Intermezzo: kurzer Roadtrip in Rumänien ….

Zwischenzeitlich war ich nicht etwa mal länger zu Hause, sondern auf dem 60. Geburtstag meines Freundes Detlev, der beschlossen hatte, in der Nähe seiner Geburtsstadt Sibiu (ehemals Hermannstadt) in Transsylvanien zu feiern. Also die Party (über 3 Tage: Angrillen – Grillen – Abgrillen :)) zum Anlass genommen, wenigstens ein bißchen von Rumänien anzuschauen.

Ein überraschend spannendes Reiseland – hatte ich völlig unterschätzt! Start in Bukarest, per Mietauto ins Donaudelta (großartig!), natürlich eine Bootsfahrt gemacht :), am Strand von Konstanza am Schwarzen Meer spaziert, die größte gotische Kathedrale Südosteuropas Schwarze Kirche, ist aber grau) in Brasov (ehemals Kronstadt) besichtigt, die Karpaten bis auf 2000 m Höhe gefahren, dann Ankunft in Sibiu.

Keine Bären gesehen, auch keine Vampire...Beides ungewöhnlich!

Ein beeindruckendes, in Siebenbürgen spielendes Buch gelesen: „Lichtungen“ von Iris Wolff. Und eine wunderbare Party gefeiert – Tag 2 und 3 auf dem Gelände einer bei Sibiu befindlichen Kirchenburg (Kirche umgeben von Burgmauern und Verteidigungsschächten aus Angst vor den Tataren im Mittelalter), der Biserica Fortificata „Stantul Servatio.“ Die Siebenbürgen Sachsen wurden um 1200 in Transsylvanien angesiedelt. Sie folgten dem Ruf eines ungarischen Königs, der das Gebiet neu erobert hatte und es nun sichern und entwickeln wollte. Für ihre Ansiedlung erhielten die Menschen, die häufig aus dem Rheinland oder Moselgebiet kamen, viele Freiheiten bzgl. Religion, autonomer Verwaltung und Land.

Einige Eindrücke:

von Ceausescu erbauter Präsidentenpalast – 2. größtes Gebäude der Welt – die Fertigstellung hat er nicht mehr erlebt (1989 rumänische Revolution, Ceausescu und Gattin wurden erschossen).

Pelikane im Donaudelta

die Zeit scheint stehen geblieben….

und natürlich: der Jubilar (DLX – Detlef 60)

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Und weiter gehts….

3 Wochen ist es nun her, dass ich Mawi verlassen habe und jetzt sitze ich gerade im Zug und denke über die nächsten Tage nach. Morgen Boot wieder einrichten, Seeventile auf, Strom, Wasser… Übermorgen – am Tag der deutschen Einheit – gehts dann los, noch 2 Tage Rhein sind zu bewältigen. Gut, dass Bodo diese begleitet, er hat die besseren Nerven zwischen all den Frachtern zu kutschieren. Und das ganze räderlose Gepäck muss erstmal die Bahnfahrt überstehen…ich demnach auch!

Aber alles gut nach Neuss transportiert und von meiner Schwester Anja abgeholt worden – wie wunderbar! Am nächsten Tag Gerödel : Putzen, Einkaufen mit Anjas und deren Autos Hilfe, Sortieren, Motor ausprobieren, Überlegungen, wie ich aus dieser ultrakleinen Lücke im Hafen, die sich mein Liegeplatz nennt, rauskommen soll. Aber was für ein Glück!!! Markus, der Hafenmeister, kommt vorbei und ruft 3 Männer (zwei davon ca. Mitte 50, Egon, mein Bootsnachbar, 88 Jahre alt) mit den Worten: „Jungs, sollen wir der Bea nicht mal schnell das Boot drehen?“ Innerhalb von gefühlt 3 Minuten lag Mawi anders herum und ich war froh.

Nächstes Ziel: die Niederlande

Um es vorweg zu nehmen: diesmal ist ALLES heile geblieben!!! Wir auch! Keine Macken im Schiff, keine Stürze ins Wasser, keine Seeschlangen… Abenteuerlich war es trotzdem!

3.10.2025

Wie schön! Anja und ihr Freund Michael fahren einen Tag mit und haben sich reichlich mit warmen Klamotten ausgestattet, denn es ist kalt 🥶!

Wieder ist es Oktober und eigentlich bin ich doch eine ausgeprägte Sommersonnenliebhaberin! Gegen 9 Uhr legen wir ab, passieren nach einiger Wartezeit (zuviel Frachter auf dem Kartenplotter sichtbar) die schmale Ausfahrt des Neusser Sporthafens und biegen links ab. Das erste Mal auf dem Rhein mit der Strömung! Wow!

Wir düsen, düsen, düsen, düsen im Sausewind…. 9 Knoten, so schnell waren wir noch nie! Und wir haben Glück: nach etwas Nieselregen kommt vereinzelt die Sonne heraus. Und es kommen zwar reichlich Frachter von vorne, aber so gut wie gar keine von hinten – vielleicht weges des Feiertags? Auf jeden Fall viel angenehmer – ich bin auf dem Rhein trotzdem recht unentspannt und freue mich, dass Bodo deutlich relaxter als ich steuert. Zunächst geht es zurück – erneut Düsseldorf und Duisburg mit all den Industrieanlagen, erst dann kommt für uns unbekanntes Terrain.

In Wesel sind wir schon am frühen Nachmittag und wir beschließen weiter nach Emmerich zu fahren. Dort kommen wir gegen 17.00 an und sind von Rheinkilometer 736 – 854 gefahren! Toll! Anja und Michael helfen noch beim Festmachen und machen sich dann auf zum Bahnhof, um wieder nach Hause zu fahren.

Bodo und ich laufen bei Nieselregen eine knappe Stunde in die Emmericher Innenstadt und essen in einem griechischen Lokal – ich die schlechteste Moussaka aller Zeiten !

4.10.2025 Der letzte Tag auf dem Rhein – aber auch der schlimmste !!!

Es fängt schon nicht gut an, wir legen in strömendem Regen (cats and dogs, Bindfäden, wie aus Eimern, oder wie man in den Niederlanden sagt: Taschenmesser , alles in allem heftigst) ab. Sicht miserabel, alles grau in grau – ich sehe nichts, Bodo steuert . Wohl ein Sturm in anderen Teilen Deutschlands (sogar Bäume sollen entwurzelt sein), wir bekommen 6 Beaufort ab, Böen stärker. Viel mehr Frachter, als am Vortag, aber immerhin fahren jetzt alle rechts und kreuzen nicht wie bei Duisburg und Düsseldorf immer in die Außenkurve. Aber auch Frachter von hinten! Und Welle, wie auf dem Meer! Eine schlägt übers Boot bis zur Sprayhood. Wahnsinn! Vorteil: die Scheiben sind wieder sauberer und die Regentropfen weg. Das hält aber nur wenige Minuten, dann ist alles wieder zugeregnet und die Scheibenwischer sind so miserabel, wie das Wetter. Wollte eigentlich neue bestellen, hatte ich aber vergessen. Rächt sich gerade! Alles so streßig, dass es kein einziges Bild gibt.

Endlich kommt Nijmegen und die „lustige“ Rheinfahrt hat ein Ende! Ich jubel und gelobe nie wieder auf dem Rhein zu fahren – mal sehen, was daraus werden wird! Die Niederlande begrüßen uns freundlich, der Regen lässt nach und ab und zu wagt sich ein bißchen Sonne hervor.

Wir beschliessen nicht – wie ursprünglich geplant – in Nijmegen zu bleiben, sondern das bessere Wetter noch ein wenig zu nutzen. Nach einer Schleuse kommt der 13km lange Vaal-Maas Kanal, nach einer weiteren Schleuse sind wir auf der Maas. Nach einigen Berechnungen: Geschwindigkeit stromaufwärts – Uhrzeit – wieviel km/h machen wir bei ca. 5,8 Knoten …ist klar: wir schaffen es bis Venlo und werden dort kurz vor Einbruch der Dunkelheit, also noch im Dämmerlicht ankommen. Keine Pufferzeit – sehr schlecht! So sollten weder Mann noch Frau planen und wir sollten das eigentlich wissen! Aber ich würde soooo gern bis Maastricht kommen und Bodo hat nur 3 Tage Zeit! Zunächst auch auf der Maas eine ordentliche Welle..

…dann eine nette Strecke mit idyllischem Nachmittagslicht…

Aber es wird später und später und wir sind noch nicht da! Die geplante Anlegedämmerung verstreicht, es wird dunkel und Bodo muss steuern – ich sehe im Dunkeln nix.

Leichter Nieselregen bis zur endlich erreichten Hafeneinfahrt und dann : eine Gewitterzelle! Peitschender Regen, Welle im Hafen, mit Scheinwerfer versucht, was zu sehen: Nichts! Gischt im Hafenbecken, welches zum Glück groß genug ist, um Kreise zu ziehen. Es ist grauenhaft und das einzige, was ich denken kann ist, dass ich – inzwischen wieder am Steuer – Mawi erneut irgendwo gegen ramme. Wir kreisen! In die eine Richtung (mit dem Wind) ist es recht ok, aber schnell, in die andere (gegen den Wind) absolut ekelhaft. Bodo leuchtet recht verzweifelt die Stege ab, er hat seine Kontaktlinsen drin, das geht etwas besser, als bei mir mit Brille – die war sofort aufgrund der Gewitterregentropfen nutzlos. Bodo findet tatsächlich die uns vom Hafenmeister genannte Stelle – am 3. Lämpchen, sagt er, mehr sehe ich sowieso nicht. Ich halte darauf zu und erkenne kurz vorher tatsächlich, wo ich hin soll. Anleger wunderbar – ich bin erleichtert, wir beide erschöpft.

Keine Muße mehr zu kochen – raus aus den sehr nassen Klamotten und auf zum Hafenrestaurant. Beeilung ist angesagt, denn laut Internet schließt die Küche um 21.00 .

Nicht so heute – seit 1.10. gibt es warmes Essen nur noch bis 19.00. Immerhin gibts Nüsse. Beim Rauchen radebreche ich mit der Küchenchefin auf holländisch – habe ja mal ein halbes Jahr auf Texel gewohnt und damals versucht, die Sprache zu lernen. Die Chefin ist von meinen Versuchen so begeistert, dass sie Käsebrötchen schmiert – immerhin! Wir sagen:“ Dank u wel!“

5.10.2015

Heute soll es anders werden! Bodo ist so nett und kommt mit bis Maastricht, denn da kann ich in der Pause, die folgen wird bis Birgit kommt, etwas anfangen. Meine andere beste Freundin Doris wohnt ganz in der Nähe in Aachen, ich kann mit dem Zug mal nach Düsseldorf und meine 88-jährige Tante in Haan besuchen und ich mag Maastricht. War ich doch damals als Studentin an der Aachener Uni öfters dort. Zum einen, um Käse, Zigaretten und andere zum Überleben wichtige Güter preiswert einzukaufen, zum anderen für Treffen im „Kneipje“ mit für Studierende bezahlbarem Essen. Am besten war die mit Käse überbackene Zwiebelsuppe (à la Francaise), aber sogar Schnecken in Knoblauchsauce konnte man/frau probieren (mein erstes und bis heute letztes Mal, aber wer weiß?).

Also gegoogelt, es gibt einen Zug nach Berlin um 18.52 (Bodo muss montags früh in Berlin sein) und das schaffen wir bestimmt – wollen ja nicht im Dunkeln ankommen :)!

Um Punkt 9.00 an der Tankstelle angelegt, erstaunlicherweise nur 45l getankt (das entspricht einem Verbrauch von 1,5l/h) – hätten wir also lassen können. Wir dachten die Tanknadel ist kaputt, hatte sie sich doch kaum bewegt. Ist sie aber nicht!

Dann durch entspannte grüne Landschaft mit vielen Schafen und Kühen.

Später monoton und kanalähnlich – mehrfach die Route überprüft – haben wir uns verfahren?

Insgesamt 4 Schleusen – ich bedanke mich immer auf niederländisch. Die in Maastricht ausgesuchte Innenstadtmarina (t´Bassin) hat bei geplanter Ankunftszeit schon zu (zum Glück, wie sich später herausstellt), also in Maastricht Marina angerufen und reserviert – Platz 604. Leider wird es schon wieder immer später! Nein, im Dunkeln wollen wir NIE wieder ankommen! Aber ein Zug um 18.52? Unrealistisch! Sehr nervig! Irgendwie hatten wir die Schleusen unterschätzt! Wir schaffen es zwar diesmal in der Dämmerung (zu beachten: leichte Verbesserung), aber Bodo schafft seinen Zug nicht und bucht eine Nachtfahrt. Oh je!

Ich verbringe den Abend auf Mawi, teste die Heizung, bin froh in Maastricht zu sein und kann nur „Danke, Bodo!“ sagen. Früh ins Bett und erstmal ausschlafen .

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