Zurück gen Maastricht

Den späten Vormittag verbringe ich im Waschsalon. Erinnere mich an meine studentischen Münchener Zeiten, wo ich mit Birgit immer ins Café Freiheit in Neuhausen gegangen bin, während unsere Klamotten in der Maschine rollten. Also Buch eingepackt, etwas Kleingeld und den Wäschesack. Aber Pustekuchen… Die Gegend wird immer ärmer, weit und breit kein Café. Aber immerhin gibt es den Salon. Eine wirklich nette zahnlose Frau (1 Zahn) wäscht auch dort und erklärt mir alles. Auf mein“Lentement, s´il vous plait,“ hört sie leider nicht, aber ich verstehe ungefähr die Hälfte und starte den Waschgang. Da es in der Umgebung nur plattenbauähnliche Gebäude gibt beschließe ich mein Buch vor Ort weiter zu lesen, aber daraus wird nichts. Die Mitwäscherin ist sehr an einer Unterhaltung interessiert und supernett zu mir. Wir haben eine Win-Win Situation. Sie kann ihren ganzen Ärger über ihre kaputte Waschmaschine loswerden, ich werde langsam wieder besser im Französischen. Nach ca. 1,5 Stunden ist alles sauber und trocken und wir verabschieden uns herzlich.

Den Nachmittag trinke ich noch einen Kaffee mit meinem Bootsnachbar Francis und gehe recht früh schlafen.

18.10.2025

Frühstück und zum Bahnhof, um meinen Berliner Musikerfreund Andy abzuholen. Er hatte mal ein Stahlmotorboot, war aber noch nie mit auf Mawi, ich bin also gespannt. Wir schlendern ein wenig durch Namur und fahren dann per Bus zur Marina. Kurze Einweisung in Rettungsweste, Feuerlöscher, Leinen und Schleusen, ein kleiner Spaziergang, dann eine Einladung an Francis zu uns zu kommen. Wir unterhalten uns sehr nett, Francis will sein Englisch trainieren, wir unser Schulfranzösisch. Irgendwie klappts und Francis bleibt zu Sphagetti aglio e olio incl. Salat. Er bringt einen köstlichen Wein aus dem Juragebirge mit und nach einem Glas können wir alle alle Sprachen besser :)!

19.10.2025

Los geht es gen Huy – das kenne ich ja schon. 3 Schleusen weiter kommen wir beim ersten Port de Plaisance (den ich noch nicht kenne) an, aber der gefällt uns nicht: eng, voll und direkt nebenan eine Kirmes (zur Erinnerung: Rummel, Volksfest). Also wieder zum bereits bekannten Atomkraftwerk… Auch diese Marina recht voll – es folgt ein – wie ich finde – spektakuläres Anlegemanöver rückwärts zwischen zwei dort liegende Boote. Ziemlich stressig! Nicht elegant, aber gut gegangen. Kaum fertig, fängt es an zu regnen.

20.10.2025

Schon nachts überlegt, wie ich aus der Lücke wieder rauskomme. Andy meint, dass wir das Boot doch mit dem Bootshaken drehen könnten und dann einfach nach vorne wenden. So geht das aber leider nicht mit meinem Langkieler und ich grübele eine ganze Weile, bis ich mich entscheiden kann. Wird eng, aber hat geklappt. Es kommt die erste Schleuse – kein Problem, dann die zweite mit Wartezeit…ätzend! Wir müssen vorübergehend festmachen und das mit dem Strom und Wind… Sehr nervig! Aber ein „vor der Schleuse herumdümpeln“ ging auch nicht. Andy will das Boot mit einem Bootshaken festhalten – kaputt! Stimmung an Bord nur mäßig….Wegen der Wartezeit schaffen wir Maastricht heute nicht und entscheiden uns für Liége. Nach dem Anlegen geht Andy eine Runde spazieren, ich sitze da und erhole mich…beides funktioniert. Als er wiederkommt ist die Stimmung wieder prima und wir erforschen noch gemeinsam ein wenig die Stadt.

Suchbild mit MAWI

21.10.2025

Viel Wind! Und das Boot muss irgendwie gedreht werden. Andy will wieder per Bootshaken drehen 🙂 (dann hätten wir Seitenwind und 5,5 Tonnen Boot, die der Haken halten müsste), ich grübele wieder… Schließlich ziehen wir das Boot weiter nach hinten für mehr Raum nach vorne zum Wenden… Dauert alles, aber wir fahren schließlich mit dem Bug voran auf die Maas (hier: La Meuse). Es ist heute saukalt, Nieselregen, ungemütlich! Ich fühle mich nicht mehr sehr motiviert, aber nach Maastricht, wo ich inzwischen einen Winterplatz zugesichert bekommen habe, ist es nicht sehr weit. Zum Glück bei diesem Wetter! Nur eine Schleuse, aber die ist gräßlich. Massive Windböen, ein Seitenarm der Meuse, aus dem Frachter kommen und eine rote Ampel, also Wartezeit. Beim ersten Frachter fahre ich eine Kurve, beim zweiten in die Schleuseneinfahrt, aber immer noch Rot! Wieder Festmachen mit dem Strom und diesmal auch bei heftigem Wind. Nicht schön!!! Endlich! fahren wir in die Schleuse und erfreuen uns am Abwärts – der Wind lässt in der Kammer, und leider auch nur dort, nach! Schleusenverschaufpause – wer hätte das gedacht?

Kurz darauf erreichen wir Maastricht Marina – Platz 202 wurde mir zugewiesen, längs backbord an einem sehr wackeligen Steg voller!!! Enten- und Gänsekacke. Die Leinen werden voll, unsere Schuhe treten rein – kein herzlicher Empfang. Noch bevor wir die Leinen perfektionieren holen wir erstmal Pütz (Eimer) und Wasserschlauch und säubern den Steg. Inzwischen in Gummistiefeln, wässere ich auch direkt meine Schuhe. Und spritze die Leinen wieder sauber. Besser! Mawi liegt inzwischen prima und wir kochen- mal wieder – Nudeln mit allem, was der Kühlschrank noch so hervorzaubert Freude dass alles geklappt hat – ein bißchen „Trial and Error“, aber die Mawilernkurve steigt.

21.10.2015

Vor seiner Abreise hilft mir Andy noch das Boot zu schrubben, supernett, großes Danke! Ich belese mich über Tankfüllungen im Winter und stelle fest, dass der Tank zu 95% gefüllt sein sollte. Wir kippen die zwei noch vollen Kanister á 10 Liter rein, reicht nicht! Also mit je 2 leeren 10l Kanistern im Laufschritt zur nächsten Tankstelle (angeblich ca. 700m entfernt) und dort Diesel eingefüllt. Andy muss seinen Zug bekommen, also die Tankstellenangestellte nach einem Taxi gefragt, aber die meint, dass sei für diese kurze Strecke aussichtslos. Also bewaffnet mit je 20l Diesel zu Fuß zurück. Ich zähle Schritte: alle 100 setze ich ab, dann 80, dann 60… die angeblichen 700m werden zu 7.000!!! Ich kann sooo schwer nicht tragen und muss mir eine andere Lösung für die Zukunft ausdenken… Aber diese Überlegungen nutzen gerade nichts und ich komme irgendwie am Boot an – inzwischen bin ich mit meiner Zählung bei 40 :): Andy will zum Bus rennen , aber ich bestelle ein Auto und bringe ihn zum Bahnhof. Noch einen gemeinsamen Cappuccino und dann heißt es auch schon Abschied nehmen – und schnell noch ein Selfie am Bahnhof….

Ich gehe noch zu einem Schlüsseldienst, um noch einen Bootsschlüssel mehr zu haben, dann zurück zu Mawi – lesen, kochen, schreiben…

22.10.2025

Was für ein letzter Tag!!! Regen ohne Ende, viel Wind, es wackelt hin und her. Ich räume heute innen auf und habe schon recht schnell 6 Taschen beisammen. Wie bedauerlich, wo ich gefühlt doch erst gerade alles so schön eingerichtet habe… Stoße mich dauernd irgendwo an – besser aufpassen! Telefoniere mit Micha (Segelschule Michael Weber) und bin erleichtert, dass der Frostschutz wohl auch bis Dezember Zeit hat, denn dafür ist man/frau wohl besser zu zweit. Eine Person füllt den Frostschutz ein, die andere sagt Bescheid, wenn dieser wieder aus dem Boot herauskommt.

Abends kommt Sturm mit bis zu 80km/h Wind auf, sehr ungemütlich, Mawi zerrt an den Leinen! Ich ziehe meine Segelklamotten und Gummistiefel an, trotze dem Wetter und lege vorne und hinten je eine 2. Leine – es ruckt ordentlich. Ein Gutes hat dieses Wetter: ich freue mich auf zu Hause ! Und: Micha hat recht: die wunderbaren französischen Kanäle verdienen es in angenehmen Temperaturen erfahren zu werden, die beginnende Frühlingsnatur zu erleben und einfach Freude zu empfinden.

Mawi in Maastricht bei noch gutem Wetter nach Ankunft…

Restart ist Mitte/Ende März geplant, angeblich sind die Kanäle ab 1.4.26 wieder geöffnet.

Wer Lust, Freude und Laune hat ein Stück oder Stückchen mitzufahren gern bei mir melden, ich würde mich freuen. (schmidt.bea@googlemail.com)

Ansonsten: Fortsetzung folgt: Au Printemps 2026!

Allen Lesern, Leserinnen und allen anderen auch: einen guten Winter, wunderbare Weihnachten und den perfekten Start ins Neue Jahr!!!

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