Bea ist weg: Per Boot von Berlin zum Mittelmeer…

Bald geht es wieder los! Da habe ich mir doch tatsächlich in einer Spontanaktion im letzten August (24) ein Boot gekauft: einen Hallberg Rassy 94 Kutter, 9,40m lang und lediglich 1,15m Tiefgang. Also ideal, um über Flüsse und Kanäle gen Süden zu tuckern. Nur 185 HR 94 wurden gebaut und alle diese Exemplare sind sehr alt! Also erstmal: Boot fit machen….

Anbei die Neuerwerbung…

und die geplante Route….

Aber zum Start:

…mussten wir (meine Freundin Birgit und mein Freund Bodo begleiteten mich) das Boot von Warnemünde/Hohe Düne, wo ich es erworben hatte, erstmal nach Greifswald zum Bootsservice bringen. Und das Anfang/Mitte Oktober, also nicht gerade in der Schönwettersaison. Diese 3 Tage waren so abenteuerlich, dass ich einen kleinen Reisebericht verfasst habe 🙂 :

Ein neues (altes) Boot

Ich habe ein Boot gekauft, ich habe es tatsächlich getan! Nach etlichen Überlegungen war es dann eine höchstspontane Entscheidung.  Gesehen, gekauft und ein folgender Depri: was habe ich da nur angestellt? Mitte August, überhaupt keine Zeit, und jetzt das ganze Schiff an der Backe. Oh weh!

Nach innerer Eigenberuhigung – schließlich kann man Boote ja auch wieder verkaufen – und endlosen Vormittagen gefüllt mit Telefonaten, um eine Werft (altes Boot!) und ein Winterlager zu finden wurde ich endlich fündig: Greifswald! Empfehlung meines früheren Segellehrers Micha Weber.

Aber da musste der kleine HR Kutter ja auch erstmal hin! Im Oktober! 

Meine Freundin Birgit, gerade frisch im Unruhezustand und mein viel arbeitender Freund Bodo sagten zu, allerdings möglicher Start frühestens am 9.10., letzter Auskrantermin am 16.10. – für einen dreitägigen Überführungstörn im Herbst auf der Ostsee wahrhaftig kein großes Zeitfenster. 

Der erste Plan, direkt am 9.10. zu starten, musste kurzfristig verworfen werden: zu viel Wind! Besseres Wetter war für das folgende Wochenende zu erwarten, also Start für Freitag, den 11.10 geplant, Anreise Hohe Düne donnerstags. 

Birgit kam, wie geplant per Zug aus München und wir fuhren mit meinem kleinen vollbepackten Fiat 500 direkt weiter nach Hohe Düne. Dort: vor allem Wind!!! Die Ausläufer des Hurricane Kirk trafen nun Deutschland und es pfiff uns nur so um die Ohren!

Starten einen Tag später? Hoffentlich klappt das dann – bisher waren die Wettervorhersagen immer plötzlich überraschend! Also Bodo gesagt, dass er entspannt am nächsten Tag kommen könne (anstatt donnerstags abends), strömenden Regen einmal abbekommen, einmal bei heißer Suppe abgewartet, Auto ausgeladen und bei stürmischstem Gegenwind die Handwägelchen, beladen mit Proviant, funkelnagelneuen Rettungswesten, allen warmen Sachen, die wir in unseren Kleiderschränken finden konnten, und auf – 20 Grad getesteten Schlafsäcken zum Boot gezogen. Alles draufgewuchtet – zum Glück nichts weggeweht!

Abends kein Essen in der Hafenklause – Fährbetrieb von Hohe Düne nach Warnemünde wegen Sturms eingestellt! Was für ein Beginn!

Am nächsten Tag strahlende Sonne! 

Nur die hohen Wellen verraten noch den Vortag… Kleiner Spaziergang zum Strand, leckeres Fischbrötchen und Bodo am Bahnhof abgeholt. Nach einem Kaffee zurück zum Boot und Zeit, dieses besser kennenzulernen. Läuft der Motor? Welche Schot für welches Segel? Rettungswesten eingestellt und mit Life Belts versehen, funktioniert der Kartenplotter? Wie wirdwas ein-und ausgeschaltet? …  Abends viele Nudeln bei Mama Mia, wir erwarten Kälte! Smili Smiley Smiliy - Kostenloses Bild auf PixabaySmili Smiley Smiliy - Kostenloses Bild auf PixabaySmili Smiley Smiliy - Kostenloses Bild auf Pixabay

Samstag 12.10.24

5.30 Wecker (igitt), schichtweise alle warmen Klamotten angezogen (Skihose über Thermounterwäsche, darüber Segelhose…), 7.00 Leien los! Das Ablegemanöver besser als erwartet. Wir fahren gen Osten, der Wind kommt aus Nordwest – das ist gut! Nach ca. 1,5 Stunden setzen wir – nach unseren Frühstücksbroten – die Fock als Unterstützung, klappt prima und wir gewinnen 0,8 bis 1 kn. 

 Ich bin dafür Segel zu setzten, Birgit will noch um eine Landecke, Bodo ist skeptisch. Dann dampft der Motor- dicke (zum Glück) weiße Wolken kommen aus dem Auspuff! Mh! Wir setzen also doch sofort die Segel – wie gut, dass wir uns am Vortag alles ausführlich angeschaut hatten. Motor aus und bei 5 – 6 Bft. gen Ziel. Wunderbar – das kleine Bott macht das prima und wir fühlen uns sicher. 

Birgit steuert meist und kaut auf ihrem Superpepp  gegen Übelkeit herum. Die allzeit bereit neben ihr stehende Pütz braucht sie zum Glück nicht. 

Gegen 12.00 wollen wir Plastiknudelfertiggerichte mit heißem  (yippie) Wasser auffüllen, aber der Strom geht weder unter Segeln noch unter Motor. Schade! ich brauche eindeutig einen Inverter! Also Schokolade, Käsebrot, Kekse und Nüsse. Geht auch!

Der Tag hat wirklich für dieses Boot perfektes Segelwetter und erst kurz vor dem Tonnenstrich, der uns um die Insel Bock und zur betonnten Einfahrt nach Barhöft bringen soll, holen wir wieder ein. Leider dampft der Motor immer noch! Einspritzdüse verstopft? Zylinderkopfdichtung leck? Wir wissen es nicht…, aber er läuft und zumindest stimmt die Akustik! Gegen 17.00 nur noch eine Seemeile bis zu unserem Zielhafen, juchhuh! Wir freuen uns sehr auf eine heiße Dusche und ein leckeres warmes Essen!

Da macht es rums! Eine Sandbank und wir sitzen fest! Die freudige Stimmung sinkt merklich! Der arme Motor! Vollgas vor und zurück, immer wieder. Aber: keine Chance und es wird bald dunkel! Ich rufe den Hafenmeister an. Der meint die Seenotretter sind zuständig: 124 124, also wähle ich diese Nummer. Ein wirklich netter Mensch meldet sich und versichert als erstes, dass die Sandbänke tückisch sind und sie jeden Tag Boote rausziehen. Also sind wir nicht die einzigen Pechvögel. Die Hertha Jeep ist innerhalb der nächsten halben Stunde da, ich fülle mehrere Papiere aus und wir bekommen sogar noch das Jahrbuch der Organisation geschenkt! 

Dann werden uns 2 Leinen zugeworfen, die wir an Bug und Heck befestigen. Der Seenotkreuzer zieht und wir sind rasch frei. Leinen los und: peng! Wieder auf der Sandbank. Noch habe ich das eher träge Verhalten des Boots nicht verinnerlicht. Also nochmal! 

Sonntag, 13.10.24

Weg ist die Sonne, wie schade! Stattdessen 7 Bft. Und strömender Regen! Nach dem Verschieben der eigentlich wohlverdienten Dusche auf City Marina Stralsund  (wahrscheinlich schicker und beheizt)   Lagebesprechung beim Frühstück! Heute wollen wir nur bis Stralsund, fdir Strecke ist fast ausschließlich betonnt, also Motor. Aber der dampft! Und wenn er aufgibt, haben wir keine Chance mehr zu steuern. Zuviel Risiko! Folglich gehen wir zum Hafenmeister und fragen ihn nach einem Menschen, der den Motor checkt. Vielleicht auch privat, schließlich ist Sonntag. Der lacht  über uns und meint, mit etwas Glück würden wir am Montag jemanden finden. Ich bin frustriert! Irgendwie merkt er das und schlägt uns beim Rausgehen vor, die Seenotretter zu fragen. Die kennen uns ja schon! Und wir sie auch! Wir gehen zu deren Boot und bedanken uns nochmals herzlich für die gestrige Rettungsaktion. Dabei erfahren wir, dass uns Stralsunder, die zu einer Übung da waren, von der Sandbank gezogen haben. Wie gut für sie – sie konnten direkt zweimal üben !!

Der nette Mensch, mit dem wir sprechen, will dem Maschinisten Bescheid geben und der kommt dann auch ca. 15. Minuten später zu unserem Boot. Supernett checkt er alles und befindet, dass der Motor zwar nicht ganz rund läuft, aber es sicher bis Greifswald schafft. Wie gut! 

Wir fahren zur Tankstelle, legen längs an (klappt!) , tanken für 224 Euro Biodiesel (setzt sich im Winter nicht ab, ist aber eigentlich wegen der Gefahr einer Dieselpest schlecht – das habe ich aber erst viel später gelernt) und lassen uns von einem herbeigeschlenderten Seenotretter – wir sind ja inzwischen bekannt wie die bunten Hühner – bzgl. des Ablegemanövers beraten. Es wissen inzwischen auch alle, dass wir das erste Mal auf diesem Boot sind, und sind superhilfsbereit. Das Ablegen klappt perfekt: Radeffekt der Schraube, etwas Bugstrahlruder und Eindampfen in die Spring…wunderbar! Viel Regen – wie gut, dass wir unser halbes Häuschen haben! Dazu weiterhin 6 -7 Bft. Und viel Welle! Birgit kaut wieder Dimentiden gefülltes SuperPepp und steuert. Sicht miserabel, aber trotz all des Hin- und Herwankens tanzt das Boot über die Wellen. 

Außer uns natürlich niemand unterwegs, wer will denn schon bei einem solchen Wetter auf dem Meer herumtuckern? Irgendwann sehen wir die Kirchtürme von Stralsund, aber die versinken sofort wieder im Nebel. Also ein Herantasten von Boje zu Boje gegen den Wind. Birgit fährt nach Plotter, Bodo studiert pausenlos die Seekarte und ich versuche die Tonnen zu spotten. Kurz vor Stralsund wird die Sicht etwas besser. Wir folgen der Wegbeschreibung, fahren brav noch die vorgeschlagenen Kurven und laufen gegen 14.00 in der City Marina Stralsund ein. Viel besser manövrierbar! Wir fahren etwas hin und her und entscheiden uns schließlich für einen Platz. Erstes Anlegemanöver aus meiner Sicht nicht schlecht, aber am Bug wohl fast ein Chaos. Also ein 2. Mal – wieder ein Steg an der Backbordseite. Beim 2. Versuch klappt es, 2 Menschen helfen uns mit den Leinen. Wie wir erfahren, sind wir am Vereinssteg gelandet, aber auch dort sind Gastboote willkommen – man freut sich über zusätzliche Einkünfte. 

Der Hafenmeister ist nur 2x/Tag für eine halbe Stunde da, also Dusche erneut verschoben auf abends.

In Jeans, Regenjacke und mit Schirm Stralsunds Altstadt besichtigt incl. St. Jacobi Kirche, die als Kulturzentrum genutzt wird. Gefällt uns! 

Während eines Cappuccinos in einem kleinen Café berichtet Birgit, dass sie sich auf meine Anfrage hin über Namen für das Boot Gedanken gemacht habe. Sie schlägt Mawi vor – finde ich großartig! Passt viel besser als das gewaltige Libertá, was ich erwogen hatte…´. Wir googeln Mawi und ich bin begeistert: im hebräischen ein Gottesgeschenk, in Swahili eine Inspiration oder ein Wunder, im chinesischen ist es die Schönheit… Und: der beste Freund der Biene Maja heißt Willi – die beiden zusammen also Mawi. Fortan denke ich an Mawi, wenn ich an das Boot denke, wie schön und wie stimmig! Danke Birgit!!! Beim ADAC werde ich den internationalen Bootsschein wieder ummelden!

Um 18.00 beim Hafenmeister und eine warme Dusche! Großartig! 20.15 gehen wir köstlichsten Fisch essen. An Bord noch ein kleines Bier und schlafen.

Montag, 14.10.2024/Dienstag 15.10.2024

Wieder frühes Aufstehen angesagt! Schnell in die diversen Kleidungsschichten, einen Kaffee und Leinen los. Leider keine Brötchen…. Um 8.00 wollen wir an der Ziegelgrabenbrücke sein, die um 8.20 öffnet. 20 Minuten Kreise gefahren, eine Mandarine gegessen, einem anderen Boot freundlich zugewunken und dann klappte der eine Teil der Brücke tatsächlich nach oben auf. Birgit steuerte wunderbar hindurch und schon ging es weiter. 

Wetter heute eher freundlich, etwas Frühnebel, erstaunlich wenig Welle und fast kein Wind. Also eher kein Segeltag – sind auch zu viele Tonnen. 

Es ist kalt und wir haben Hunger. Das am Vorabend im Restaurant ergatterte Baguette wird in Scheibchen geschnitten und schon bald gibt es Lachs-, Avocado – und Käsehäppchen. Später wieder etwas mehr Welle, aber Birgit schafft es heute super ohne Super Pepp. Wir nehmen die Fock zur Hilfe und kommen schneller voran. Alles nicht oberspektakulär – inzwischen sind wir mit dem Boot vertrauter! Nach Sandbank, 7 Bft, schlechter Sicht und 1,5m Welle erscheint der heutige Tag wie ein Kinderspiel. Im Hafenbuch lesen wir nochmal nach: 2sm in den Ryck hinein (Fluss von Greifswald), dann würden wir auf Ladebow, unseren Zielhafen, treffen, ein Hafen mit Yachtservice. Alles easy, immer gen Südsüdost unter Beachtung der Tonnen, die Bodo akribisch auf der Karte sucht. Nur nicht noch eine Sandbank! Besonders die Einfahrt in den Ryck ist umgeben von flachen Stellen…wir schaffen es und freuen uns auf ein baldiges Ende, denn es ist heute recht kühl. 

Nach etwa 0,5 sm kommt eine Klappbrücke (von der wir nichts wussten) und die ist zu! Wieder kurz vor dem Ziel noch eine kleine Hürde, etwas nervig! Das Googeln der Öffnungszeiten misslingt, aber immerhin gibt es an der Brücke eine Telefonnummer, die wir anrufen können. Birgit klingelt durch, aber Anrufbeantworter…! Ich rufe im Werftbüro an und wir stellen fest, was für ein Glück wir hatten, dass bei der Brückennummer nur der AB dran war. Wir sind nämlich zu weit gefahren! Nicht in den Hafenhandbuchhafen sollten wir fahren, sondern in den Industriehafen. Frau Buß, die Mitarbeiterin der Werft, hatte mir vorab auch eine Beschreibung gesendet – aber wir hatten uns vom Hafenhandbuch irreführen lassen… Nun denn – immerhin nicht auf die Brückenöffnung angewiesen! Den Ryck zurück und dann noch 2 weitere Tonnenpaare, links abbiegen an Tonne G1/G2, schaffen wir, war nur eine halbe Stunde Umweg! Die Anfahrt zu unserem Liegeplatz recht abenteuerlich, denn neben uns stehen! die Vögel im Wasser! Wir umrunden eine Mauer und legen schließlich an einer hohen Pier hinter zwei Booten an. Tatsächlich geschafft!!! Juchhu! 

Wir legen unsere Leinen und stellen schon da fest, dass das Boot an sehr rutschig-glitschigen und auch noch leicht morschen und wackeligen Planken liegt, einen Steg kann man das nun wirklich nicht nennen!  Fast hätte ich meine Rettungsweste wieder angezogen!  

Kurz Herrn Brock aufgesucht, den ich das erste Mal treffe – bin sofort überzeugt, dass er der richtige Mann für mein kleines Boot ist, etwas wortkarg, aber herzlich und supersolide. 

Leider haben wir keine Zeit unsere Ankunft gebührend zu feiern, sondern wir müssen sofort die Segel abschlagen. Den Rest will Herr Brock übernehmen – perfekt! Der Großbaum kann folglich dranbleiben! Birgit entpuppt sich als die beste Segelzusammenfalterin aller Zeiten und ruckzuck liegt das gesamte Tuch in Herrn Brocks Halle.

Immer noch keine Zeit zu feiern… wir wollen nun rasch zum Bahnhof! Bodo muss nach Berlin und arbeiten, Birgit und ich wollen gemeinsam das Auto in Hohe Düne holen, wir sind zu müde, um daraus eine Einfrauunternehmung zu machen. 

Wir sagen „tschüss“ zu Bodo und sind nach 2,5 Stunden und 2 Umstiegen zurück in Warnemünde. Nach einem köstlichen Fischbrötchen nehmen wir die Fähre zur Hohen Düne, gehen noch einmal beim Hafenmeister (kein Briefkasten für den Transponder vorhanden) und bei den Sanitäranlagen vorbei und steigen dann im Stockdunkeln in meinen kleinen Fiat 500.

Eine ätzende Fahrt! Viel Landstraße, dauernd blendet der Gegenverkehr, ich kann sowieso im Dunkeln nicht gut sehen. Birgit zu müde… Ich schleiche im Schneckentempo dahin und bemühe mich, sich gelegentlich hinter mir bildende hupende Autoschlangen zu ignorieren…Gelingt mittel! Immerhin: um 21.30 sind wir wieder an den Glitschplanken, tasten uns mit zum Glück mitgenommener Taschenlampe zum Boot und können endlich feiern! Wir trinken den wenigen Restwein der letzten Tage, dann wird die neue Flasche aufgemacht – die trinken wir auch.

Um 0.30 geht’s in die Koje, Birgit hat für 8.15 ein Taxi bestellt, denn sie hat einen wichtigen Termin nachmittags in München. Das nenne ich effiziente Zeitplanung ! Ich stelle meinen Wecker auf 7.45 um sie gebührend zu verabschieden.

Aber schon wieder sollte es anders kommen! Um 5.15 werde ich von Birgits Stimme geweckt Auf meine Nachfrage, was denn los sei, meint sie, sie habe Nasenbluten. Mh, denke ich, Nasenbluten ist ja nicht wirklich was Schlimmes und stehe auf… Huch! So etwas habe ich im Leben noch nie gesehen: das Blut schießt geradezu aus Birgits Nase und Versuche, diese zusammenzudrücken, um die Blutung zu stoppen, helfen nullkommanull! Eine durchblutete Küchenrolle und einem Beinahekollaps von Birgit weiter, beschließe ich die Rettung anzurufen, 

Diesmal 112 anstelle von 124124. Schnell nochmal nach Vorschlägen im Internet geschaut, aber dort gibt es auch keinen besseren Ratschlag. Ich bescheibe telefonisch unseren Liegeplatz und schildere die rutschigen Planken höchstdramatisch: ein ins Wasser gefallener Rettungssanitäter kann schließlich nicht helfen! Den vor der Reise noch organisierten Scheinwerfer stelle ich als Markierung auf das Deck! Nach etwa 20 Minuten kommt ein recht beleibter, leicht fluchender und sehr freundlicher Herr anbalanciert und nimmt Birgit – der es inzwischen etwas besser geht – im Dunkeln mit! Puh! 

Gute Entscheidung! Im Rettungswagen fängt die Blutung erneut so stark an, dass die bei Birgit weilende Rettungssanitäterin fast panisch wird… Nachdem in der HNO-Uniklinik auch blutstillende Schwämmchen nichts helfen, wird das blutende Gefäß schließlich vom diensthabenden HNO-Arzt verödet. Nach 2stündiger Beobachtung nimmt  eine Krankenschwester nach deren Dienstende Birgit mit zum Markt, wo es ihr nach Rührei, Toast und diversen Tees dann besser geht.

Ich habe unterdessen erstmal geraucht und Kaffee getrunken, ein wenig das Schicksal beklagt und dann beschlossen, dass vor allem letzteres nichts nützt. Also alles zusammengepackt und Blutspuren beseitigt. Und natürlich halbstündig den Sonnenaufgang fotografiert …Da Birgit ja den neuen und bleibenden Bootsnamen Mawi ersonnen hatte, war das wohl jetzt eine echte Blutstaufe gewesen…

Gegen 10.00 alle Reparaturarbeiten mit Herrn Brock durchgesprochen (ich denke der ist der absolute Glücksfall!) und dann mühevoll jedes Gepäckstück einzeln die Planken entlang Richtung Auto balanciert. Sehr mühsam! 

Im Auto die am Vortag nicht verzehrte Salatbowl verspeist, dann zum Marktplatz Greifwalds. 

Birgit sieht viel!!! besser aus und auch wieder wie ein Mensch . Wir sitzen noch eine halbe Stunde in der Sonne, trinken Cappuccino und dann geht es zurück nach Berlin. Unser erstes Bootsabendteuer ist beendet. Und noch eine Prise Glück gibt’s: Birgits Zug am frühen Morgen war ausgefallen, so kann sie jeden Zug nach München als Ersatz nehmen, obwohl sie eigentlich eine Zugbindung hatte. Und ihr wichtiger Nachmittagstermin:  wurde wegen Corona abgesagt!

„Und immer immer wieder geht die Sonne auf…“

Wir alle drei fanden: es war ein toller Törn!

P.S. Es folgten zu Hause 2 Nächte à 9 Stunden Schlaf !

Monate später: von Greifswald nach Berlin!

im April wollte ich eigentlich starten, aber irgendwie zog sich alles hin und die Lieferung eines neuen Motors dauerte ewig!!! Zwischenzeitlich war ich so genervt (schaute in meinen Terminkalender, 10 Tage nichts eingetragen…), dass ich im Mai spontan Freund:innen in Süddeutschland, meinen ersten Chef in Weißenhorn (bei Ulm) und das Allgäu besuchte.Und irgendwie half mir diese Woche mich nicht mehr über Dinge zu ärgern, die ich sowieso nicht ändern kann. „Et kütt, wie et kütt“ würden die Kölner:innen sagen, aber ich bin ja aus Düsseldorf!

Dann war es endlich soweit und mit derselben Crew ging es Mitte Juni nach Berlin. Diesmal bei schönstem Wetter 🙂

Tag 1: bis Wismar

Tag 2 bin Mönckebude – supernett mit kleinem Strand. Der Elektriker kam nochmal vorbei, um AIS, Plotter und Autopilot zusammenzuschließen.

Tag 3 bis Schwedt – dort Anlegen bei viel zu wenig Wassertiefe (wie ist denn eigentlich das Echolot eingestellt?) und ein Fest von 300 Studierenden im Hafen. Zum Glück keine AFD-Truppe (das besorgte uns mehr, als die zu erwartende Lautstärke), sondern Formel 1 Fans :)! Und: wir glaubten es kaum: um 2.00 morgens war tatsächlich Ruhe. Das wäre in meinen Studentinnenzeiten anders gelaufen…

Tag 4: Birgit musste zurück nach Starnberg, mit Bodo weiter nach Marienwerder, dort wegen Gewitterwarnung (kam nicht) angelegt. Küche um 19.00! geschlossen, am Wochenende! Wir haben trotzdem noch etwas bekommen – zum Glück!

Tag 5: Berlin! Vollgetankt und zum VSaW – dem Seglerhaus am Wannsee. Ich bin dank Phelan (Freund meiner Tochter) und seiner Familie dort bis 1.10. Gastliegerin. Toller Liegeplatz in erster Reihe mit Blick auf den Wannsee. Der VsAW ist der 2.älteste Segelclub Deutschlands, mein Boot ohne Mast (der ist schon in Südfrankreich) sieht etwas arm aus.

erste Schleusen

1A Interimsliegeplatz am Wannsee

Endlich Bootstaufe

eigentlich…soll man/frau ja ein Boot gar nicht umtaufen – angeblich bringt das Unglück! Unglück möchte ich nicht, aber ein Boot, welches Albatros heißt, auch nicht. Manche sagen, man könne es umtaufen, wenn es aus dem Wasser gehoben wurde (war es ja), andere meinen, dass 3 Kreise gefahren werden müssen, um der Seeschlange Macoui (jedes Boot hat einen solchen Macoui) den Kopf abzufahren… Nicht schön! Besser: dem alten Macoui wird Alkohol gegeben, dann ist dieser betrunken, verlässt das Boot und der neue kann derweil an Bord gehen.

Ich entschied mich dafür, dass einmal aus dem Wasser reichen muss! Mit Birgit und Maya als Taufpatinnen, Girlanden, Blumen und Fingerfood wurde es ein richtig nettes kleines Fest!

Und…

So langsam drängt es mich weiter – bis Oktober hier zu verweilen erscheint mir plötzlich etwas lahm und ich plane es mal zumindest bis Neuss zu versuchen , denn da wohnt meine Schwester. Allein traue ich mich noch nicht, sehr schwierig zu manövrieren so ein Langkieler…

Mit Micha Weber (Segelschule Weber, sehr zu empfehlen! – da habe ich alle meine Scheine gemacht) noch Einzelstunden vereinbart und neben perfekten Manövertricks auch noch viel über Motor, Seeventile etc. erfahren. Auch von der weiter oben erwähnten Dieselpest (Bakterien im Tank, die durch Biodiesel wachsen können und letztlich den Motor zerstören können) erfahre ich das erste Mal! Zum Glück gibt es Bakterienschutz! An was ich so alles denken muss…

Es geht wirklich los! Mawi fährt gen Westen! Ich auch!

Abfahrtstag ist der 28.8.25 – es regnet in Strömen. Also rein in die Seglekluft und Abschied vom VsAW… Bodo ist wieder dabei, ab Hannover dann auch Birgit, also die schon eingeschworene Crew, super Einstieg in die geplante Tour!

Am Vorabend habe ich alles, was wir so brauchen, schon an Bord gebracht: Nudeln, Schokolade, Kaffee, Wasser Nüsse und mehr. Das war weise, jetzt wäre alles pitschepatschenass geworden. Die Sicht ist schlecht, die Scheibenwischer auch!

Egal, es geht los und das ist die Hauptsache, ich bin richtig aufgeregt! Erstes Ziel ist Brandenburg an der Havel. Wir passieren die ersten Frachter – gewöhnungsbedürftig! Entweder sind wir mutter- und vaterseelenallein oder es gibt viele Frachter auf einmal – die könnten sich besser verteilen, wie ich finde.

Die erste Schleuse passiere ich mit Michas Ausfahrtrick bravurös und wir legen gegen 18.00 im Stadthafen an. Recht teuer, dafür sehr guter Service.

29.8.25

Deutlich besseres Wetter, sogar die Sonne lächelt gelegentlich zwischen den Wolken…Unser Ziel, den Mittellandkanal (MLK) zu erreichen, müssen wir aufgeben: zu weit! Über Havel und Elbe-Havel Kanal das Örtchen Burg als Zielpunkt erkoren, aber die dortige Marina ist voll und der Stadtanleger gefällt so gar nicht (viel Betrunkene). Bodo hat eine andere Marina im Niegripper Kanal auf der Karte entdeckt und wir fahren in den kleinen Stichkanal. Oh weh! Ziemlich flach, nur kleine Motorboote rechts und links, keine Möglichkeit zu drehen, auch keine Marina. Ätzend! Zum Glück gibt es am Ende den Niegripper See, der scheint für ein Umkehrmanöver geeignet. Ein Traum! Bei schönstem Nachmittagslicht fahren wir ein und beschließen spontan zu ankern. Klappt beim 2. Versuch und wir verbringen eine unerwartete Nacht auf dem See (nur 2 Boote außer Mawi) und erleben einen wunderbaren Sonnenuntergang! Auch die Kartoffeln mit Quark sind von der Stimmung angesteckt und schmecken besser, denn je!

30.8.25

Eigentlich hole ich morgens ganz brav meine Yogamatte hervor und mache auf dem Steg Gymnastik und dann eine 7 Minuten „Challenge“ (danke für den Tipp, Micha). Aber heute erwachen wir ja auf dem Boot und fahren nach dem ersten Kaffee durch den kleinen Nierepper Kanal zurück zum Elbe-Havel Kanal. Kurz danach kommt mit 18,5m Hub eine der größten Binnenschleusen der gesamten Strecke. Es ist eine Doppelsparschleuse und kann durch 3 in den Wänden versteckte, übereinanderliegende Sparkammern ca. 60% des Wasserverbrauchs einsparen.

Wir schleusen nach oben, fahren also in die hochwandige, etwas bedrückend wirkende Kammer – wie ein Gefängnis!

da ist schon mindestens die Hälfte geschafft

Wir liegen auch noch im Päckchen (ein anderes Boot hat in der Mitte an Mawi festgemacht) und so hilft uns ein Mann vom Nachbarboot…

Kurz nach der Schleuse der sogenannte „Trog“ – eine Wasserbrücke über die Elbe. Alles um uns herum sieht aus wie in Schlumpfenland – wir sind höher! Sehr beeindruckend.

Danach der Mittellandkanal! Dieser zieht sich mit 325,3km als die längste künstliche Wasserstraße Deutschlands (Wikipedia :)) – wir werden ihn komplett durchfahren, denn er verbindet den Elbe-Havel Kanal mit dem Dortmund-Ems Kanal und da müssen wir hin!

Immer wieder große Frachter, aber oft auch wir ganz allein. Und so beschließe ich den Autopiloten (Selbststeuerungsanlage des Bootes) mal auszuprobieren, denn sollte ich mal ein Stück alleine fahren, muss ich ja zwischendurch mal Leinen aufklaren oder auch den Kanal des Funkgeräts umstellen. Funktioniert tadellos – Boot fährt geradeaus. Schnell den Funkkanal tatsächlich umgestellt, Boot fährt immer noch geradeaus und ich setze mich entspannt wieder auf meinen schicken Retrokapitäninensessel, um alles zu beobachten, denn eigentlich ist der Autopilot nicht für die Fahrt auf Kanälen gedacht. Wie ich dann sehr schnell feststellen darf. ..

Plötzlich macht das Boot eine 90 Grad Wendung nach steuerbord (rechts) und ich fahre mit ziemlicher Geschwindigkeit 6 Knoten mit dem Bug auf die rostige Spuntwand zu – Panik!!! Zwar stelle ich den Autopiloten wieder auf manuelle Steuerung, vergesse aber das Steuerrad zu lösen – zuviel auf einmal und ich bin nicht routiniert genug mit den einzelnen Handgriffen. Weiterhin Bug gen Spuntwand und ich sehe innerlich das Boot schon in Trümmern. Im letzten Augenblick fällt mir ein, dass ich ja ein Bugstrahlruder (eigener Motor nur für die Beweglichkeit des vorderen Schiffteils) besitze und reiße das Boot herum. Gleichzeitig volle Pulle Rückwärtsgang, um zu stoppen. So ist der Bug gerettet, allerdings schrappt Mawi mit der rechten Seite an der Spuntwand entlang – mehrere Risse und Schrammen. Was für ein Schock! Bodo übernimmt das Steuern – ich muss mich erstmal wieder sammeln.

Abends sende ich Bilder nach Berlin zu Micha Weber – der Gelcoat (Hartlack zum Schutz der inneren Bauteile) muss gemacht werden, da sonst Feuchtigkeit in das Boot dringen kann… ätzend! Da der Autopilot über das GPS funktioniert, ist eine mögliche Erklärung, dass er kurzfristig kein Signal bekommen hat…

Nach dem Schreck weiter nach Wolfsburg: Motorsportclub, eine kleine Marina und mir ist es nach dem heutigen kleinen Disaster ein Rätsel, wie ich das Boot da wieder herausbekommen soll.

Abends Spaziergang – die VW Türme leuchten in verschiedenen Farben

31.8.25

wie erwartet: knifflig aus dem engen Hafen zu kommen, aber geschafft. Und ich bin auch nicht mehr soooo verzagt – einige Dinge muss ich wahrscheinlich unter dem Begriff „Lehrgeld“ abhaken.

Weiter MLK, Schleuse Sülfeld nach ca. 30 Minuten Fahrt. Nach den anfänglichen Berührungsängsten bin ich inzwischen eine große Freundin meines Funkgeräts und quatsche immer nett mit den Schleusenwärtern und -wärterinnen. Wir dürfen hinter Navigare 3 in die Kammer, einem Frachter, den wir bereits 2 x überholt hatten. Hat nicht viel geholfen…

Kurz vor Hannover kommt dann noch die Schleuse Anderten, 14,7 m bergauf, nach einiger Wartezeit wieder hinter Navigare 3. Erkenntnis des Tages: Überholen von Frachtern bringt meist nichts! Ankunft in Bodos Heimatstadt Hannover erst um 20.30, dann erstmal alle Risse des Vortagmalheurs mit Tesa verklebt – das Boot sieht jetzt aus wie ein Kleinkind mit mehreren Pflastern.

Mit Bodos Schwester noch in das Restaurant der Stadtmarina, Küche aber dicht.

1.9.25

Pausentag! Zu Fuß 1h zum Baumarkt, der eine nautische Abteilung hat. Alles mögliche gekauft: Dieselschutz, Fender, Schmirgelpapier et al., Kaffe getrunken, Regen. Uber bestellt, unterwegs festgestellt, dass alles neu Erworbene im Café geblieben ist – nur der Fender ist noch da. Zum Glück gerade im Uberauto – gedreht, alles noch da.

Der Plan Birgit vom Bahnhof abzuholen scheiterte an einem Strick im Ruder – komplizierte Bootshakenaktion, aber geglückt. In das dieselreiche Wasser des MLK wäre ich nur äußerst ungern gesprungen.

Letztlich Birgit an der Bushaltestelle abgeholt und ein gemütlicher Freundinnenabend, Bodo übernachtet heute bei seiner Schwester.

Willkommen in den meisten Marinas 🙂

2.9.25

weiter gehts…(nach der Morgengymnastik und dem Kaffee), wieder ein „Trog“, diesmal über die Weser. Schlumpfenland um uns herum. Kaiser Wilhelm Denkmal und Porta Westfalica gesichtet, Sonne und Reggae – Bodo hat dankenswerterweise eine Box dabei, ich bin Abonnentin von Spotify – passt! Nach dem Reggae mehrfach „Over the Rainbow“ gehört, passt auch! Schließlich sind wir ja „over“!

OFFICIAL Somewhere over the Rainbow – Israel „IZ“ Kamakawiwoʻole

Ziel heute: Bad Essen, wo wir meinen früheren Kommilitonen Uli und seine Frau Kristina treffen wollen, die wohnen in der Nähe von Osnabrück .

Marina fast verpasst, hektisch 2 Kurven gefahren und Bug nun auch noch geschrammt. Wie heißt es so schön: „in Häfen (und in Schleusen) ist die Langsamkeit dein Freund…“. Bin selbst schuld und ärgere mich furchtbar – und gelobe Besserung.

Uli und Kristina erwarten uns schon und haben ein ganzes Abendessen incl. einer Flasche Wein und einem kleinen Rolltisch mitgebracht. Supernett! Der Tisch passt perfekt ins Cockpit und es gibt ein köstliches Büffet. Wir freuen uns wirklich sehr! Danke!!!!!!!

3.9.25

erstmal Boot verlegt, um vorwärts aus dem Hafen fahren zu können. Ich bin heilfroh, dass ich ein AIS (ein automatisches Identifizierungssystem) habe einbauen lassen. So können wir auf dem Plotter (elektronisches Navigationssystem) alle Frachter sehen, denn für die Berufsschifffahrt ist ein AIS Pflicht. Und: sie können uns auch sehen. Dass erleichtert die Einfahrten ungemein und wir können einfach eine Frachterpause abwarten.

Wir versuchen einen sehr langsamen Frachter zu überholen, aber der mag das nicht und beschleunigt, als wir ungefähr seine Mitte erreicht haben und drängt uns nach links ab. Ekelhaft! Wir nennen ihn fortan den A…. und brechen das Manöver ab. Daraufhin wird auch er langsamer und hält uns ewig an seiner Seite. Also ein Obera….!!! Dann fährt er extra sehr langsam und wir zockeln hinterher. Blöderweise biegt er – genau wie wir – nach links in den Dortmund-Ems Kanal ab (hätte ja auch rechts in die Niederlande zurückfahren können). Kurz vor Münster (unser Tagesziel) beschleunigt A…. überraschend und schafft es eine Minute vor Schließung einer Einwegpassage (wegen Enge) noch durchzuhuschen, wir bleiben hängen und müssen eine Stunde warten. Falls A…. das genauso geplant hat, können wir ihm einen gewissen IQ leider nicht ganz absprechen.

Um 20.00 dürfen auch wir weiter und kommen somit im völligen Dunkel in Münster an. Mit Scheinwerfer beleuchten wir die Stadtufer und tasten uns ganz langsam zum historischen Stadthafen vor. Keine Marina, aber spektakulär. Die Anleger werden besser :)!

4.9.25

Bodos Geburtstag! Also unbedingt im Hellen ankommen und schön essen gehen – das ist das Ziel des Tages. Gymnastik vor Kulisse Münster , Geburtstagskaffee und los! 3 Schleusen, eine mit 12,5 m Hub. Immer Wartezeit! Immer langsame Frachter! Und welche, die plötzlich Manöver fahren, wie der Frachter Wotan, den wir umfahren müssen – ein wahrer Goliath! Calisto vor uns, ebenfalls riesig, fährt 2 – 3 Knoten, wir hinterher. Stimmung an Bord recht genervt, aber die Musikbox rettet uns und wir wünschen uns abwechselnd lange nicht gehörte Songs aus vergangenen Zeiten: Cat Stevens, Melanie, Queen…

Natürlich doch dunkel! Und plötzlich strömender Regen, Segelzeug und Gummistiefel. Marinaeingang klein, aber gefunden und einfach längs an einem Anleger der „Weißen Flotte“ (Ausflugsdampfer) festgemacht und : Glück im Unglück: die fahren nur mittwochs den Hafen in Oberhausen an und es ist Donnerstag! 21.00! Hafenmeister schon weg. Um noch zum Geburtstagsessen zu kommen, müssen wir über den Zaun klettern. Auch das gelingt und wir finden einen wunderbaren Italiener mit köstlichem Fisch. Auch das Zurückklettern klappt erstaunlich gut!

5.9.25

Oberhausen! Geburtsort meines Vaters und meiner Großeltern – mehr weiß ich darüber eigentlich nicht. Früher viel Kohleindustrie – mein Urgroßvater war Kohlearbeiter – früh gestorben. Hart!

Aber wir haben gerade andere Sorgen: wir müssen Diesel tanken. Bis Duisburg war geplant, aber laut Internet hat die Tankstelle dort wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Am Vortag in Castrop Rauxel angefragt – aber die betanken nur von 11.00 – 13.00 – wir waren zu spät! Und auch laut Netz: am DEK gibt es für Sportboote kaum Tankstellen. Schade!

Wir füllen die 20 l Reserve ein und machen uns zu Fuß auf zur 1 km entfernten Shell Tankstelle , kaufen noch einen 10l Kanister und schleppen die 30l zum Boot, alles in den Tank und wieder los- nochmal! Birgit und Bodo gehen zwecks Reserve sogar ein 3. Mal – nicht gerade unsere Lieblingsbeschäftigung! Ich darf in der Zeit duschen – dringend erforderlich!

Erst um 13.30 Leinen los, aber nur eine kurze Strecke bis zur Marina Duisburg, 2 Schleusen – das sind die letzen auf unserer Strecke zum Rhein. Etwas Irritation bei Duisburg Meiderich, denn die Schleuse ist geschlossen und wir müssen laut sehr nettem Schleusenwärter ein Stück zurück zur Ruhrschleuse (sind inzwischen auf dem Rhein-Herne Kanal -RHK). Da steht schon ein Frachter in der Schleuse und wir hören über Funk: „wir warten noch kurz auf das Sportboot“, nämlich auf uns. Ich bedanke mich sehr und wünsche dem Schleusenwärter einen schönen Tag. Das Rheinland hat mich wieder…die Menschen sind einfach offen, gesellig und munter.

Kurz nach der Schleuse Einfahrt in den Rhein – wow!!! Gegen den Strom sofort auf 3 Knoten abgefallen, viele! Frachter, aber heute ist es nur eine kurze Strecke bis bei km 776,8 (die Flüsse und Kanäle haben km Beschriftungen) die Einfahrt in den Duisburger Außenhafen erfolgt. Auch wow! Von dort in den Innenhafen durch schmale Tore, dann die Marina. Meine Anlegemanöver werden immer langsamer, aber auch immer besser. Unser sehr netter Bootsnachbar (Kanalboot, gerade aus Lyon zurück) versorgt uns mit seiner Stromkarte mit Strom, seine weiße Katze verscheuchen wir trotzdem von Mawi.

Endlich mal im Hellen angelegt! Abends Rundgang durch Duisburg und Humus und Fallafel in einem syrischen (?) Imbiss.

Suchbild mit Mawi

6.9.25

Heute soll es in meine Heimatstadt Düsseldorf gehen und ich freue mich! Aber erstmal:

Gymnastik auf dem Steg!

Um 8.00 durch Innen- und Außenhafen zurück zum Rhein und per AIS eine Frachterlücke abgepasst – gar nicht so einfach! Der Rhein überraschend wellig, wieder viele Frachter – immer 2 Leute müssen im Cockpit sein um alle Seiten zu beobachten ( hinter mir und vor mir, zu beiden Seiten… gilt es leider! ). Wir haben (schon gestern) unsere Rettungswesten angezogen und finden es anspruchsvoll.

Und dann nähern wir uns Düsseldorf und ich finde das ganz großartig. Ab der Kniebrücke steuern die anderen und ich sitze vorne und bin sehr begeistert mit dem eigenen Boot hier anzukommen.

Ein Platz im Medienhafen ist reserviert und wir legen zwischen den berühmten Gehrybauten nach 6 Stunden sicher an. Meine Schwester und ihr Freund filmen unsere Einfahrt (wunderbares Anlegemanöver) und besuchen uns dann an Bord.

Abends auf der Rheinpromenade (die gab es früher gar nicht – da fuhren Mengen von Autos, das Düsseldorfer „Jahrhundertvorhaben“ hat den Autoverkehr in Tunnel umgeleitet, um das Rheinufer für die Bevölkerung zugänglich zu machen – ist perfekt gelungen) Wir sind plötzlich auf einem Festival: „200 Jahre Sparkasse“. Nicht gerade unser Thema, aber es gibt leckeres indisches Streetfood und eine Band, die alte Düsseldorfer Lieder spielt, die ich ewig nicht gehört habe,… ich bin sehr begeistert und singe lauthals mit. (Texte werden besser nicht bekannt gegeben).

Birgit hat unterdessen eine alte Freundin und deren Mann gebeten an den Medienhafen zu kommen, die treffen wir aber nur kurz, da sie im oben erwähnten Tunnel eine Schraube in ihren Reifen gefahren haben und schnell wieder nach Hause wollen, bevor der Reifen platt wird. Also gehen wir zu dritt – nach den Düsseldorfer Liedern – in eine gechillte Location am Rhein und trinken einen Mojito auf unsere tolle Tour – es ist Birgits letzter Abend!

7.9.25

Abschied von Birgit, sehr traurig, aber sie kommt wieder und begleitet mich immer mal wieder streckenweise eine Woche…Sie gibt Mawi einen letzten Stoß, denn das Herausfahren aus dem Medienhafen ist nicht ganz ohne… aber klappt… (die Langsamkeit macht es, ich lerne).

Wieder per AiS eine Frachterlücke abgewartet, diesmal recht lange vor der Rheineinfahrt rumgedümpelt. Ziel ist der Sporthafen in Neuss, da muss das Boot ca. 3 Wochen bleiben. Meine Schwester wohnt nur etwa 100 m entfernt, hat den Liegeplatz organisiert und kann ab und zu mal nach Mawi schauen.

Endlich haben wir eine Lücke und fahren los. Nur ein paar km, denken wir, aber die sind extrem stressig. Frachter ohne Ende, sich überholend, uns überholend, entgegen kommend. Einen haben wir nicht beachtet, er fährt von hinten in ca. 1/2 m Abstand an uns vorbei. Viele Kurven – die Frachter nehmen immer die Außenkurve, wir müssen je nach Kurvenrichtung immer die Seite wechseln. Und das gegen den Strom. Die Nacht war kurz, wir sind müde, es ist anstrengend!

Wir passieren – nicht in bester Stimmung – 2 Brücken und endlich kommt auf der rechten Seite die Minieinfahrt zum ebenfalls kleinen Sportboothafen. Wir müssen den Rhein wieder kreuzen, um diese zu erreichen und trotz AIS kommt ein Frachter soooo schnell, dass ich das Manöver abbrechen muss. Erneuter Versuch: gegen den Strom etwa 50 m aufwärts gesteuert, da das Boot sofort vertreibt. Geschafft! Im Hafen Neuss finden wir unsere Anlagestelle nicht und machen erstmal an einem Gastliegeplatz fest. Viel Wind!

Meine Schwester kommt, um uns den Platz zu zeigen, wir sind inzwischen herumgelaufen, um zu suchen. Plötzlich bin ich nicht mehr herumlaufend, sondern unter Wasser – ein Fehltritt. Für Bodo und meine Schwester Anja war ich plötzlich weg, hatte ich doch keinen Laut von mir gegeben. Richtig schrecklich sich plötzlich unter Wasser zu befinden, aber noch mit Rettungsweste, die mit erstaunlich lautem Knall öffnete. Mein Handy hatte ich festgehalten und muss wohl als erstes um dessen Abtrocknen gebeten haben – Schock! Bein rechts schmerzhaft, ich zittrig – aus dem Wasser zu kommen (keine Leiter) schwerer, als gedacht. Mit aufgepusteter Rettungsweste umher gepaddelt und schließlich einen Unterwasserholzbalken gefunden, Bodo hatte inzwischen das Schleusenbbrett geholt – das hat Stufen. Mit seiner Hilfe dann auf den Steg an Land und erstmal hingelegt… Ist ein recht großer Unterschied, ob man vorhersehen kann, dass man/frau ins Wasser fällt und vorher schreit oder ob man/frau plötzlich unter Wasser ist. Keine schöne Erfahrung, aber Glück gehabt: Schwimmweste hat perfekt funktioniert, nicht den Kopf gestoßen (war zwischen Steg und Boot), Bein dick, blau und ziemlich geschürft, aber nicht gebrochen, Handy hat auch überlebt.

Nach Kaffee, Schokolade, trockenen Klamotten und Entzittern dann an den richtigen Platz gefahren und da liegt nun Mawi für die nächsten 3 Wochen, bis es Anfang Oktober weitergeht gen Süden.

P.S. Bein besser, Schock vorbei 🙂

3 Kommentare zu „Bea ist weg: Per Boot von Berlin zum Mittelmeer…

  1. Spektakulär Dein Bericht, liebe Bea! Um Abenteuer zu erleben, muss man offensichtlich nicht in die Ferne schweifen…….freu’ mich schon auf die Fortsetzung! Es bleibt spannend. Toi, toi, toi!

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    1. Wenn Bea eine Reise tut….. da gibt`s was zu erzählen…. macht Spaß zu lesen!!! Mir war gar nicht klar, dass so viele Schiffe unterwegs sind. Viel Glück! Karen

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