Vor ersteren habe ich eine regelrecht Angst – mag ich doch schon im Auto keine Tunnel und würde nie im Leben Höhlen erforschen. Letztere hingegen stellte ich mir romantisch und kontemplativ vor. Keine Schleusenwärter:innen, die mich stressen, kein Wellenschlag von Frachtern, nein: ich kann entscheiden, wann das Wasser hochsteigt oder sinkt…In meiner Vorstellung war dies ein entspannender Vorgang – ich schwebe in meinem Boot gemütlich nach oben oder unten, kann dabei meinen Gedanken nachgehen oder die Landschaft bewundern.. – und das mehr als 200 Mal!!!
Aber erstmal die Tunnel… Von denen gibt es nicht so viele, aber direkt der erste hinter Givet ist mit ca. 600 m der längste. Unbeleuchtet, am Ein – und Ausgang eine Schleuse, kalte Felswände, 4,50 – 5 m breit, also wenig Platz. Nach oben ca. 20 cm – in Erwartung des Tages hatte ich schlecht geschlafen und mich in eine mäßige Tunnelphobie hineingesteigert. Also lasse ich Bodo steuern – er findet Tunnel kein Problem! Ich greife mir unseren Scheinwerfer und beleuchte die Steuerbordseite. 2 Knoten Fahrt sind erlaubt und nach knappen 8 Minuten erreichen wir mit nur einer Fender-Fels-Berührung sicher die andere Seite. War viel weniger schlimm als erwartet!

sieht auf dem Bild viel kürzer aus….
Anders die Schleusen! Schon bald kommt die erste automatische dieser Art und wir spotten das Kästchen (wird in den Folgetagen das! Zauberwort…“wo ist das Kästchen?“ „Hast Du das Kästchen gesehen?“), welchen auf Aufforderung durch die Fernbedienung die Schleusen in Gang setzt.

Oben geht dann eine Lampe an, am Schleusentor springt eine Art Ampel von Rot auf Grün-Rot, wir müssen auf reines Grün warten und herumdümpeln bis wir einfahren dürfen. Im Moment geht es gegen den Strom, also schleusen wir immer hoch. Nach der Einfahrt wird nach dem Festmachen und Verrücken der Fender (wir haben nur 5 😥 das ist eindeutig zu wenig – die Kammer ist nur 4m breit, Mawi hat also nur 37,5 cm pro Seite bei der Einfahrt) ein blauer Stab hochgedrückt und dann schließt sich mit lautem Gebimmel das Tor. Das Schleusen beginnt, wie ich mir vorgestellt habe – langsam sickert Wasser in die Kammer und wir werden seicht angehoben. Plötzlich aber verändert sich das Geräusch, es wird etwas lauter und dann macht es „WUSCH!“ Wasserfallartig stürzt das Wasser in die Schleuse und wir befinden uns in einer Art Waschmaschine. Nix mit kontemplativer Landschaftsschau – wir haben alle Hände voll zu tun!

in Wirklichkeit krasser, aber da konnte ich nicht fotografieren 🙂
In den folgenden Schleusen stellen wir fest, dass die erste keine Ausnahme war: es ist immer so! Nur unsere Strategie wird besser. Nach dem paralytischen Starren auf das Schleusentor, wann denn wohl der Wasserstrudel kommt, stelle ich fest, dass es besser ist gar nicht hinzuschauen, das Wasser kommt ja eh…