Ein unterwegs kennangelernter Belgier will mir im Dezember helfen das Boot winterfest zu machen und sich als Elektroingenieur auch mal die Stromversorgung der Toilette anschauen. Was für ein Glück!

Man beachte: überall Leinen doppelt

Dezember:

…hätte ja auch alles mal klappen können….

Der Belgier sagt 4 Tage vor unserem geplanten Treffen ab, ich verabrede mich daraufhin mit einem – vom sehr netten Hafenmeister empfohlenen – Bootsservice, um die Toilette checken zu lassen. Verbringe einen supernetten und langen Abend mit meiner Freundin Doris in Aachen und fahre mit derer Auto am nächsten Tag zu Mawi.

Kurz vor 11 bin ich pünktlichst vor Ort, da klingelt mein Telefon: der Bootsservicemann hat 39 Grad Fieber und Influenza – schade, aber auch. Ich bespreche mit ihm, dass er sich den Mawi-schlüssel beim Hafenmeister holt – ich kann nicht dauernd von Berlin aus in die Niederlande fahren. Und statt das Boot vernünftig winterfest zu machen, stelle ich auf Anraten verschiedenster Niederländer (die inzwischen viel Anteil an meine Plänen und Missgeschicken nehmen) eine Elektroheizung in den Innenraum – das machen hier wohl alle. Ich bin ein wenig skeptisch, habe aber keine wirkliche Alternative. Und wie nett, dass sie mir eine leihen! Fahre zurück nach Aachen – trotz aller Pannen und Umstände: bald bin ich wieder hier und am 1.4. des neuen Jahres stehe ich vor den dann wieder eröffneten Kanälen! Denke ich!

Statt dessen breche ich mir am 27.12. des alten Jahres die Mittelhand (Enkeltochter vor einem Eislaufunfall gerettet, dann selber gestürzt), zertrümmere den Ringfinger incl. Mittelgelenk und füge dem Mittelfinger einen Kapselriss mindestens eines Gelenkes zu. Ruhigstellung, dann 3 x pro Woche Physiotherapie…. wird nichts mit einem frühen Start gen Meer….ich soll in diesem Leben wohl doch noch Geduld lernen (müssen).

Immerhin: eine neue Toilette wird eingebaut (die alte war wohl so laut, weil sie schon kaputt war), Motor funktioniert, Dieselkanister mit meinem Patensohn aus Aachen im März aufgefüllt, alle Sachen wieder an Bord (mein Patensohn hat alles getragen – supernett) und:

trotz noch eingeschränkter Hand- und Fingerbeweglichkeit ist der Start zum Mittelmeer für den 29.4. 26 geplant. Kann ja eigentlich nichts mehr schiefgehen!!!! 👍☀️

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