Wie betäubt fahren wir die soeben genommene Schleuse noch einmal – nur diesmal bergab anstelle von bergauf….Ziel ist nun Dinant, das ist nur ca. 1 Stunde entfernt und hat eine Marina. Ich muss mich auf die Manöver konzentrieren, aber könnte schreien, fluchen, weinen, aufstampfen und schluchzen – einmal alles gleichzeitig. Aber wir reden erstmal wenig, Lösungen gibt es heute sicher keine mehr. Die Marina Dinants ist geschlossen, aber ein netter Belgier auf einem Fahrrad ruft den Hafenmeister an und er kommt extra für uns und macht eine Ausnahme: une exception. Und er schenkt uns 2 Dosen Leffé blonde guten belgischen Bieres, als er von unserer heutigen Odyssee erfährt und die trinken wir dann auch :). Immerhin liegt Mawi vor einer kleinen kümmerlichen Palme, das ist doch ein Hauch von Süden.

Wir spazieren noch 1 Stunde in den Ort – alles recht zu, aber ein Grieche hat offen… noch ein Zeichen des Südens, auch wenn diese Himmelsrichtung gerade SEHR weit weg erscheint. So langsam finden wir unsere Sprache wieder und beschließen am Folgetag spät zu starten, irgendwo in der Pampa an einem Anleger zu übernachten und morgens zu recherchieren.
15.10.2015
Am Morgen erstmal VNF (Voies navigables de France) angerufen und mögliche Strecken diskutiert. Ich könnte über die Sambre (biegt bei Namur ab) weiter, aber ob die dann anstehenden Kanäle offen sind, wenn ich da ankomme, konnte mir die sehr hilfsbereite Dame nicht sagen. Insbesondere der Canal de Champagne et Bourgogne scheint häufig ebenfalls von Wassermangel geplagt und dann müsste ich die Marne entlang. Ich will aber nicht nur Flüsse mit Frachtern fahren! Und: die Sambre ist zum Teil nur 5,15m breit und hat bis Charlesrois relativ viel Berufsverkehr. Mein Boot ist 3,25m breit – das traue ich mich nicht! Vielleicht mit Profi? Keine Ahnung, wie ich so schnell jemanden finden kann – die Info muss erstmal sacken. Prophylaktisch rufe ich zwecks Winterlager auch in Maastricht an – wahrscheinlich würde das klappen. Der nette Hafenmeister erinnerte sich glücklicherweise an mich und Mawi.
Dann los. Aus dem Plan, noch in Dinant Zentrum anzulegen, die Zitadelle zu besichtigen und Cappuccino zu trinken wird nichts, unsre Leinen sind erst um 14.30 endlich los – jetzt, wo wir unsere Sprache wiedergefunden haben, diskutieren wir alle Möglichkeiten immer wieder rauf und runter.
Einige Schleusen weiter haben wir immer noch keinen uns genehmen Pampaanleger gefunden – alle häßlich! Und es wird immer später! Noch eine Schleuse – dahinter ist ein Anleger eingezeichnet, den müssen wir nehmen, denn es ist 18.30. Diesmal egal, ob häßlich oder nicht. Und wir haben Glück! Es ist zwar nicht die Pampa, aber ein sehr netter Ortsanleger in Profondsville mit erleuchtetem Berg im Hintergrund.

Wir kochen und gehen dann noch in die „Kneipe nebenan“ – die ist nämlich von unsrem Boot aus sichtbar.
16.10.2025
Am Morgen sieht unser Platz so aus:

Und das Wetter spielt auch mit! Wir sind trotz aller für mich noch anstehenden Entscheidungen guter Dinge und gucken uns Profondsville an – klein, aber fein!

Ich erstehe 5 Briefmarken für Ansichtskarten (13 Euro!!!) und frage mehrere Menschen, wo ich denn Karten erstehen könne – gibt keine (nur im Touristenbüro gibt es 4 vergilbte Motive, die ich nicht kaufe). Die Briefmarken verschwinden folglich im Portemonnaie und wir auf dem Boot. Ich weiß immer noch nicht, was ich machen soll 🤷🏻♀️🤷🏻♀️🤷🏻♀️!
Ziel heute ist Namur, da will Birgit dann morgen abreisen und mein Freund Andy übermorgen kommen. Wir hoffen auf eine andere Marina, als beim ersten Mal – die war ja scheußlich!
Und tatsächlich: kurz vor Namur (nur 1 Schleuse :)) fahren wir am Port de Plaisance d´Amée Jambes vorbei und der „Mann mit der Katze“ winkt uns zu. Was für ein Glück! Wir drehen und legen backbord (also mit der linken Seite des Schiffes) gegen den Strom an. Nicht meine Schokoladenseite, aber klappt. Und Jean Christoph (der Katzenmann) hilft erneut mit den Leinen. Viel netter und nur 10 Bushaltestellen nach Namur Zentrum. Auch diese Marina ist bereits geschlossen, aber es sind mit uns noch 4 Boote da: aussi une exception! Und: diesmal vernünftige sanitäre Einrichtungen mit heißer Dusche! Leider Birgits letzter Abend…und ich weiß immer noch nicht 🤷🏻♀️🤷🏻♀️🤷🏻♀️…Jean Christoph gibt mir noch einen Link für Navigation in Belgien (periskal), kriege ich aber nicht auf.
16.10.2015
6.00 Wecker, Kaffe mit Birgit und diese verabschiedet. Nochmal in die Koje, aber nach dem Kaffee zu wach, um nochmal zu schlafen. Also wieder aufgestanden. nach Dusche und weiterem Kaffee ein bißchen „Hausarbeit“, dann kommt wieder Jean Christoph vorbeigeschlendert und bekommt den Link bei mir auch nicht auf. Er meint mein Bootsnachbar kenne sich aus und macht uns bekannt. Also lande ich bei Francis, einem sehr netten Belgier und trainiere mein französisch. Er beteuert, dass ab November fast alle Kanäle in Frankreich geschlossen sind und entwirft mögliche Strecken, mh……Ich nehme diese Infos mit und sitze den ganzen Tag und einen Teil der Nacht vor meinem Laptop bis so langsam die Einsicht reift:“Wird nichts!“ Brauche das Winterlager in Maastricht und fahre nach Hause – wer weiß, wofür das gut ist. Seit ich ein Boot besitze, wird alles immer anders, als geplant – meine diesbezügliche Lernkurve hat noch Luft nach oben.